Die Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen sind auch für Unternehmen ein Schock: In beiden Bundesländern ist vollkommen unklar, wer eine künftige Regierung stellen könnte. Und in beiden Bundesländern haben mit der AfD und dem BSW Parteien massiv gepunktet, deren Politik bei Unternehmen und Verbänden nicht gut ankommt. Erst einmal hoffen aber viele, dass überhaupt stabile Regierungen gebildet werden können.
Sowohl in Sachsen als auch in Thüringen wird das schwierig: Die bisherigen Landesregierungen sind abgewählt, in beiden Landtagen ist eine Regierungsbildung ohne Zustimmung oder Duldung durch AfD oder BSW unmöglich. „Das könnte für viele Wochen oder gar Monate Unsicherheit bedeuten, ob eine stabile demokratische Mehrheit überhaupt zustande kommen wird, ob eine Regierungsbildung gelingt und ein Landeshaushalt verabschiedet werden kann“, sagte am Montag die Vorsitzende der sogenannten Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer.
„Wo Populisten politisch mitbestimmen können, kann es unter anderem zur Begrenzung der Fachkräftezuwanderung kommen“, warnte zudem Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle. Der Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen in Thüringen und Sachsen eine der größten Herausforderungen, auch wegen des miesen Images bei Zuwanderinnen und Zuwanderern: „Versuchen Sie mal, eine muslimische Ingenieurin nach Thüringen zu holen“, hatte in der vergangenen Woche etwa Stefan Traeger, CEO des Jenaer Technologiekonzerns Jenoptik, einem Handelsblatt“-Reporter gesagt.
„Wie stark der Konflikt zwischen der ökonomischen Notwendigkeit der Fachkräftezuwanderung und der populistischen Haltung ist, hat sich zuletzt an den Äußerungen von Björn Höcke zu Familienunternehmen in Deutschland gezeigt, meinte Gropp. Höcke hat in der vergangenen Woche Unternehmen, die sich für Vielfalt einsetzen, angegriffen, wünschte ihnen „schwere wirtschaftliche Turbulenzen“.
Neu sind derartige Töne bei Höcke nicht, der Rechtsextremist hat schon 2016 mit „Kapitalismuskritik“ geworben. Mehrere Bücher und Studien thematisierten seither Ähnlichkeiten zwischen Höckes Antikapitalismus und dem von NS-Ideologen, etwa Gottfried Feder.
Für viele Unternehmer brachte die Attacke in der vergangenen Woche das Fass zum Überlaufen, die Kampagne „Made in Germany - Made by Vielfalt“ verzeichnete zahlreiche Neueintritte. Die Äußerung Höckes sei ein Schlag ins Gesicht für Thüringer Unternehmer und Beschäftigte, kritisierte die Landesvorsitzende des Verbandes der Familienunternehmer, Colette Boos-John, im Deutschlandfunk. Andere Wirtschaftsvertreter in Thüringen waren nicht milder gestimmt. Genutzt hat das wenig, die AfD wurde in Thüringen mit fast 32,8 Prozent stärkste Kraft.
Im Landtag hätten wirtschaftsfeindliche Parteien, also AfD, BSW und Linkspartei, nun eine Riesenmehrheit, beklagte Boos-John. Geschuldet sei das dem Wunsch nach einer Abrechnung mit der Berliner-Koalition. Der Verband hoffe nun „auf den großen Pragmatismus des BSW, dass die Partei doch noch umschwenkt auf eine so dringend nötige Wachstumspolitik“, sagte Boos-John.
In Sachsen sehen die Familienunternehmen eindeutig die CDU in der Mitverantwortung, eine Regierung zu bilden. Leicht werde das aber nicht, gestand Christian Haase, Landesvorsitzender des Verbands ein: „Eine Zusammenarbeit mit der AfD kommt nicht infrage, und thematisch passt in der Programmatik des BSW vieles nicht zu einer freien Marktwirtschaft“, sagte der Leipziger Unternehmer. Nur mit einem gesellschaftlichen Klima der Offenheit werde der Fachkräftemangel zu bewältigen sein und Sachsen attraktiv für Investoren bleiben, betonte er.
(Christoph Höland, FR 3.9.24)
Über die eine oder andere Aussage konnte ich schon schmunzeln. Und das, obwohl sich die Unternehmer bestimmt Sorgen machen.
So manchmal kommt mir aber der Gedanke, dass bald weitere Unternehmen ins sichere Ausland gehen, ehe sie billig verkaufen müssen. Denn ich befürchte, dass sich solches Gedankengut bereits breit und tief in anderen Parteien eingenistet hat.
