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Sachen gibt's .....

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 02.07.2025, 14:37 – geändert Mittwoch 02.07.2025, 14:42

"Raumschiff mit menschlichen Überresten und Cannabis in den Pazifik gestürzt

Ein Weltraum-Start-up hätte für das Unternehmen Celestis die Asche von Toten sowie andere Fracht in den Orbit bringen sollen – doch die Rückkehr klappte nicht nach Plan.

Ehe gut betuchte Weltraumtouristen erstmals in den Orbit fliegen durften, hat man bereits unsere Toten zur Bestattung ins All geschickt. Als Traditionsunternehmen, wenn man so will, kann man in dieser Hinsicht die US-Firma Celestis mit Sitz in Houston, Texas, bezeichnen, die seit 1997 kremierte menschliche Überreste in den Weltraum verfrachten lässt. Heute bietet Celestis eine breite Palette an entsprechenden Dienstleistungen an. Möglich ist nicht nur der Versand kleiner Mengen der Asche, sondern – für Menschen, die sich nicht einäschern lassen möchten – auch von DNA-Proben.

Die Reisen führen in die Erdumlaufbahn, zum Mond oder sogar darüber hinaus. Beim "Earthrise"-Service erleben die Proben einen kurzen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit, bevor sie zur Erde zurückkehren. Die Preise dafür liegen zwischen 3495 und 11.085 US-Dollar. Im Paket enthalten sind Gedenkfeiern, Satellitenverfolgung und die Möglichkeit, dem Raketenstart beizuwohnen.

166 Tote
Bei einem solchen Flug kam es nun zu einem Unglück, mit dem die Hinterbliebenen wohl keine Freude habe dürften: Ein Raumschiff mit den sterblichen Überresten von über 160 Menschen ist am vergangenen Dienstag in den Pazifischen Ozean gestürzt. Die Fracht ging dabei verloren, und diese bestand nicht nur aus der Asche der Toten.

Am Vortag, dem 23. Juni, war eine Falcon-9-Rakete von Space X von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gestartet. Die Mission mit dem Namen Transporter-14 beförderte 70 unterschiedliche Nutzlasten in eine niedrige Erdumlaufbahn. Die größte war Nyx, eine 1,6 Tonnen schwere Wiedereintrittskapsel des deutschen Raumfahrt-Start-ups The Exploration Company. Unter dem Titel "Mission Possible" war es der erste Versuch des Unternehmens, Kundenfracht zu transportieren. Etwa 300 Kilogramm Material umfasste die Ladung – darunter auch die erwähnte Asche und DNA von mehr als 166 Verstorbenen, bereitgestellt von Celestis. Zwar erreichte Nyx erfolgreich den Orbit, doch beim Wiedereintritt habe das Fallschirmsystem versagt, wie Celestis mitteilte.
Unternehmen nimmt Stellung

"Infolge dieses unvorhergesehenen Ereignisses gehen wir davon aus, dass wir die Flugkapseln an Bord nicht bergen oder zurückgeben können", erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme. "Wir teilen die Enttäuschung unserer Familien und sprechen ihnen unseren aufrichtigen Dank für ihr Vertrauen aus." Zwar habe die Mission wichtige Etappen erreicht – Start, Umlaufbahn und kontrollierten Wiedereintritt –, dennoch bedeute die missglückte Landung einen persönlichen Verlust für die beteiligten Familien.

"In den kommenden Tagen wird sich unser Team mit jeder Familie einzeln in Verbindung setzen, um Unterstützung anzubieten und mögliche nächste Schritte zu besprechen", hieß es weiter. "Auch wenn wir derzeit glauben, dass wir die Flugkapseln nicht zurückbringen können, hoffen wir, dass die Familien Trost darin finden, dass ihre Angehörigen Teil einer historischen Reise waren – gestartet ins All, die Erde umkreist und nun geborgen in der Weite des Pazifiks, vergleichbar mit einer traditionellen und ehrenvollen Seebestattung."
Früherer Vorfall

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Mission von Celestis scheiterte. Im Mai 2023 explodierte eine Rakete von UP Aerospace kurz nach dem Start über der Wüste von New Mexico. An Bord befanden sich unter anderem die kremierten Überreste eines verstorbenen Nasa-Astronauten sowie zahlreiche wissenschaftliche Experimente von Schülerinnen und Schülern im Auftrag der Nasa.

Am Dienstag äußerte sich auch The Exploration Company öffentlich zur aktuellen Mission. In einem Beitrag in den sozialen Medien sprach das Unternehmen von einem "Teilerfolg". Die Kapsel habe ihre Fracht im Orbit wie vorgesehen mit Energie versorgt, sich nach der Trennung von der Falcon-9 stabilisiert, sei in die Erdatmosphäre eingetreten und habe nach einer kurzen Funkstille die Verbindung wiederhergestellt. "Doch danach kam es zu einem Problem, nach aktuellem Kenntnisstand verloren wir wenige Minuten vor der Wasserung den Kontakt", so das Unternehmen. "Wir untersuchen weiterhin die Ursachen und werden bald weitere Informationen veröffentlichen. Wir entschuldigen uns bei allen Kund:innen, die uns ihre Nutzlasten anvertraut haben."

Cannabis an Bord

Neben den menschlichen Überresten und anderen Frachtstücken transportierte Nyx auch Cannabis. Bereitgestellt wurde es von Martian Grow, einem offenen Citizen-Science-Projekt. Dessen ehrgeiziges Ziel ist es, künftig Hanf auf dem Mars anzubauen. Für diesen Zweck wurden Samen und Pflanzenmaterial in den Orbit gebracht, um zu erforschen, wie Mikrogravitation Keimung und Widerstandsfähigkeit beeinflusst. "Cannabis ist widerstandsfähig, vielseitig einsetzbar und biologisch komplex – ideal, um zu untersuchen, wie sich Leben an extreme Umgebungen wie den Weltraum oder den Mars anpasst", heißt es auf der Website von Martian Grow. Die Pflanzenproben gingen mit dem Rest der Fracht im Pazifik verloren.

"Mission Possible" war der zweite Flug von The Exploration Company. Die erste Mission – genannt "Bikini" – transportierte eine kleinere Wiedereintrittskapsel an Bord der ersten Ariane-6-Rakete im Juli 2024. Wegen einer Fehlfunktion der Oberstufe gelang es jedoch nicht, die Kapsel auf eine Rückkehrbahn zu bringen. Sie verblieb mitsamt der Rakete im Orbit.

Die jüngste Mission war weitaus ambitionierter. Sie diente nicht nur dem Test der Wiedereintrittstechnologie, sondern auch aller unterstützenden Systeme von Nyx. Die Raumkapsel soll künftig Fracht zur und von der niedrigen Erdumlaufbahn transportieren. Auch bemannte Flüge wären damit künftig möglich, so das Unternehmen, doch der Absturz in der vergangenen Woche macht deutlich, dass es bis dorthin noch ein weiter Weg ist. (red, tberg, 1.7.2025)"


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