Potzblitz! Dass der amerikanische Präsident nach wenigen Monaten im Amt in der Ukrainepolitik zum „Biden 2.0“ konvertiert, konnte nicht erwartet werden. Doch, so Donald Trump: Die Europäer hätten ihn von einer gewissen Neujustierung überzeugt. Bereits vor einigen Tagen hatte Trump, der mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in den vergangenen Monaten mindestens sechsmal telefoniert hat, verlautbart, er sei „enttäuscht“ von Russland. Putin rede zwar nett, aber tische ihm „eine Menge Bullshit auf“ und „dann gehen die Raketen in der Nacht los“. Die bereits im Voraus von Trump als „bedeutsam“ angekündigte Erklärung zur Ukraine vom Montag hat es nun in sich. Im Beisein des NATO-Generalsekretär Mark Rutte verkündete er im Weißen Haus eine radikale Kehrwende: Er habe in den vergangenen Wochen realisiert, dass die Europäer mit der Unterstützung der Ukraine sehr weit gehen wollen und zugleich der russische Präsident keine ausreichende Bereitschaft zu einer diplomatischen Lösung entlang der von Trump entwickelten Linie habe.
Ach wenn Trump die Zutaten für einen denkbaren Kompromiss nicht offen aussprach, dürfte er demnach den von ihm nach seiner Amtsübernahme im Frühjahr 2025 ins Spiel gebrachten Verzicht der Ukraine auf Mitgliedschaft in der NATO sowie die Akzeptanz territorialer Veränderungen in der Ukraine gemeint haben. Allein Putin wolle keinen erreichbaren Deal, sondern bombardiere weiter verlustreich und zerstörerisch ukrainische Städte.
Der Ansatz des vermeintlichen Konvertiten ist ein doppelter: Zum einen können die willigen Europäer schnellstmöglich ihre Waffenlieferungen an die Ukraine massiv erhöhen und bekommen dafür nach und nach US-Systeme als Ersatz geliefert. Es gehe um Luftverteidigung, Munition aller Art sowie Raketen. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Joe Biden ist aber für Trump klar, dass dafür allein die Europäer die Zeche zahlen sollen.
Im Klartext: Amerika werde „keinen Cent“ mehr für die Unterstützung der Ukraine hinlegen – schließlich sein das im Wesentlichen ein europäisches Problem. Die NATO, deren Generalsekretär von Trump mit Lob überschüttet wurde, sei insofern mit im Boot, als dass die Allianz die Waffenlieferungen koordinieren solle. Wer aber dabei die allerbesten Geschäfte macht, ist auch klar: die US-Rüstungsindustrie. Da passt es ins Bild, dass die NATO bei ihrem Gipfel in Den Haag zuvor festgelegt hatte, dass jede militärische Ukrainehilfe auf das neue Fünf-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsausgaben angerechnet wird. Neu ist zum Zweiten, dass Trump dem russischen Präsidenten eine Frist von fünfzig Tagen setzt, um ein Abkommen mit der Ukraine zu schließen. Geschehe dies nicht, würden die Vereinigten Staaten Russlands wichtigste Partner mit sogenannten „sekundären Sanktionen“ belegen. Trump sprach von Zöllen von hundert Prozent, die gegen Staaten wie China oder Brasilien verhängt werden könnten, die Russland Öl abkaufen und damit die Kriegskasse füllen.
Der republikanische Senator Lindsey Graham, der als einer der Hardliner im Kongress schon seit Langem die Verschärfung der Sanktionen gefordert hatte, jubilierte, dass Trump damit „ein Vorschlagshammer zur Verfügung“ stehe, um Russland zum Einlenken zu bewegen. Kann das alles funktionieren – und was passiert, wenn das nicht der Fall ist? Im besten Fall steigern die ausgeweiteten Waffenlieferungen und das Trumpsche Ultimatum Putins Bereitschaft zu einem Kompromiss. Wahrscheinlicher dürfte allerdings sein, dass sich nun der Abnutzungskrieg verlängert oder eine weitere militärische Eskalation in Gang kommt – und es wäre eine handfeste Überraschung, wenn diese für die Ukraine gut ausgeht.
Eher dürfte das Ergebnis eine Teilung der Ukraine an einer noch zu definierenden Frontline sein – diese käme nicht durch Verhandlungen, sondern durch brüchige Ergebnisse auf dem Schlachtfeld zustande. Eine solche „Lösung“ könnte jederzeit in einen Krieg zwischen westlichen Staaten und Russland eskalieren. Genau das wollte Trump eigentlich vermeiden. Sein Beistandsversprechen würde sich selbst dann wohl auf Waffenlieferungen als maximale Form der Verwicklung in europäische Angelegenheiten beschränken. Bleibt die unbeantwortete Frage: Wo soll das enden?
Der Freitag, 17.7.2025
Ein teures Abenteuer, in das die USA die Europäer hineingezogen haben.
Den willigen Westen wird es noch schier endlose Milliarden kosten.
Geld, welches der Ukraine fehlt. Darum bezahlt die mit dem Leben ihrer Bürger.
Etwas klarer sehen jetzt die, die einen Krieg gegen den Erzfeind Russland kaum noch erwarten können. Die soll es ja auch geben. Das wäre dann eine europäische Angelegenheit. Auf Waffenspenden den USA zu hoffen wäre Utopie.
