Wie das heutige Recht Vermögende vor Konkurrenz schützt.
In der Steuerpolitik haben sich die Parteien seit Jahren eingemauert. Es braucht einen Perspektivwechsel. Das heutige Steuerrecht konserviert den Status quo und schützt Vermögende vor gesellschaftlicher Konkurrenz. Die Besteuerung von laufenden Einkünften und Konsum ist zu hoch, während Vermögenseinkommen privilegiert werden. So trägt die erwerbstätige Mittelschicht die Hauptbelastung. Die deutsche Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen ist mit 47,9 Prozent die zweithöchste der OECD-Staaten (OECD-Schnitt 34,8 Prozent).
Dass sich dies negativ auf Arbeitsanreize auswirkt, sollte niemanden überraschen. Die hohe Besteuerung macht es auch schwieriger, durch Arbeit Vermögen aufzubauen. Dies unterstreicht eine aktuelle CES-Ifo-Studie, nach der Aufstiegschancen in Deutschland stark abgenommen haben.
Verstärkt wird dies durch steuerliche Privilegien für Vermögenseinkommen. Ein eklatantes Beispiel ist die sogenannte Spekulationsfrist des Paragrafen 23 des Einkommensteuergesetzes. Wer ein Grundstück im Privatvermögen länger als zehn Jahre hält, kann es steuerfrei verkaufen – unabhängig von der Höhe des Wertzuwachses. Bei anderen Gegenständen, wie Kryptowährungen oder Kunstgegenständen (nicht aber für Aktien und Wertpapiere), gilt eine Frist von nur einem Jahr.
Dies hat negative Folgen nicht nur die Fairness der Lastenverteilung, sondern auch für das dringend benötigte Wachstum. Gerade Investitionen, die wenig zum Wachstum beitragen, werden besonders begünstigt. Das gilt für Bitcoins, Oldtimer und Kunst genauso wie für Bestandsimmobilien, die sogar dann abgeschrieben werden können, wenn Wertsteigerungen steuerfrei bleiben. Infolge dieser Privilegien kann es bei hohen Fremdfinanzierungsquoten gar zu einer negativen Steuerlast (einer effektiven Subvention) von Gewinnen aus Immobilieninvestitionen kommen.
Die Folgen dieser Politik sind gravierend. Das Steuerrecht verstärkt nicht nur die Ungleichheit, sondern führt auch zu einer Fehlallokation von Investitionen hin zu Bestandsimmobilien, während seit Jahren zu wenig Kapital für riskante Investitionen zur Verfügung steht. Dies verteuert Immobilienpreise und erschwert es für die Mittelschicht, Immobilieneigentum zu erwerben. Dem Neubau kommen diese Regeln kaum zugute, da wenig riskante Bestandimmobilien genauso gefördert werden wie riskante Neubauprojekte. Wer Wohnungsbau anstoßen will, muss daher Bauinvestitionen steuerlich wirklich attraktiv machen – mit deutlich höheren Abschreibungen, einfach gestaltet und ohne kleinteilige Förderbedingungen. Im Gegenzug müssen Vergünstigungen für Bestandsimmobilien gestrichen werden, um Neubauten im Verhältnis attraktiver zu machen und Fördermittel gezielt einzusetzen.
Steuerliche Privilegien für große Vermögen bestehen auch in der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Für Betriebsvermögen gibt es eine Befreiung für 85 bis 100 Prozent des Vermögens und für sehr große Vermögen gar eine vollständige Verschonungsmöglichkeit. Trotz eines geschätzten Erbvolumens von 200 bis 300 Milliarden Euro pro Jahr belief sich die Erbschaftsteuer 2023 auf nur 9,3 Milliarden Euro oder ein Prozent des Steueraufkommens. Demgegenüber entfielen auf die Einkommensteuer 354,4 Milliarden Euro oder 38,7 Prozent des Aufkommens.
