Der Fall Epstein zeigt: Die Erzählung des US-Präsidenten über korrupte Eliten ist eine Erzählung über ihn selbst.
Im April dieses Jahres hat sich Virginia Giuffre das Leben genommen. Die 41-jährige Frau hat offenbar ein Leben lang unter den Folgen sexualisierter Gewalt gelitten. Sie war die Hauptklägerin gegen Jeffrey Epstein, dem vorgeworfen wurde, einen Ring zur sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen betrieben zu haben.
Wenn in diesen Tagen spekuliert wird, welche Prominenten zu den Kunden des Netzwerkers Epstein gehörten und welche Rolle der heutige US-Präsident Donald Trump dabei gespielt haben könnte, geht es um Macht. Von den Opfern pädokrimineller Netzwerke ist so gut wie nie die Rede – wieder einmal.
Dabei könnte der Skandal eine Debatte darüber anstoßen, wie mächtige Männer gestoppt werden können, die glauben, sich alles und jede Person nehmen zu können. Belegt ist Trumps Frauen verachtende Aussage von 2005: „Wenn du ein Star bist, lassen sie dich alles tun. Du kannst alles tun, ihnen an die Muschi greifen.“ Später rechtfertigte der heutige Präsident seinen extremen Sexismus mit den Worten „Historisch gesehen stimmt das bei Stars“ und fügte hinzu: „Leider oder zum Glück“. Im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch und gewalttätige Misogynie bedeuten solche Äußerungen einen enormen Rückschritt. Seine Anhängerschaft scheint das nicht zu verstören.
Ohnehin gibt es kaum etwas, das Trumps Maga-Bewegung irritiert. Dass er mit der Auflösung der Entwicklungshilfe-Agentur USAID Millionen von Menschen weltweit in Armut und Hunger stürzt, dass er sich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin vorführen lässt, dass er mit seiner Zollpolitik die Weltwirtschaft durcheinanderwirbelt – egal.
Die Epstein-Affäre jedoch berührt die Emotionen. Zum einen, weil es um Sex geht – in einem nach wie vor prüden Land. Zum anderen, weil dunkle Geheimnisse thematisiert werden. „Möge jeder Tag ein weiteres wunderbares Geheimnis sein“, hieß es auf der Geburtstagszeichnung für Epstein von 2003, die nach Angaben des „Wall Street Journal“ von Trump stammte. Dass Epstein „hübsche Frauen so sehr wie ich mag, und viele von ihnen jünger sind“, hatte Trump bereits ein Jahr vorher in einem Interview festgestellt.
Trumps aufgeregte Reaktion auf die Enthüllungen legt nahe, dass es um eine für ihn peinliche Angelegenheit geht. Dazu gehört auch seine Klage gegen das „Wall Street Journal“, das über die Nacktzeichnung berichtet hatte, mit einer abwegigen Schadenersatzforderung in Milliardenhöhe.
Trump selbst hat erheblich dazu beigetragen, Verschwörungsglauben in den USA populär zu machen. Nun könnte ihm diese Legendenbildung zum Verhängnis werden, wenn seiner Anhängerschaft nicht mehr darüber hinwegsehen kann, dass Trump selbst Teil einer Elite ist und heikle Geheimnisse verbergen will. Die Erzählung über korrupte Eliten wäre dann entlarvt als Erzählung über ihn selbst.
Wie nervös das den Präsidenten macht, zeigt er, indem er gegen diejenigen austeilt, die ihm von der Stange zu gehen drohen. Auch Medienmogul Rupert Murdoch war ein mächtiger Verbündeter der Trump-Bewegung. Nun wird er zum Feind erklärt, ähnlich wie zuvor schon sein Ex-Unterstützer Elon Musk. Das ist für Trump gefährlich.
Bis jetzt haben ihm seine Fans alles verziehen. Doch irgendwann wird dieses Geschäftsmodell nicht mehr aufgehen. Der Fall Epstein könnte eine wichtige Rolle spielen.
Es wäre ein Segen, wenn Trump wegen dieser Affäre an Boden verlöre. Noch segensreicher aber wäre es, wenn junge Frauen und Männer vor Ausbeutung durch brutale Machtmenschen wie Epstein oder Trump geschützt würden. Diese Herausforderung erscheint fast noch größer als die, Trump zu Fall zu bringen.
Frankfurter Rundschau, 21.7.2025
Ja, vielleicht schadet es Trump. Aber der klagt ja bereits.
Schon sonderbar, wen sich unser Kanzler da als Vorbild nimmt.
Aber der will ja auch einen korrupten Kriegsverbrecher in unserem Namen in Berlin willkommen heißen.
In meinem Namen aber nicht.
