Von Feierabend-Mitglied
Mittwoch 01.03.2023, 11:49 – geändert Mittwoch 01.03.2023, 11:51
wie manche es gerne hätten bezüglich des Klimawandels.
"«Täuschen Sie sich nicht: Es gibt keine schnellen Lösungen für die Klimakrise.»
Inge Anders, Geschäftsführerin von UNEP, warnt vor den Methoden der SRM.
Inge Anders warnt vor Abkürzungen im Kampf gegen die Klimakrise.bild: pd
Diese Worte stammen von der Geschäftsführerin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Inge Anders. Stehen tun sie in der Einleitung eines Berichts zu einer spekulativen, potenziell klimarettenden Technologie: der Solar Radiation Modification (SRM). Die Methode, bei der die Sonneneinstrahlung modifiziert wird, gilt schon seit Jahren als Hoffnungsträgerin im Kampf gegen die Klimaerwärmung.
Aber so einfach ist es eben nicht, wie Anders gleich in ihrem Vorwort des Berichtes, der am Montag erschienen ist, klarstellt. Noch ist die Forschung zu unausgereift, um zum Einsatz zu kommen. Gleichzeitig drängt die Zeit: Der Klimawandel hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach seine zerstörerische Macht unter Beweis gestellt.
Um diesem Einhalt zu gebieten, wurde 2015 in Paris ein wegweisendes Klima-Abkommen unterzeichnet. Dieses sah vor, die globale Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau «deutlich unter» 2 Grad Celsius und idealerweise unter 1,5 Grad zu halten.
Auch wenn das Abkommen als bahnbrechend galt, hapert es bei der Umsetzung gewaltig. Die Welt scheint nach wie vor ungehindert in die Klimaerwärmung zu schlittern. Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zweifeln bereits an der Erreichbarkeit des Ziels. In einem offenen Brief, der am Montag veröffentlicht wurde, schreiben sie:
«Selbst bei aggressiven Massnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Erwärmung des Klimas in naher Zukunft unter 1,5-2 °C bleibt.»
Die 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die den Brief unterzeichnet haben, schlagen deshalb wie das UNEP vor, die Forschung rund um die Solar Radiation Modification (SRM) voranzutreiben.
Geoengineering als Notlösung
Bei der SRM handelt es sich um sogenanntes Geoengineering. So werden diejenigen Massnahmen bezeichnet, die zum Ziel haben, die globale Erwärmung abzubremsen. Dafür greifen sie gezielt in bestimmte Kreisläufe ein, die das Weltklima beeinflussen. Bei der SRM ist das die Sonnenstrahlung.
Vorteile und Gefahren eines Sonnenschilds: (Anm.:als Video im Artikel eingefügt)
Das globale Klima wird dadurch bestimmt, wie viel Sonnenstrahlung von der Erde absorbiert und wie viel in den Weltraum zurückreflektiert wird. Eine Reduktion der Sonnenstrahlung – und damit der globalen Temperaturen – kann auf verschiedene Weise erreicht werden. So etwa durch die Aufhellung von Wolken, durch die Anbringung von Spiegeln oder Sonnenschirmen im Weltall oder durch die Einbringung von Aerosolen in die Stratosphäre. Bei all diesen Methoden soll die Sonnenstrahlung mehr ins All reflektiert und damit von der Erde abgelenkt werden.
Die Massnahmen im Detail erklärt: (Anm.: Als Video im Artikel eingefügt)
Der Erfolg scheint insbesondere bei der Einbringung von Aerosolen in die Stratosphäre garantiert. Bewiesen hat der Ausbruch des Vulkanes Pinatubo auf den Philippinen 1991. Die durch den Ausbruch in die Stratosphäre geschleuderten Schwefelpartikel reflektierten das Sonnenlicht so stark, dass die weltweite Durchschnittstemperatur um 0,5 Grad sank. Es dauerte drei Jahre bis die Durchschnittstemperatur wieder auf das vorige Niveau zurückgeklettert war.
Als weiteres Beispiel für reflektierende Partikel führen die Forschenden hinter dem offenen Brief die Luftverschmutzung an. Sie erklären:
«Aerosole [durch Luftverschmutzung] kühlen das Klima ab, indem sie das Sonnenlicht streuen und, wenn sie sich in Wolken mischen, das Reflexionsvermögen und die Lebensdauer der Wolken erhöhen. Durch diese Mechanismen gleichen Aerosole aus menschlichen Aktivitäten derzeit schätzungsweise etwa einen Drittel der Klimaerwärmung durch Treibhausgase aus.»