Privilegien für hohe Betriebsvermögen sind sowohl ungerecht gegenüber anderen Erbschaften als auch ein Effizienzproblem, da diese nur bei der Fortführung, aber nicht bei der Veräußerung von Betrieben gewährt werden. Die Folge ist ein fragwürdiger Nepotismus. Das Steuerrecht verleitet Erben dazu, den Betrieb auch dann fortzuführen, wenn eine Veräußerung wirtschaftlicher wäre. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts dieser Überprivilegierung Einhalt gebietet und die Politik die Kraft für einen Neuanfang findet.
Fazit: Das Steuerrecht sollte Anreize und Möglichkeiten bieten, im eigenen Leben reich zu werden. Es schützt aktuell aber Vermögen, die ohne Risiko wachsen, und belastet Einkommen, die mühsam erarbeitet werden. Eine echte Steuerreform wird nur gelingen, wenn die Politik den Mut hat, Tabus zu brechen. Wer Steuererhöhungen oder -entlastungen pauschal ausschließt, verhindert nicht nur eine faire Lastenverteilung – er verhindert jede echte Reform und verlängert den Stillstand, in dem sich Deutschland gerade befindet.
Frankfurter Rundschau 11.2.2026
Es hat schon seinen Grund, dass der Normalbürger die Steuergesetze nicht versteht, nicht verstehen soll. Schon während der Ausbildung kommen die Zweifel an der Gerechtigkeit der Steuergesetze. Die Abgeordneten stimmen ja nur darüber ab, was ihnen Lobbyisten vorlegen, sie selber aber nicht verstehen.
Der letzte Satz sagt eigentlich alles: » Fazit: Das Steuerrecht sollte Anreize und Möglichkeiten bieten, im eigenen Leben reich zu werden. Es schützt aktuell aber Vermögen, die ohne Risiko wachsen, und belastet Einkommen, die mühsam erarbeitet werden.«
Immer mehr junge Menschen haben das begriffen und beherzigen den alten Spruch: Ehrlich währt am längsten, aber wer nix klaut kommt zu nix.
Und solch einen Staat werdende auch nie verteidigen.
Wie das heutige Recht Vermögende vor Konkurrenz schützt.
In der Steuerpolitik haben sich die Parteien seit Jahren eingemauert. Es braucht einen Perspektivwechsel. Das heutige Steuerrecht konserviert den Status quo und schützt Vermögende vor gesellschaftlicher Konkurrenz. Die Besteuerung von laufenden Einkünften und Konsum ist zu hoch, während Vermögenseinkommen privilegiert werden. So trägt die erwerbstätige Mittelschicht die Hauptbelastung. Die deutsche Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen ist mit 47,9 Prozent die zweithöchste der OECD-Staaten (OECD-Schnitt 34,8 Prozent).
Dass sich dies negativ auf Arbeitsanreize auswirkt, sollte niemanden überraschen. Die hohe Besteuerung macht es auch schwieriger, durch Arbeit Vermögen aufzubauen. Dies unterstreicht eine aktuelle CES-Ifo-Studie, nach der Aufstiegschancen in Deutschland stark abgenommen haben.
Verstärkt wird dies durch steuerliche Privilegien für Vermögenseinkommen. Ein eklatantes Beispiel ist die sogenannte Spekulationsfrist des Paragrafen 23 des Einkommensteuergesetzes. Wer ein Grundstück im Privatvermögen länger als zehn Jahre hält, kann es steuerfrei verkaufen – unabhängig von der Höhe des Wertzuwachses. Bei anderen Gegenständen, wie Kryptowährungen oder Kunstgegenständen (nicht aber für Aktien und Wertpapiere), gilt eine Frist von nur einem Jahr.
Dies hat negative Folgen nicht nur die Fairness der Lastenverteilung, sondern auch für das dringend benötigte Wachstum. Gerade Investitionen, die wenig zum Wachstum beitragen, werden besonders begünstigt. Das gilt für Bitcoins, Oldtimer und Kunst genauso wie für Bestandsimmobilien, die sogar dann abgeschrieben werden können, wenn Wertsteigerungen steuerfrei bleiben. Infolge dieser Privilegien kann es bei hohen Fremdfinanzierungsquoten gar zu einer negativen Steuerlast (einer effektiven Subvention) von Gewinnen aus Immobilieninvestitionen kommen.
