Es gibt vier Haupthimmelsrichtungen und noch viel mehr unterschiedliche Interessen.
Und es gibt viele Gläubige, die gern jede andere Sicht auf die Dinge erschweren bis verhindern wollen.
Was uns aber leiten soll ist doch das, was den Krieg beendet oder verhindert. Also den Menschen hilft. Nicht nur einer Handvoll.
…………………….
Sind Verhandlungen mit Russland Verrat? Von Thania Paffenholz, Frankfurter Rundschau 147.3.25
Die jüngsten Entwicklungen rücken direkte Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges ins Rampenlicht. Noch vor kurzem schien eine Annäherung zwischen den USA und Russland undenkbar. Das Tempo und die Exklusivität der aktuellen Gespräche beunruhigen europäische Hauptstädte, die mit Einflussverlust und Unsicherheit konfrontiert sind, und vor allem auf militärische Aufrüstung setzen. Das wird aber nicht reichen, um Frieden in der Ukraine und in Europa herzustellen. Europa benötigt einen Dialog mit Russland.
Die USA vollziehen eine dramatische strategische Wende: Sie wollen nicht länger die Hauptverantwortung für Frieden und Sicherheit tragen – und vor allem nicht dafür zahlen. Dass Europa selbst davon betroffen sein könnte, war bisher undenkbar. Washington setzt auf wirtschaftliche Vorteile und sein Verhältnis zu Russland und China. Friedenssicherung und Wiederaufbau werden anderen überlassen – wie zuletzt im Gazakonflikt gesehen.
Europa agiert derzeit ohne kohärente Gesamtstrategie. Schockstarre wechselt sich mit schnellen Reaktionen ab, meist in Form militärischer Aufrüstung. Doch es ist essenziell, dass Europa seinen Einfluss zurückgewinnt, um nicht durch die US-Russland-Annäherung an den Rand gedrängt zu werden. Statt allein auf Abschreckung zu setzen, sollte Europa ein umfassendes Friedens- und Sicherheitskonzept entwickeln, bevor andere es tun. Es gilt, Bedrohungen zu verhindern und ein stabiles gesamteuropäisches Sicherheitskonzept wiederzubeleben.
Ein großes Hindernis für ein solches strategisches Vorgehen ist die vorherrschende Vorstellung, dass Verhandlungen mit Russland einer Kapitulation gleichkämen. Die binäre Sicht auf Sieg und Niederlage und damit verbundene Polarisierung hat wichtige Debatten verhindert und Europa unvorbereitet in die jetzige Situation gebracht. Doch die Realität zeigt: Kriege enden meist durch Verhandlungen und verhindert werden können sie in der Regel nur durch Dialog.
Die Vorstellung, dass Russland isoliert werden kann, war Wunschdenken. Sanktionen und Isolation werden Russland nicht verschwinden lassen. Europa muss wirtschaftliche Abhängigkeiten reduzieren, seine Verteidigungsfähigkeit stärken – und dennoch den Dialog mit Russland wieder aufnehmen. Die Erfahrungen aus anderen Konflikten, etwa in Afghanistan, zeigen, dass unrealistische Erwartungen und realitätsfremde Narrative hohe Kosten und Leid verursachen.
Anstatt sich ausschließlich auf Aufrüstung zu konzentrieren, sollte Europa über realistische Sicherheitsgarantien für die Ukraine als Teil eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems nachdenken. Welche Mechanismen braucht es für einen gleichberechtigten Dialog mit Russland? Wie können russische Sicherheitsbedenken ebenfalls ernst genommen werden? Sollte eine Friedenstruppe aufgestellt werden? Welche Länder könnten dabei Vertrauen schaffen? Wie kann die Türkei als Brückenbauer eingebunden werden?
Europa muss eine Position entwickeln, die Dialog ermöglicht, ohne bedingungslos nachzugeben – weder den USA noch Russland. Es geht darum, Sicherheitsinteressen Europas und der Ukraine, aber auch Russlands ernst zu nehmen und pragmatische Lösungen zu finden. Die USA unter Trump handeln rasant, und Europa muss kurz- und langfristig strategisch denken, um nicht weiter marginalisiert zu werden.
Jetzt ist der Moment, Einfluss auf Verhandlungen zu nehmen und auch direkte Verhandlungen mit Russland wiederaufzunehmen. Die Zukunft eines friedlichen Europas hängt von einem entschlossenen Wandel im Narrativ ab – weg von Dämonisierung hin zu realitätsbezogenem Engagement, in dem militärische Abschreckung nur ein Teil einer kohärenten Gesamtstrategie sein kann. Europa braucht kollektive Sicherheit und wirtschaftliche Prosperität – ohne Dialog ist das nicht möglich.