Die Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen sind auch für Unternehmen ein Schock: In beiden Bundesländern ist vollkommen unklar, wer eine künftige Regierung stellen könnte. Und in beiden Bundesländern haben mit der AfD und dem BSW Parteien massiv gepunktet, deren Politik bei Unternehmen und Verbänden nicht gut ankommt. Erst einmal hoffen aber viele, dass überhaupt stabile Regierungen gebildet werden können.
Sowohl in Sachsen als auch in Thüringen wird das schwierig: Die bisherigen Landesregierungen sind abgewählt, in beiden Landtagen ist eine Regierungsbildung ohne Zustimmung oder Duldung durch AfD oder BSW unmöglich. „Das könnte für viele Wochen oder gar Monate Unsicherheit bedeuten, ob eine stabile demokratische Mehrheit überhaupt zustande kommen wird, ob eine Regierungsbildung gelingt und ein Landeshaushalt verabschiedet werden kann“, sagte am Montag die Vorsitzende der sogenannten Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer.
„Wo Populisten politisch mitbestimmen können, kann es unter anderem zur Begrenzung der Fachkräftezuwanderung kommen“, warnte zudem Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle. Der Fachkräftemangel ist für viele Unternehmen in Thüringen und Sachsen eine der größten Herausforderungen, auch wegen des miesen Images bei Zuwanderinnen und Zuwanderern: „Versuchen Sie mal, eine muslimische Ingenieurin nach Thüringen zu holen“, hatte in der vergangenen Woche etwa Stefan Traeger, CEO des Jenaer Technologiekonzerns Jenoptik, einem Handelsblatt“-Reporter gesagt.
„Wie stark der Konflikt zwischen der ökonomischen Notwendigkeit der Fachkräftezuwanderung und der populistischen Haltung ist, hat sich zuletzt an den Äußerungen von Björn Höcke zu Familienunternehmen in Deutschland gezeigt, meinte Gropp. Höcke hat in der vergangenen Woche Unternehmen, die sich für Vielfalt einsetzen, angegriffen, wünschte ihnen „schwere wirtschaftliche Turbulenzen“.
Neu sind derartige Töne bei Höcke nicht, der Rechtsextremist hat schon 2016 mit „Kapitalismuskritik“ geworben. Mehrere Bücher und Studien thematisierten seither Ähnlichkeiten zwischen Höckes Antikapitalismus und dem von NS-Ideologen, etwa Gottfried Feder.
Für viele Unternehmer brachte die Attacke in der vergangenen Woche das Fass zum Überlaufen, die Kampagne „Made in Germany - Made by Vielfalt“ verzeichnete zahlreiche Neueintritte. Die Äußerung Höckes sei ein Schlag ins Gesicht für Thüringer Unternehmer und Beschäftigte, kritisierte die Landesvorsitzende des Verbandes der Familienunternehmer, Colette Boos-John, im Deutschlandfunk. Andere Wirtschaftsvertreter in Thüringen waren nicht milder gestimmt. Genutzt hat das wenig, die AfD wurde in Thüringen mit fast 32,8 Prozent stärkste Kraft.
Im Landtag hätten wirtschaftsfeindliche Parteien, also AfD, BSW und Linkspartei, nun eine Riesenmehrheit, beklagte Boos-John. Geschuldet sei das dem Wunsch nach einer Abrechnung mit der Berliner-Koalition. Der Verband hoffe nun „auf den großen Pragmatismus des BSW, dass die Partei doch noch umschwenkt auf eine so dringend nötige Wachstumspolitik“, sagte Boos-John.
In Sachsen sehen die Familienunternehmen eindeutig die CDU in der Mitverantwortung, eine Regierung zu bilden. Leicht werde das aber nicht, gestand Christian Haase, Landesvorsitzender des Verbands ein: „Eine Zusammenarbeit mit der AfD kommt nicht infrage, und thematisch passt in der Programmatik des BSW vieles nicht zu einer freien Marktwirtschaft“, sagte der Leipziger Unternehmer. Nur mit einem gesellschaftlichen Klima der Offenheit werde der Fachkräftemangel zu bewältigen sein und Sachsen attraktiv für Investoren bleiben, betonte er.
(Christoph Höland, FR 3.9.24)
Über die eine oder andere Aussage konnte ich schon schmunzeln. Und das, obwohl sich die Unternehmer bestimmt Sorgen machen.
So manchmal kommt mir aber der Gedanke, dass bald weitere Unternehmen ins sichere Ausland gehen, ehe sie billig verkaufen müssen. Denn ich befürchte, dass sich solches Gedankengut bereits breit und tief in anderen Parteien eingenistet hat.