Potzblitz! Dass der amerikanische Präsident nach wenigen Monaten im Amt in der Ukrainepolitik zum „Biden 2.0“ konvertiert, konnte nicht erwartet werden. Doch, so Donald Trump: Die Europäer hätten ihn von einer gewissen Neujustierung überzeugt. Bereits vor einigen Tagen hatte Trump, der mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in den vergangenen Monaten mindestens sechsmal telefoniert hat, verlautbart, er sei „enttäuscht“ von Russland. Putin rede zwar nett, aber tische ihm „eine Menge Bullshit auf“ und „dann gehen die Raketen in der Nacht los“. Die bereits im Voraus von Trump als „bedeutsam“ angekündigte Erklärung zur Ukraine vom Montag hat es nun in sich. Im Beisein des NATO-Generalsekretär Mark Rutte verkündete er im Weißen Haus eine radikale Kehrwende: Er habe in den vergangenen Wochen realisiert, dass die Europäer mit der Unterstützung der Ukraine sehr weit gehen wollen und zugleich der russische Präsident keine ausreichende Bereitschaft zu einer diplomatischen Lösung entlang der von Trump entwickelten Linie habe.
Ach wenn Trump die Zutaten für einen denkbaren Kompromiss nicht offen aussprach, dürfte er demnach den von ihm nach seiner Amtsübernahme im Frühjahr 2025 ins Spiel gebrachten Verzicht der Ukraine auf Mitgliedschaft in der NATO sowie die Akzeptanz territorialer Veränderungen in der Ukraine gemeint haben. Allein Putin wolle keinen erreichbaren Deal, sondern bombardiere weiter verlustreich und zerstörerisch ukrainische Städte.
Der Ansatz des vermeintlichen Konvertiten ist ein doppelter: Zum einen können die willigen Europäer schnellstmöglich ihre Waffenlieferungen an die Ukraine massiv erhöhen und bekommen dafür nach und nach US-Systeme als Ersatz geliefert. Es gehe um Luftverteidigung, Munition aller Art sowie Raketen. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Joe Biden ist aber für Trump klar, dass dafür allein die Europäer die Zeche zahlen sollen.
Im Klartext: Amerika werde „keinen Cent“ mehr für die Unterstützung der Ukraine hinlegen – schließlich sein das im Wesentlichen ein europäisches Problem. Die NATO, deren Generalsekretär von Trump mit Lob überschüttet wurde, sei insofern mit im Boot, als dass die Allianz die Waffenlieferungen koordinieren solle. Wer aber dabei die allerbesten Geschäfte macht, ist auch klar: die US-Rüstungsindustrie. Da passt es ins Bild, dass die NATO bei ihrem Gipfel in Den Haag zuvor festgelegt hatte, dass jede militärische Ukrainehilfe auf das neue Fünf-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsausgaben angerechnet wird. Neu ist zum Zweiten, dass Trump dem russischen Präsidenten eine Frist von fünfzig Tagen setzt, um ein Abkommen mit der Ukraine zu schließen. Geschehe dies nicht, würden die Vereinigten Staaten Russlands wichtigste Partner mit sogenannten „sekundären Sanktionen“ belegen. Trump sprach von Zöllen von hundert Prozent, die gegen Staaten wie China oder Brasilien verhängt werden könnten, die Russland Öl abkaufen und damit die Kriegskasse füllen.
Der republikanische Senator Lindsey Graham, der als einer der Hardliner im Kongress schon seit Langem die Verschärfung der Sanktionen gefordert hatte, jubilierte, dass Trump damit „ein Vorschlagshammer zur Verfügung“ stehe, um Russland zum Einlenken zu bewegen. Kann das alles funktionieren – und was passiert, wenn das nicht der Fall ist? Im besten Fall steigern die ausgeweiteten Waffenlieferungen und das Trumpsche Ultimatum Putins Bereitschaft zu einem Kompromiss. Wahrscheinlicher dürfte allerdings sein, dass sich nun der Abnutzungskrieg verlängert oder eine weitere militärische Eskalation in Gang kommt – und es wäre eine handfeste Überraschung, wenn diese für die Ukraine gut ausgeht.
Eher dürfte das Ergebnis eine Teilung der Ukraine an einer noch zu definierenden Frontline sein – diese käme nicht durch Verhandlungen, sondern durch brüchige Ergebnisse auf dem Schlachtfeld zustande. Eine solche „Lösung“ könnte jederzeit in einen Krieg zwischen westlichen Staaten und Russland eskalieren. Genau das wollte Trump eigentlich vermeiden. Sein Beistandsversprechen würde sich selbst dann wohl auf Waffenlieferungen als maximale Form der Verwicklung in europäische Angelegenheiten beschränken. Bleibt die unbeantwortete Frage: Wo soll das enden?
Der Freitag, 17.7.2025
Ein teures Abenteuer, in das die USA die Europäer hineingezogen haben.
Den willigen Westen wird es noch schier endlose Milliarden kosten.
Geld, welches der Ukraine fehlt. Darum bezahlt die mit dem Leben ihrer Bürger.
Etwas klarer sehen jetzt die, die einen Krieg gegen den Erzfeind Russland kaum noch erwarten können. Die soll es ja auch geben. Das wäre dann eine europäische Angelegenheit. Auf Waffenspenden den USA zu hoffen wäre Utopie.