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Trumps riskantes Spiel mit Venezuela

Von Harvey11 Samstag 03.01.2026, 19:16 – geändert Samstag 03.01.2026, 19:22

Trumps „Mission Accomplished“-Moment beschränkte sich auf einen Post. In den frühen Morgenstunden, nachdem Meldungen über Explosionen in Venezuelas Hauptstadt Caracas die Runde gemacht hatten, bestätigte Donald Trump auf Truth Social in kurzen Sätzen, was geschehen war.
Die Vereinigten Staaten hätten „einen großen Militärschlag“ gegen Venezuela ausgeführt und den Präsidenten des Landes, Nicolás Maduro und dessen Frau, gefangengenommen und außer Landes gebracht, schrieb der US-Präsident.
Dann kündigte er eine Pressekonferenz am Vormittag an. Den Beitrag schloss er mit der Formulierung, die seit einigen Monaten zum Standardrepertoire des Weißen Hauses zählt: „Thank you for your attention to this matter“. Zu Deutsch: „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Sache.“
Die Beiläufigkeit des Posts kann allerdings nicht überdecken, was in Caracas in den Stunden zuvor geschehen war. Nach Wochen des Drucks, in denen Trump sein Militär zunächst angebliche Drogenboote bombardieren ließ und später die Häfen des Landes blockierte, hat er nun zur ultimativen Eskalation gegriffen. Eine Zäsur – wenngleich keine ganz überraschende.
Denn das Regime in Caracas war für Trump schon seit langem ein Ärgernis. Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte der US-Präsident den Druck auf Maduro erhöht, um einen Machtwechsel herbeizuführen.
So erkannten die USA etwa den damaligen Parlamentspräsidenten Juan Guaidó als rechtmäßiges Staatsoberhaupt an, Trump ließ seinen Nationalen Sicherheitsberater John Bolton schon 2019 ausrichten, dass „alle Optionen auf dem Tisch“ lägen, um Maduro aus dem Präsidentenpalast zu vertreiben – eine Formulierung, die traditionell auch militärische Schritte einschließt.
Damals, gleichwohl, zuckte Trump vor einem Angriff zurück. Das Pentagon sah einen Militärschlag kritisch, Verbündete in Venezuelas Nachbarschaft rieten ab. Und Trump, der 2016 mit dem Versprechen angetreten war, Amerikas Auslandseinsätze zu beenden, hatte kein Interesse an einem neuen Krieg mit unklarem Ausgang. Also verzichteten die USA auf eine Intervention und hofften, Maduro mit Sanktionen und diplomatischem Druck zu Fall zu bringen. Vergeblich.
Sieben Jahre später hielt nichts mehr Trump zurück. Eigentlich erwartbar. Schon in der Nationalen Sicherheitsstrategie, die vor einigen Wochen vor allem Europa aufgeschreckt hatte, hatte das Weiße Haus eine „Trump-Konsequenz“ zur Monroe-Doktrin angekündigt – jener Maßgabe aus dem frühen 19. Jahrhundert also, die Südamerika zum Hinterhof der USA erklärte. Spätestens damit war klar, dass Trump im Umgang mit Venezuela tun und lassen würde, was er wollte. Auch, dass der Kongress einem Militäreinsatz gegen das Land nicht zugestimmt hat, hielt ihn nicht auf.
Das bringt uns zum Warum. Zunächst hatte die Trump-Administration ihre Militärschläge gegen venezolanische Boote mit dem Kampf gegen Drogenschmuggel begründet, doch an dieser Erklärung hatte es von Anfang an erhebliche Zweifel gegeben. Trump verstärkte diese noch, als er im Dezember eine Blockade gegen das Land angekündigt hatte – und plötzlich ein anderes Argument anführte: „Sie haben es (Anm.: unser Öl) uns illegal weggenommen“, so der Präsident. „Und wir wollen es zurück“.
Damit spielte Trump auf Schritte des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez an, der in den 2000ern US-Ölkonzerne aus dem Land gedrängt hatte. Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Und Trump dürfte keine Hemmungen haben, auf sie zuzugreifen.
Schließlich hatte er immer wieder seinen Vorgänger George W. Bush kritisiert, der nach dem Irak-Krieg mehrfach betont hatte, die Ölvorräte des Landes seien „der Reichtum des irakischen Volkes“. Trump, wiederum, hielt dies für Unsinn. Die USA, sagte er im Wahlkampf 2016, hätten „das Öl nehmen sollen“. Das wäre, gleichwohl, ein Kriegsverbrechen gewesen.
Doch bevor Trump seine Pläne für Venezuela umsetzen kann, stellt sich die Frage, was aus dem Land wird. Formal dürfte Maduros Stellvertreter ihm als neues Staatsoberhaupt folgen, doch wie sich die Aktion auf die innere Statik des Landes auswirken wird, ist völlig unklar. Die Hoffnung auf einen geordneten Übergang nach einem militärischen Regimewechsel hat sich in der jüngeren Vergangenheit für die Amerikaner nur selten bestätigt.
Trump ist mit seiner Aktion also ein erhebliches Risiko eingegangen – auch innenpolitisch. Schließlich verdankt er seinen politischen Erfolg zum großen Teil der Desillusionierung mit der interventionistischen Außenpolitik seiner Vorgänger. Der Militärschlag gegen den Iran im vergangenen Jahr hat diesen Nimbus bereits angekratzt. Entwickelt sich Venezuela zum nächsten amerikanischen Dauerkonflikt, dürfte er vollends verloren sein.


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Die Wirtschaftswoche denkt über Trumps Pläne nach. Dabei schürt sie die Ansicht, dass Trump die Drogen egal sind. Zu offensichtlich geht es ihm ums Öl.
Jetzt muss jeder Regierungschef eines Landes ganz lieb zu Trump sein. Verdächtig still sind sie ja schon.

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