Die ostdeutsche Stadt will als erste im Land Menschen, die Bürgergeld beziehen, zu Arbeiten fürs Gemeinwohl zwingen.
Aus dem Norden kommt ein Vorsatz fürs neue Jahr, der – etwas verspätet – für bundesweite Aufmerksamkeit sorgt: Als erste Stadt hat Schwerin sich vorgenommen,
auch Bürgergeld-Empfänger zu gemeinnütziger Arbeit zu verpflichten.
Dürfen die das? Sollte man das überall machen?
Ja, findet die CDU, deren Vertreter in Schwerin die Pflicht durchgesetzt haben, auch im Bund. Und trifft einen Nerv: Viele Deutsche fürchten, das Bürgergeld verleite
Arbeitsfähige zum Nichtstun. Kennt nicht jeder einen solchen Fall aus dem Bekanntenkreis – oder vielleicht doch eher aus den Boulevardmedien?
Vielleicht wäre das ja dann das Ende dieser Dauerdebatte: Der Staat zwingt die knapp 20000 „Totalverweigerer“ mit Bürgergeld in Ein-Euro-Jobs für Sozialvereine
oder den Winterdienst, legt die Kosten aufs Bürgergeld drauf, dann hat die liebe Seele Ruh.
Nur, geholfen wäre so keinem: Die Vergütung und der Bürokratieaufwand für Sanktionen fiele zusätzlich an. Vereine und Kommunen brauchen eher Hilfe bei der Rekrutierung Freiwilliger denn bei der von erzwungenen Helfenden, die jederzeit in Geldjobs wechseln könnten oder – bei tatsächlichen Drückebergern – in die Krankschreibung. Und Unternehmen mit Personalmangel rufen auch nicht mehr nach Langzeitarbeitslosen, die durch geregelte Tagesabläufe aktiviert werden. Sondern nach Leuten mit passender Qualifikation – die diese durch Laub harken nicht erlangen.
Da liegt das wahre Problem: Von 5,5 Millionen Bürgergeldbeziehenden sind die Hälfte Minderjährige oder Aufstocker, deren Lohn nicht zum Leben reicht. Dazu kommen Alleinerziehende ohne Kinderbetreuung und weitere 1,7 Millionen, die aus gesundheitlichen Gründen oder wegen fehlender Abschlüsse nur für simple Jobs infrage kommen, von denen es so viele nicht gibt.
Wir können also über dieses halbe Prozent streiten, das man arbeitsverpflichten könnte. Oder wir kümmern uns um die Hürden, die der großen Masse wirklich im Weg stehen. Auch wenn der Applaus am Stammtisch dann ausbleibt.
Steven Geyer Frankfurter Rundschau 6.1,.2024
Ja, das klingt so einfach. Aber so passend für einfache Köpfe.
Einfach alle zur Arbeit zwingen. Die werden jubelnd und dankbar ihre Arbeit verrichten. Uns drohen wilde Zeiten. Von vielen wieder herbeigesehnt.
In unserem Hilfsverein für Bezieher von Hartz IV kamen irgendwann auch Mitglieder der SPD an. Die jammerten dann irgendwas von Fehlern, das könnte doch nicht sein usw. Auf die Frage, ob sie denn wirklich keine Ahnung davon hätten, was ihre Parten da angerichtet hätte, kamen nur erstaunte Blicke. Die habe ich dann glatt an ihr Parteibüro verwiesen. Zu uns kamen die nicht mehr.
Die ostdeutsche Stadt will als erste im Land Menschen, die Bürgergeld beziehen, zu Arbeiten fürs Gemeinwohl zwingen.
Aus dem Norden kommt ein Vorsatz fürs neue Jahr, der – etwas verspätet – für bundesweite Aufmerksamkeit sorgt: Als erste Stadt hat Schwerin sich vorgenommen,
auch Bürgergeld-Empfänger zu gemeinnütziger Arbeit zu verpflichten.
Dürfen die das? Sollte man das überall machen?
Ja, findet die CDU, deren Vertreter in Schwerin die Pflicht durchgesetzt haben, auch im Bund. Und trifft einen Nerv: Viele Deutsche fürchten, das Bürgergeld verleite
Arbeitsfähige zum Nichtstun. Kennt nicht jeder einen solchen Fall aus dem Bekanntenkreis – oder vielleicht doch eher aus den Boulevardmedien?
Vielleicht wäre das ja dann das Ende dieser Dauerdebatte: Der Staat zwingt die knapp 20000 „Totalverweigerer“ mit Bürgergeld in Ein-Euro-Jobs für Sozialvereine
oder den Winterdienst, legt die Kosten aufs Bürgergeld drauf, dann hat die liebe Seele Ruh.
Nur, geholfen wäre so keinem: Die Vergütung und der Bürokratieaufwand für Sanktionen fiele zusätzlich an. Vereine und Kommunen brauchen eher Hilfe bei der Rekrutierung Freiwilliger denn bei der von erzwungenen Helfenden, die jederzeit in Geldjobs wechseln könnten oder – bei tatsächlichen Drückebergern – in die Krankschreibung. Und Unternehmen mit Personalmangel rufen auch nicht mehr nach Langzeitarbeitslosen, die durch geregelte Tagesabläufe aktiviert werden. Sondern nach Leuten mit passender Qualifikation – die diese durch Laub harken nicht erlangen.
Da liegt das wahre Problem: Von 5,5 Millionen Bürgergeldbeziehenden sind die Hälfte Minderjährige oder Aufstocker, deren Lohn nicht zum Leben reicht. Dazu kommen Alleinerziehende ohne Kinderbetreuung und weitere 1,7 Millionen, die aus gesundheitlichen Gründen oder wegen fehlender Abschlüsse nur für simple Jobs infrage kommen, von denen es so viele nicht gibt.
Wir können also über dieses halbe Prozent streiten, das man arbeitsverpflichten könnte. Oder wir kümmern uns um die Hürden, die der großen Masse wirklich im Weg stehen. Auch wenn der Applaus am Stammtisch dann ausbleibt.
Steven Geyer Frankfurter Rundschau 6.1,.2024
Ja, das klingt so einfach. Aber so passend für einfache Köpfe.
Einfach alle zur Arbeit zwingen. Die werden jubelnd und dankbar ihre Arbeit verrichten. Uns drohen wilde Zeiten. Von vielen wieder herbeigesehnt.
In unserem Hilfsverein für Bezieher von Hartz IV kamen irgendwann auch Mitglieder der SPD an. Die jammerten dann irgendwas von Fehlern, das könnte doch nicht sein usw. Auf die Frage, ob sie denn wirklich keine Ahnung davon hätten, was ihre Parten da angerichtet hätte, kamen nur erstaunte Blicke. Die habe ich dann glatt an ihr Parteibüro verwiesen. Zu uns kamen die nicht mehr.