Dass die Luftverschmutzung zu einer Abkühlung des Klimas beiträgt, ist doppelt schlecht. Während sie für unsere Gesundheit schädlich ist, verzögert sie die Klimaerwärmung bloss. Denn mit den stetig strenger werdenden Vorschriften zur Reduktion von Abgasen und Emissionen wird die Luft in Zukunft reiner werden. Damit werde in den kommenden Jahrzehnten rasch ein erheblicher, aber sehr ungewisser Anteil der Klimaerwärmung entlarvt werden, heisst es im Brief weiter.
Sollte die Klimaerwärmung in Zukunft aus dem Ruder laufen, müssten Notfallmassnahmen bereitstehen, sind sich die Expertinnen und Experten der UNEP und hinter dem offenen Brief einig.
Lauernde Gefahren
An diesem Punkt kommt nun wieder die SRM wieder ins Spiel. Beide Gruppen wissen, dass bereits intensiv an SRM-Methoden geforscht wird. Sie wissen auch, dass ein SRM-Einsatz innerhalb eines Jahres Wirkung zeigen könnte. Ergebnisse aus Klimamodellen deuteten laut der UNEP darauf hin, dass SRM diverse Gefahren des Klimawandels in den meisten Regionen verringern könnte. Dies – im Vergleich zu Klimaschäden – zu tiefen Kosten: Für 20 Milliarden im Jahr könnte die globale Temperatur um 1 Grad Celsius reduziert werden.
Darin sieht die UNEP eine Gefahr: Für viele Länder und Organisation lägen diese Kosten im Bereich des Möglichen, was zu unkontrollierten Experimenten und Einsätzen führen könnte. Die UNEP fordert deshalb eine geregelte internationale Zusammenarbeit.
An dieser Punkt ergibt sich aber bereits das nächste Problem, wie die UNEP schreibt:
«Man kann davon ausgehen, dass es in der breiteren Gemeinschaft niemals einen universellen Konsens über den Einsatz von SRM geben wird, was bedeutet, dass Gemeinschaften, Nationen und Gesellschaften, die gegen den Einsatz von SRM sind, dessen Auswirkungen gegen ihren Willen ausgesetzt wären, was ethische und rechtliche Bedenken aufwirft.»
Die positiven Auswirkungen von SRM sind bis zu einem gewissen Grad zwar kalkulierbar, die Unsicherheiten sind es hingegen noch nicht. SRM dürfte bloss als eine temporäre, unterstützende Massnahme eingesetzt werden. Eine Lösung gegen den Klimawandel ist sie nämlich nicht. Denn: Auf schädliche Emissionen haben sie keinen Einfluss. Werden diese Ausstösse nicht reduziert, kann das gefährlich werden. Die UNEP erklärt:
«Wenn die atmosphärischen CO₂-Konzentrationen weiter ansteigen und eine SRM-Massnahme zum Ausgleich der Erwärmung eingesetzt wird, könnten die Unsicherheiten und das damit verbundene Risiko mit dem Umfang und der Dauer des SRM-Einsatzes zunehmen.»
So könnten Auswirkungen, die nicht durch SRM kompensiert werden können, verstärkt werden. Ein plötzlicher Stopp eines grossen SRM-Einsatzes – etwa durch einen technischen Fehler – könnte dadurch verheerende Folgen haben. Die Erde wäre mit einem Schlag wieder allen schädlichen Faktoren ausgesetzt, die das SRM zuvor zu vermindert versuchte. So würde etwa die Temperatur innert kürzester Zeit wieder ansteigen, was für die gesamte Umwelt einem Schock gleichkäme.
Auch wenn die Möglichkeiten von SRM vielversprechend klingen, bleibt Inger Anders von der UNEP vorsichtig:
«Wir haben nur eine Atmosphäre. Wir können nicht riskieren, sie durch eine schlecht verstandene Abkürzung weiter zu beschädigen, um den Schaden zu beheben, den wir bereits verursacht haben.»
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hinter dem offenen Brief schlagen in dieselbe Kerbe. Sie fordern die Erforschung von SRM. Allerdings nur unter klaren Bedingungen:
«Auch wenn wir die Erforschung von SRM-Ansätzen uneingeschränkt unterstützen, bedeutet dies nicht, dass wir den Einsatz von SRM befürworten.»
Für die Forschenden steht fest: Die nachhaltigste Lösung im Kampf gegen die Klimaerwärmung bleibt noch immer die Reduktion von schädlichen Emissionen.
