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Rentenstreit, was steckt dahinter

Von Harvey11 Donnerstag 27.11.2025, 22:09

Warum die 18 Rebellen der Jungen Union selbst nichts zur Rente beitragen

Wer in Sachen Rentenpaket jetzt die Trommel der „Generstionengerechtigkeit“ schlägt, mag es wohl kaum hören: Die durchschnittliche Nettorente (nach Abzug der Versicherungsbeiträge) aller Rentenbezieher in Deutschland betrug 2024 gerade mal 1.045 Euro, für neu Hinzukommende 1.135 Euro (West) und 1.243 Euro (Ost).
Der Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass Ostrentnerinnen häufiger in Vollzeit beschäftigt waren. Im Durchschnitt beziehen Männer aber auch dort ein höheres Alterseinkommen als Frauen. 740.000 Rentner sind aktuell auf Grundsicherung angewiesen, die Dunkelziffer derjenigen, die dies nicht in Anspruch nehmen, ist hoch. Das ist die Realität in Deutschland. Und gemessen an der Bruttostandardrente von 1.769 Euro – bei Durchschnittseinkommen und 45 Versicherungsjahren- ein Armutszeugnis für den Sozialstaat. Im OECD-Vergleich sieht Deutschland ziemlich schlecht aus.
Dass davon kein würdiges Leben zu bestreiten ist, wenn man nicht gerade über Wohneigentum oder ein Aktiendepot verfügt, dürfte selbst den Jungen Wilden aus der Union klar sein, die diese unsägliche Rentendebatte vom Zaun gebrochen haben. Einmal von der Leine gelassen, schwadronieren sie dennoch über unzumutbare Haltelinien, steigende Bundeszuschüsse und Versicherungsbeiträge, immer unter der Maßgabe, dass die jüngere Generation ungebührend belastet werde. Im Kern dreht sich der Streit darum, ob der 2031 wieder greifende Nachhaltigkeitsfaktor auf der Grundlage von 48 oder 47 Prozent berechnet wird. Letzteres fordern die jungen Abgeordneten.
Bei den 18 Rebellen handelt es sich fast ausschließlich um Angehörige der freien Berufe, Juristen, Betriebswirte oder Unternehmer, die derzeit gar nichts zur Alterssicherung der Allgemeinheit beitragen und dennoch so tun, als seien sie die Robin Hoods der Jungen.
Aber genau die Masse der Jüngeren wird betroffen sein, wenn die – keineswegs armutsfesten – Haltelinien fallen, perspektivisch sind sie die Leidtragenden, wenn das Rentenniveau sinkt. Dass den jungen Politikern sekundiert wird von Senioren wie Peer Steinbrück (SPD) und Ökonomen, die gerade wieder ausgerechnet haben, dass die Sozialstaatsquote in Deutschland zu hoch sei, kennt man. Aber dass angeblich zur Neutralität verpflichtete Medien den roten Teppich für die Altenbasher ausrollen, erzürnt mich als Teil der Zunft.
Genau genommen geht es nicht ums Geld, denn dann hätten sich die abtrünnigen Parlamentarier vehementer gegen das CSU-Projekt Mütterrente II stemmen müssen. Ihnen geht es um anderes. Sie wissen, dass es Kanzler Friedrich Merz nicht mehr lange machen wird. Seinen Möchtegern-Nachfolger Jens Spahn (CDU) führen sie als Fraktionschef, der den Laden sicherlich nicht im Griff hat, vor, um ihn ins Abseits zu befördern. Die SPD manövriert, solange sie in der Koalition noch Stärke zeigen kann, bevor die bei den kommenden Wahlen untergeht. Die Grünen versuchen, Profit aus der Debatte zu ziehen, indem sie sich andienen und die Rente mit 63 abräumen.
All dies passiert auf dem Rücken der aktuellen und künftigen Rentner und hat nichts mit Generstionengerechtigkeit zu tun. Denn es gibt die vielen, die wenig verdienen und im Alter arm sein werden, und diejenigen, die das nicht kümmern muss. Generationengerechtigkeit ist ein ideologisches Narrativ. Denn immer waren Generationen unten solidarisch verbunden, oben waren sie ein politisches Interessenkonsortium.
der freitag, 27.11.2025

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