Die Folgen dieser Politik sind gravierend. Das Steuerrecht verstärkt nicht nur die Ungleichheit, sondern führt auch zu einer Fehlallokation von Investitionen hin zu Bestandsimmobilien, während seit Jahren zu wenig Kapital für riskante Investitionen zur Verfügung steht. Dies verteuert Immobilienpreise und erschwert es für die Mittelschicht, Immobilieneigentum zu erwerben. Dem Neubau kommen diese Regeln kaum zugute, da wenig riskante Bestandimmobilien genauso gefördert werden wie riskante Neubauprojekte. Wer Wohnungsbau anstoßen will, muss daher Bauinvestitionen steuerlich wirklich attraktiv machen – mit deutlich höheren Abschreibungen, einfach gestaltet und ohne kleinteilige Förderbedingungen. Im Gegenzug müssen Vergünstigungen für Bestandsimmobilien gestrichen werden, um Neubauten im Verhältnis attraktiver zu machen und Fördermittel gezielt einzusetzen.
Steuerliche Privilegien für große Vermögen bestehen auch in der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Für Betriebsvermögen gibt es eine Befreiung für 85 bis 100 Prozent des Vermögens und für sehr große Vermögen gar eine vollständige Verschonungsmöglichkeit. Trotz eines geschätzten Erbvolumens von 200 bis 300 Milliarden Euro pro Jahr belief sich die Erbschaftsteuer 2023 auf nur 9,3 Milliarden Euro oder ein Prozent des Steueraufkommens. Demgegenüber entfielen auf die Einkommensteuer 354,4 Milliarden Euro oder 38,7 Prozent des Aufkommens.
Privilegien für hohe Betriebsvermögen sind sowohl ungerecht gegenüber anderen Erbschaften als auch ein Effizienzproblem, da diese nur bei der Fortführung, aber nicht bei der Veräußerung von Betrieben gewährt werden. Die Folge ist ein fragwürdiger Nepotismus. Das Steuerrecht verleitet Erben dazu, den Betrieb auch dann fortzuführen, wenn eine Veräußerung wirtschaftlicher wäre. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts dieser Überprivilegierung Einhalt gebietet und die Politik die Kraft für einen Neuanfang findet.
Fazit: Das Steuerrecht sollte Anreize und Möglichkeiten bieten, im eigenen Leben reich zu werden. Es schützt aktuell aber Vermögen, die ohne Risiko wachsen, und belastet Einkommen, die mühsam erarbeitet werden. Eine echte Steuerreform wird nur gelingen, wenn die Politik den Mut hat, Tabus zu brechen. Wer Steuererhöhungen oder -entlastungen pauschal ausschließt, verhindert nicht nur eine faire Lastenverteilung – er verhindert jede echte Reform und verlängert den Stillstand, in dem sich Deutschland gerade befindet.
Frankfurter Rundschau 11.2.2026
Es hat schon seinen Grund, dass der Normalbürger die Steuergesetze nicht versteht, nicht verstehen soll. Schon während der Ausbildung kommen die Zweifel an der Gerechtigkeit der Steuergesetze. Die Abgeordneten stimmen ja nur darüber ab, was ihnen Lobbyisten vorlegen, sie selber aber nicht verstehen.
Der letzte Satz sagt eigentlich alles: » Fazit: Das Steuerrecht sollte Anreize und Möglichkeiten bieten, im eigenen Leben reich zu werden. Es schützt aktuell aber Vermögen, die ohne Risiko wachsen, und belastet Einkommen, die mühsam erarbeitet werden.«
Immer mehr junge Menschen haben das begriffen und beherzigen den alten Spruch: Ehrlich währt am längsten, aber wer nix klaut kommt zu nix.
Und solch einen Staat werdende auch nie verteidigen.