Von Harvey11
Montag 23.06.2025, 13:12 – geändert Montag 23.06.2025, 15:05
Der US-Präsident beteiligt sich am Nahost-Konflikt, ohne genau zu sagen, wie er enden soll. Das ist riskant.
Andreas Schwarzkopf Frankfurter Rundschau 23.6.2025
Die USA haben mit dem Bombardement iranischer Atomanlagen womöglich deren Programm für nukleare Bomben zerstört. Doch bleibt unklar, wie ein von Trump proklamierter Frieden mit dem Mullah-Regime erreicht werden soll. Washington scheint wie die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu zu hoffen, dass die militärischen Schläge das Regime in Teheran destabilisieren und einen Wechsel der Regierung zur Folge haben. Dafür gibt es aber keine Anzeichen.
Selbst wenn sich die amerikanisch-israelischen Hoffnungen erfüllen, ist nicht sicher, ob danach eine gemäßigte Regierung entstünde. Der Irak-Krieg der Bush-Administration und die Folgen des arabischen Frühlings erzählen eine andere Geschichte.
Trump eskaliert den Krieg gegen den Iran zudem ausgerechnet in einer Phase, in der das Mullah-Regime so geschwächt ist wie lange nicht. Teheran ist wie deren Stellvertreter Hamas, Hisbollah und Huthi nahezu kampfunfähig nach den Attacken der Israelis und der USA. Das Ende des Assad-Regimes in Syrien verhindert zusätzlich deren Nachschub. Zielführender wäre es womöglich, nun die Mullahs am Verhandlungstisch zum Einlenken zu bringen. Doch die USA und Israel halten diesen Weg nicht für erfolgversprechend.
So darf sich Netanjahus Regierung als Gewinner dieses Waffengangs bezeichnen. Sie hat nicht nur die USA mit in den Krieg gegen den Iran gezogen und damit ihr eigenes Vorgehen gerechtfertigt: Israel ist vordergründig sicherer, nachdem das Land nach der blutigen Terrorattacke der Hamas am 7. Oktober 2023 die Verteidigung durch die Strategie der Stärke ersetzt und damit seine Gegner dramatisch geschwächt hat.
Netanjahu und Trump glauben mit anderen Worten nicht mehr an eine Friedensordnung, die die verschiedenen Interessen der Akteure in der Region einbezieht. Israel verdrängt die Palästinenser sowohl im Gazastreifen wie im Westjordanland und nimmt ihnen jegliche Perspektive. Und die Mullahs im Iran sollen kapitulieren. Das kann auf Dauer aber nicht funktionieren. Gedemütigte Gegner schlagen normalerweise um sich und achten nicht mehr auf die Folgen.
Davor fürchten sich die anderen arabischen Staaten im Nahen Osten, die die US-Beteiligung am israelischen Krieg gegen den Iran nahezu einhellig kritisierten. Doch das kriegerische Duo Trump und Netanjahu ignoriert dies genauso wie die Aufrufe zur Deeskalation der vielen anderen internationalen Akteure.
Zusätzliche Verlierer des Nahost-Konflikts sind die Europäer, die im Atom-Konflikt mit dem Iran auf diplomatische Lösungen gesetzt haben und leider nicht erfolgreich waren. Dabei spielt bedauerlicherweise inzwischen keine Rolle mehr, dass Trump in seiner zweiten Amtszeit ein Abkommen mit dem Iran gekündigt hat. Es ist nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass er die regelbasierte Weltordnung attackierte.
Schwer wiegt auch, dass Deutschland und die anderen europäischen Staaten geopolitisch kaum noch eine Rolle spielen, obwohl sie von den Folgen des Konflikts betroffen sind. Die USA haben die europäischen Verbündeten maximal von ihren Attacken auf den Iran informiert, Israel hört sich deren Kritik freundlich an.
Auch das erschwert die Suche nach einem Ausweg aus dem Nahost-Konflikt, der sowohl das Existenzrecht Israels wie auch eine Perspektive für die Palästinenser:innen und die Menschen im Iran berücksichtigt. Auch der Versuch der Europäer, mit anderen arabischen Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar den Konflikt zu deeskalieren, war bislang nicht fruchtbar.