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wie manche es gerne hätten bezüglich des Klimawandels.
"«Täuschen Sie sich nicht: Es gibt keine schnellen Lösungen für die Klimakrise.»
Inge Anders, Geschäftsführerin von UNEP, warnt vor den Methoden der SRM.
Inge Anders warnt vor Abkürzungen im Kampf gegen die Klimakrise.bild: pd
Diese Worte stammen von der Geschäftsführerin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Inge Anders. Stehen tun sie in der Einleitung eines Berichts zu einer spekulativen, potenziell klimarettenden Technologie: der Solar Radiation Modification (SRM). Die Methode, bei der die Sonneneinstrahlung modifiziert wird, gilt schon seit Jahren als Hoffnungsträgerin im Kampf gegen die Klimaerwärmung.
Aber so einfach ist es eben nicht, wie Anders gleich in ihrem Vorwort des Berichtes, der am Montag erschienen ist, klarstellt. Noch ist die Forschung zu unausgereift, um zum Einsatz zu kommen. Gleichzeitig drängt die Zeit: Der Klimawandel hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach seine zerstörerische Macht unter Beweis gestellt.
Um diesem Einhalt zu gebieten, wurde 2015 in Paris ein wegweisendes Klima-Abkommen unterzeichnet. Dieses sah vor, die globale Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau «deutlich unter» 2 Grad Celsius und idealerweise unter 1,5 Grad zu halten.
Auch wenn das Abkommen als bahnbrechend galt, hapert es bei der Umsetzung gewaltig. Die Welt scheint nach wie vor ungehindert in die Klimaerwärmung zu schlittern. Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zweifeln bereits an der Erreichbarkeit des Ziels. In einem offenen Brief, der am Montag veröffentlicht wurde, schreiben sie:
«Selbst bei aggressiven Massnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Erwärmung des Klimas in naher Zukunft unter 1,5-2 °C bleibt.»
Die 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die den Brief unterzeichnet haben, schlagen deshalb wie das UNEP vor, die Forschung rund um die Solar Radiation Modification (SRM) voranzutreiben.
Geoengineering als Notlösung
Bei der SRM handelt es sich um sogenanntes Geoengineering. So werden diejenigen Massnahmen bezeichnet, die zum Ziel haben, die globale Erwärmung abzubremsen. Dafür greifen sie gezielt in bestimmte Kreisläufe ein, die das Weltklima beeinflussen. Bei der SRM ist das die Sonnenstrahlung.
Vorteile und Gefahren eines Sonnenschilds: (Anm.:als Video im Artikel eingefügt)
Das globale Klima wird dadurch bestimmt, wie viel Sonnenstrahlung von der Erde absorbiert und wie viel in den Weltraum zurückreflektiert wird. Eine Reduktion der Sonnenstrahlung – und damit der globalen Temperaturen – kann auf verschiedene Weise erreicht werden. So etwa durch die Aufhellung von Wolken, durch die Anbringung von Spiegeln oder Sonnenschirmen im Weltall oder durch die Einbringung von Aerosolen in die Stratosphäre. Bei all diesen Methoden soll die Sonnenstrahlung mehr ins All reflektiert und damit von der Erde abgelenkt werden.
Die Massnahmen im Detail erklärt: (Anm.: Als Video im Artikel eingefügt)
Der Erfolg scheint insbesondere bei der Einbringung von Aerosolen in die Stratosphäre garantiert. Bewiesen hat der Ausbruch des Vulkanes Pinatubo auf den Philippinen 1991. Die durch den Ausbruch in die Stratosphäre geschleuderten Schwefelpartikel reflektierten das Sonnenlicht so stark, dass die weltweite Durchschnittstemperatur um 0,5 Grad sank. Es dauerte drei Jahre bis die Durchschnittstemperatur wieder auf das vorige Niveau zurückgeklettert war.
Als weiteres Beispiel für reflektierende Partikel führen die Forschenden hinter dem offenen Brief die Luftverschmutzung an. Sie erklären:
«Aerosole [durch Luftverschmutzung] kühlen das Klima ab, indem sie das Sonnenlicht streuen und, wenn sie sich in Wolken mischen, das Reflexionsvermögen und die Lebensdauer der Wolken erhöhen. Durch diese Mechanismen gleichen Aerosole aus menschlichen Aktivitäten derzeit schätzungsweise etwa einen Drittel der Klimaerwärmung durch Treibhausgase aus.»