Der Fall Epstein zeigt: Die Erzählung des US-Präsidenten über korrupte Eliten ist eine Erzählung über ihn selbst.
Im April dieses Jahres hat sich Virginia Giuffre das Leben genommen. Die 41-jährige Frau hat offenbar ein Leben lang unter den Folgen sexualisierter Gewalt gelitten. Sie war die Hauptklägerin gegen Jeffrey Epstein, dem vorgeworfen wurde, einen Ring zur sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen betrieben zu haben.
Wenn in diesen Tagen spekuliert wird, welche Prominenten zu den Kunden des Netzwerkers Epstein gehörten und welche Rolle der heutige US-Präsident Donald Trump dabei gespielt haben könnte, geht es um Macht. Von den Opfern pädokrimineller Netzwerke ist so gut wie nie die Rede – wieder einmal.
Dabei könnte der Skandal eine Debatte darüber anstoßen, wie mächtige Männer gestoppt werden können, die glauben, sich alles und jede Person nehmen zu können. Belegt ist Trumps Frauen verachtende Aussage von 2005: „Wenn du ein Star bist, lassen sie dich alles tun. Du kannst alles tun, ihnen an die Muschi greifen.“ Später rechtfertigte der heutige Präsident seinen extremen Sexismus mit den Worten „Historisch gesehen stimmt das bei Stars“ und fügte hinzu: „Leider oder zum Glück“. Im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch und gewalttätige Misogynie bedeuten solche Äußerungen einen enormen Rückschritt. Seine Anhängerschaft scheint das nicht zu verstören.
Ohnehin gibt es kaum etwas, das Trumps Maga-Bewegung irritiert. Dass er mit der Auflösung der Entwicklungshilfe-Agentur USAID Millionen von Menschen weltweit in Armut und Hunger stürzt, dass er sich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin vorführen lässt, dass er mit seiner Zollpolitik die Weltwirtschaft durcheinanderwirbelt – egal.
Die Epstein-Affäre jedoch berührt die Emotionen. Zum einen, weil es um Sex geht – in einem nach wie vor prüden Land. Zum anderen, weil dunkle Geheimnisse thematisiert werden. „Möge jeder Tag ein weiteres wunderbares Geheimnis sein“, hieß es auf der Geburtstagszeichnung für Epstein von 2003, die nach Angaben des „Wall Street Journal“ von Trump stammte. Dass Epstein „hübsche Frauen so sehr wie ich mag, und viele von ihnen jünger sind“, hatte Trump bereits ein Jahr vorher in einem Interview festgestellt.
Trumps aufgeregte Reaktion auf die Enthüllungen legt nahe, dass es um eine für ihn peinliche Angelegenheit geht. Dazu gehört auch seine Klage gegen das „Wall Street Journal“, das über die Nacktzeichnung berichtet hatte, mit einer abwegigen Schadenersatzforderung in Milliardenhöhe.
Trump selbst hat erheblich dazu beigetragen, Verschwörungsglauben in den USA populär zu machen. Nun könnte ihm diese Legendenbildung zum Verhängnis werden, wenn seiner Anhängerschaft nicht mehr darüber hinwegsehen kann, dass Trump selbst Teil einer Elite ist und heikle Geheimnisse verbergen will. Die Erzählung über korrupte Eliten wäre dann entlarvt als Erzählung über ihn selbst.
Wie nervös das den Präsidenten macht, zeigt er, indem er gegen diejenigen austeilt, die ihm von der Stange zu gehen drohen. Auch Medienmogul Rupert Murdoch war ein mächtiger Verbündeter der Trump-Bewegung. Nun wird er zum Feind erklärt, ähnlich wie zuvor schon sein Ex-Unterstützer Elon Musk. Das ist für Trump gefährlich.
Bis jetzt haben ihm seine Fans alles verziehen. Doch irgendwann wird dieses Geschäftsmodell nicht mehr aufgehen. Der Fall Epstein könnte eine wichtige Rolle spielen.
Es wäre ein Segen, wenn Trump wegen dieser Affäre an Boden verlöre. Noch segensreicher aber wäre es, wenn junge Frauen und Männer vor Ausbeutung durch brutale Machtmenschen wie Epstein oder Trump geschützt würden. Diese Herausforderung erscheint fast noch größer als die, Trump zu Fall zu bringen.
Frankfurter Rundschau, 21.7.2025
Ja, vielleicht schadet es Trump. Aber der klagt ja bereits.
Schon sonderbar, wen sich unser Kanzler da als Vorbild nimmt.
Aber der will ja auch einen korrupten Kriegsverbrecher in unserem Namen in Berlin willkommen heißen.
In meinem Namen aber nicht.