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Trump eskaliert den Krieg gegen den Iran zudem ausgerechnet in einer Phase, in der das Mullah-Regime so geschwächt ist wie lange nicht. Teheran ist wie deren Stellvertreter Hamas, Hisbollah und Huthi nahezu kampfunfähig nach den Attacken der Israelis und der USA. Das Ende des Assad-Regimes in Syrien verhindert zusätzlich deren Nachschub. Zielführender wäre es womöglich, nun die Mullahs am Verhandlungstisch zum Einlenken zu bringen. Doch die USA und Israel halten diesen Weg nicht für erfolgversprechend.
Man wollte lieber draufschlagen. Wer da wen gezogen hat und wer sich hat sinken lassen ist egal.
Aber gedemütigte Gegner schlagen normalerweise um sich und achten nicht mehr auf die Folgen. Davor fürchten sich die anderen arabischen Staaten im Nahen Osten, die die US-Beteiligung am israelischen Krieg gegen den Iran nahezu einhellig kritisierten.
Viel wichtiger für uns ist, dass Deutschland und die anderen europäischen Staaten geopolitisch kaum noch eine Rolle spielen, obwohl sie von den Folgen des Konflikts betroffen sind. Die USA haben die europäischen Verbündeten maximal von ihren Attacken auf den Iran informiert, Israel hört sich deren Kritik freundlich an.
Auch der Versuch der Europäer, mit anderen arabischen Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar den Konflikt zu deeskalieren, war bislang nicht fruchtbar.
Was im schlimmsten Falle der Hinweis darauf ist, dass wir von unserem lebenslangen Freund und Garanten für Frieden und Freiheit längst im Stich gelassen worden sind. Auch unsere verzweifelten Versuche, und mit anderen Europäern als Gesprächspartner anzudienern, schlugen fehl. Die Europäer und auch Deutschland spielen offensichtlich in der Welt keine Rolle mehr, keiner wil sie mehr anhören. Warum auch? Man weiß doch was sie hier alles predigen.
Was für ein Schlag für die Deutschen, die schon wieder Großmachtträume haben.
Ein weiteres Feuer wurde gelegt.
Wie geht es mit der NATO weiter?
Aus Italien hört man, dass die NATO in ihrer jetzigen Form keine Daseinsberechtigung mehr habe. Aus der Slowakei heißt es, dass man besser aus der NATO austreten sollte und neutral werden. Die von Trump erpressten Rüstungsausgaben können nur wenige Staaten aufbringen.
Es könnte durchaus sein, dass die NATO ihre längste Zeit hinter sich hat.
Der US-Präsident beteiligt sich am Nahost-Konflikt, ohne genau zu sagen, wie er enden soll. Das ist riskant.
Andreas Schwarzkopf Frankfurter Rundschau 23.6.2025
Die USA haben mit dem Bombardement iranischer Atomanlagen womöglich deren Programm für nukleare Bomben zerstört. Doch bleibt unklar, wie ein von Trump proklamierter Frieden mit dem Mullah-Regime erreicht werden soll. Washington scheint wie die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu zu hoffen, dass die militärischen Schläge das Regime in Teheran destabilisieren und einen Wechsel der Regierung zur Folge haben. Dafür gibt es aber keine Anzeichen.
Selbst wenn sich die amerikanisch-israelischen Hoffnungen erfüllen, ist nicht sicher, ob danach eine gemäßigte Regierung entstünde. Der Irak-Krieg der Bush-Administration und die Folgen des arabischen Frühlings erzählen eine andere Geschichte.
Trump eskaliert den Krieg gegen den Iran zudem ausgerechnet in einer Phase, in der das Mullah-Regime so geschwächt ist wie lange nicht. Teheran ist wie deren Stellvertreter Hamas, Hisbollah und Huthi nahezu kampfunfähig nach den Attacken der Israelis und der USA. Das Ende des Assad-Regimes in Syrien verhindert zusätzlich deren Nachschub. Zielführender wäre es womöglich, nun die Mullahs am Verhandlungstisch zum Einlenken zu bringen. Doch die USA und Israel halten diesen Weg nicht für erfolgversprechend.
So darf sich Netanjahus Regierung als Gewinner dieses Waffengangs bezeichnen. Sie hat nicht nur die USA mit in den Krieg gegen den Iran gezogen und damit ihr eigenes Vorgehen gerechtfertigt: Israel ist vordergründig sicherer, nachdem das Land nach der blutigen Terrorattacke der Hamas am 7. Oktober 2023 die Verteidigung durch die Strategie der Stärke ersetzt und damit seine Gegner dramatisch geschwächt hat.