Es gibt vier Haupthimmelsrichtungen und noch viel mehr unterschiedliche Interessen.
Und es gibt viele Gläubige, die gern jede andere Sicht auf die Dinge erschweren bis verhindern wollen.
Was uns aber leiten soll ist doch das, was den Krieg beendet oder verhindert. Also den Menschen hilft. Nicht nur einer Handvoll.
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Sind Verhandlungen mit Russland Verrat? Von Thania Paffenholz, Frankfurter Rundschau 147.3.25
Die jüngsten Entwicklungen rücken direkte Verhandlungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges ins Rampenlicht. Noch vor kurzem schien eine Annäherung zwischen den USA und Russland undenkbar. Das Tempo und die Exklusivität der aktuellen Gespräche beunruhigen europäische Hauptstädte, die mit Einflussverlust und Unsicherheit konfrontiert sind, und vor allem auf militärische Aufrüstung setzen. Das wird aber nicht reichen, um Frieden in der Ukraine und in Europa herzustellen. Europa benötigt einen Dialog mit Russland.
Die USA vollziehen eine dramatische strategische Wende: Sie wollen nicht länger die Hauptverantwortung für Frieden und Sicherheit tragen – und vor allem nicht dafür zahlen. Dass Europa selbst davon betroffen sein könnte, war bisher undenkbar. Washington setzt auf wirtschaftliche Vorteile und sein Verhältnis zu Russland und China. Friedenssicherung und Wiederaufbau werden anderen überlassen – wie zuletzt im Gazakonflikt gesehen.
Europa agiert derzeit ohne kohärente Gesamtstrategie. Schockstarre wechselt sich mit schnellen Reaktionen ab, meist in Form militärischer Aufrüstung. Doch es ist essenziell, dass Europa seinen Einfluss zurückgewinnt, um nicht durch die US-Russland-Annäherung an den Rand gedrängt zu werden. Statt allein auf Abschreckung zu setzen, sollte Europa ein umfassendes Friedens- und Sicherheitskonzept entwickeln, bevor andere es tun. Es gilt, Bedrohungen zu verhindern und ein stabiles gesamteuropäisches Sicherheitskonzept wiederzubeleben.
Ein großes Hindernis für ein solches strategisches Vorgehen ist die vorherrschende Vorstellung, dass Verhandlungen mit Russland einer Kapitulation gleichkämen. Die binäre Sicht auf Sieg und Niederlage und damit verbundene Polarisierung hat wichtige Debatten verhindert und Europa unvorbereitet in die jetzige Situation gebracht. Doch die Realität zeigt: Kriege enden meist durch Verhandlungen und verhindert werden können sie in der Regel nur durch Dialog.
Die Vorstellung, dass Russland isoliert werden kann, war Wunschdenken. Sanktionen und Isolation werden Russland nicht verschwinden lassen. Europa muss wirtschaftliche Abhängigkeiten reduzieren, seine Verteidigungsfähigkeit stärken – und dennoch den Dialog mit Russland wieder aufnehmen. Die Erfahrungen aus anderen Konflikten, etwa in Afghanistan, zeigen, dass unrealistische Erwartungen und realitätsfremde Narrative hohe Kosten und Leid verursachen.
Anstatt sich ausschließlich auf Aufrüstung zu konzentrieren, sollte Europa über realistische Sicherheitsgarantien für die Ukraine als Teil eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems nachdenken. Welche Mechanismen braucht es für einen gleichberechtigten Dialog mit Russland? Wie können russische Sicherheitsbedenken ebenfalls ernst genommen werden? Sollte eine Friedenstruppe aufgestellt werden? Welche Länder könnten dabei Vertrauen schaffen? Wie kann die Türkei als Brückenbauer eingebunden werden?
Europa muss eine Position entwickeln, die Dialog ermöglicht, ohne bedingungslos nachzugeben – weder den USA noch Russland. Es geht darum, Sicherheitsinteressen Europas und der Ukraine, aber auch Russlands ernst zu nehmen und pragmatische Lösungen zu finden. Die USA unter Trump handeln rasant, und Europa muss kurz- und langfristig strategisch denken, um nicht weiter marginalisiert zu werden.
Jetzt ist der Moment, Einfluss auf Verhandlungen zu nehmen und auch direkte Verhandlungen mit Russland wiederaufzunehmen. Die Zukunft eines friedlichen Europas hängt von einem entschlossenen Wandel im Narrativ ab – weg von Dämonisierung hin zu realitätsbezogenem Engagement, in dem militärische Abschreckung nur ein Teil einer kohärenten Gesamtstrategie sein kann. Europa braucht kollektive Sicherheit und wirtschaftliche Prosperität – ohne Dialog ist das nicht möglich.