Dass die Luftverschmutzung zu einer Abkühlung des Klimas beiträgt, ist doppelt schlecht. Während sie für unsere Gesundheit schädlich ist, verzögert sie die Klimaerwärmung bloss. Denn mit den stetig strenger werdenden Vorschriften zur Reduktion von Abgasen und Emissionen wird die Luft in Zukunft reiner werden. Damit werde in den kommenden Jahrzehnten rasch ein erheblicher, aber sehr ungewisser Anteil der Klimaerwärmung entlarvt werden, heisst es im Brief weiter.
Sollte die Klimaerwärmung in Zukunft aus dem Ruder laufen, müssten Notfallmassnahmen bereitstehen, sind sich die Expertinnen und Experten der UNEP und hinter dem offenen Brief einig.
Lauernde Gefahren
An diesem Punkt kommt nun wieder die SRM wieder ins Spiel. Beide Gruppen wissen, dass bereits intensiv an SRM-Methoden geforscht wird. Sie wissen auch, dass ein SRM-Einsatz innerhalb eines Jahres Wirkung zeigen könnte. Ergebnisse aus Klimamodellen deuteten laut der UNEP darauf hin, dass SRM diverse Gefahren des Klimawandels in den meisten Regionen verringern könnte. Dies – im Vergleich zu Klimaschäden – zu tiefen Kosten: Für 20 Milliarden im Jahr könnte die globale Temperatur um 1 Grad Celsius reduziert werden.
Darin sieht die UNEP eine Gefahr: Für viele Länder und Organisation lägen diese Kosten im Bereich des Möglichen, was zu unkontrollierten Experimenten und Einsätzen führen könnte. Die UNEP fordert deshalb eine geregelte internationale Zusammenarbeit.
An dieser Punkt ergibt sich aber bereits das nächste Problem, wie die UNEP schreibt:
«Man kann davon ausgehen, dass es in der breiteren Gemeinschaft niemals einen universellen Konsens über den Einsatz von SRM geben wird, was bedeutet, dass Gemeinschaften, Nationen und Gesellschaften, die gegen den Einsatz von SRM sind, dessen Auswirkungen gegen ihren Willen ausgesetzt wären, was ethische und rechtliche Bedenken aufwirft.»
Die positiven Auswirkungen von SRM sind bis zu einem gewissen Grad zwar kalkulierbar, die Unsicherheiten sind es hingegen noch nicht. SRM dürfte bloss als eine temporäre, unterstützende Massnahme eingesetzt werden. Eine Lösung gegen den Klimawandel ist sie nämlich nicht. Denn: Auf schädliche Emissionen haben sie keinen Einfluss. Werden diese Ausstösse nicht reduziert, kann das gefährlich werden. Die UNEP erklärt:
«Wenn die atmosphärischen CO₂-Konzentrationen weiter ansteigen und eine SRM-Massnahme zum Ausgleich der Erwärmung eingesetzt wird, könnten die Unsicherheiten und das damit verbundene Risiko mit dem Umfang und der Dauer des SRM-Einsatzes zunehmen.»
So könnten Auswirkungen, die nicht durch SRM kompensiert werden können, verstärkt werden. Ein plötzlicher Stopp eines grossen SRM-Einsatzes – etwa durch einen technischen Fehler – könnte dadurch verheerende Folgen haben. Die Erde wäre mit einem Schlag wieder allen schädlichen Faktoren ausgesetzt, die das SRM zuvor zu vermindert versuchte. So würde etwa die Temperatur innert kürzester Zeit wieder ansteigen, was für die gesamte Umwelt einem Schock gleichkäme.
Auch wenn die Möglichkeiten von SRM vielversprechend klingen, bleibt Inger Anders von der UNEP vorsichtig:
«Wir haben nur eine Atmosphäre. Wir können nicht riskieren, sie durch eine schlecht verstandene Abkürzung weiter zu beschädigen, um den Schaden zu beheben, den wir bereits verursacht haben.»
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hinter dem offenen Brief schlagen in dieselbe Kerbe. Sie fordern die Erforschung von SRM. Allerdings nur unter klaren Bedingungen:
«Auch wenn wir die Erforschung von SRM-Ansätzen uneingeschränkt unterstützen, bedeutet dies nicht, dass wir den Einsatz von SRM befürworten.»
Für die Forschenden steht fest: Die nachhaltigste Lösung im Kampf gegen die Klimaerwärmung bleibt noch immer die Reduktion von schädlichen Emissionen.
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