Netanjahu und Trump glauben mit anderen Worten nicht mehr an eine Friedensordnung, die die verschiedenen Interessen der Akteure in der Region einbezieht. Israel verdrängt die Palästinenser sowohl im Gazastreifen wie im Westjordanland und nimmt ihnen jegliche Perspektive. Und die Mullahs im Iran sollen kapitulieren. Das kann auf Dauer aber nicht funktionieren. Gedemütigte Gegner schlagen normalerweise um sich und achten nicht mehr auf die Folgen.
Davor fürchten sich die anderen arabischen Staaten im Nahen Osten, die die US-Beteiligung am israelischen Krieg gegen den Iran nahezu einhellig kritisierten. Doch das kriegerische Duo Trump und Netanjahu ignoriert dies genauso wie die Aufrufe zur Deeskalation der vielen anderen internationalen Akteure.
Zusätzliche Verlierer des Nahost-Konflikts sind die Europäer, die im Atom-Konflikt mit dem Iran auf diplomatische Lösungen gesetzt haben und leider nicht erfolgreich waren. Dabei spielt bedauerlicherweise inzwischen keine Rolle mehr, dass Trump in seiner zweiten Amtszeit ein Abkommen mit dem Iran gekündigt hat. Es ist nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass er die regelbasierte Weltordnung attackierte.
Schwer wiegt auch, dass Deutschland und die anderen europäischen Staaten geopolitisch kaum noch eine Rolle spielen, obwohl sie von den Folgen des Konflikts betroffen sind. Die USA haben die europäischen Verbündeten maximal von ihren Attacken auf den Iran informiert, Israel hört sich deren Kritik freundlich an.
Auch das erschwert die Suche nach einem Ausweg aus dem Nahost-Konflikt, der sowohl das Existenzrecht Israels wie auch eine Perspektive für die Palästinenser:innen und die Menschen im Iran berücksichtigt. Auch der Versuch der Europäer, mit anderen arabischen Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar den Konflikt zu deeskalieren, war bislang nicht fruchtbar.
….............................
Trump eskaliert den Krieg gegen den Iran zudem ausgerechnet in einer Phase, in der das Mullah-Regime so geschwächt ist wie lange nicht. Teheran ist wie deren Stellvertreter Hamas, Hisbollah und Huthi nahezu kampfunfähig nach den Attacken der Israelis und der USA. Das Ende des Assad-Regimes in Syrien verhindert zusätzlich deren Nachschub. Zielführender wäre es womöglich, nun die Mullahs am Verhandlungstisch zum Einlenken zu bringen. Doch die USA und Israel halten diesen Weg nicht für erfolgversprechend.
Man wollte lieber draufschlagen. Wer da wen gezogen hat und wer sich hat sinken lassen ist egal.
Aber gedemütigte Gegner schlagen normalerweise um sich und achten nicht mehr auf die Folgen. Davor fürchten sich die anderen arabischen Staaten im Nahen Osten, die die US-Beteiligung am israelischen Krieg gegen den Iran nahezu einhellig kritisierten.
Viel wichtiger für uns ist, dass Deutschland und die anderen europäischen Staaten geopolitisch kaum noch eine Rolle spielen, obwohl sie von den Folgen des Konflikts betroffen sind. Die USA haben die europäischen Verbündeten maximal von ihren Attacken auf den Iran informiert, Israel hört sich deren Kritik freundlich an.
Auch der Versuch der Europäer, mit anderen arabischen Staaten wie Saudi-Arabien oder Katar den Konflikt zu deeskalieren, war bislang nicht fruchtbar.
Was im schlimmsten Falle der Hinweis darauf ist, dass wir von unserem lebenslangen Freund und Garanten für Frieden und Freiheit längst im Stich gelassen worden sind. Auch unsere verzweifelten Versuche, und mit anderen Europäern als Gesprächspartner anzudienern, schlugen fehl. Die Europäer und auch Deutschland spielen offensichtlich in der Welt keine Rolle mehr, keiner wil sie mehr anhören. Warum auch? Man weiß doch was sie hier alles predigen.
Was für ein Schlag für die Deutschen, die schon wieder Großmachtträume haben.
Ein weiteres Feuer wurde gelegt.
Wie geht es mit der NATO weiter?
Aus Italien hört man, dass die NATO in ihrer jetzigen Form keine Daseinsberechtigung mehr habe. Aus der Slowakei heißt es, dass man besser aus der NATO austreten sollte und neutral werden. Die von Trump erpressten Rüstungsausgaben können nur wenige Staaten aufbringen.
Es könnte durchaus sein, dass die NATO ihre längste Zeit hinter sich hat.