Vermutlich ist die Welt in diesen Wochen einem atomaren Inferno so nahe wie noch nie seit 1945 – auch im Vergleich mit der sogenannten Kuba-Krise 1962 oder der NATO-»Nachrüstung« 1983. Beide Male funktionierte der subjektive Faktor, begrenzten die entscheidenden Politiker das atomare Wettrüsten. Möglich wurde das aber durch die objektive Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen Ost und West. Die sozusagen materielle Basis war das in den 60er Jahren von der Sowjetunion erreichte militärisch-strategische Gleichgewicht zu den USA. Klar geworden war: Eine Intervention gegen die sozialistischen Länder konnte in einen globalen Atomkrieg umschlagen. Der Einsicht folgte in den 60er Jahren das Konzept des »Zusammendenkens von Verteidigungs- und Abrüstungspolitik«, auf das sich das »Manifest« aus SPD-Friedenskreisen in der vergangenen Woche bezog. Das ist verdienstvoll.
In den 80er Jahren war es nicht zuletzt die DDR, die zum Teil gegen den Widerstand von Teilen der sowjetischen Führung die NATO-Stationierungen in Westeuropa nicht zum Anlass nahm, alle Gespräche abzubrechen. Erich Honecker schlug am 5. Oktober 1983 in einem Brief an Helmut Kohl vor, »dass sich alle, die das Abgleiten der Menschheit in eine nukleare Katastrophe verhindern wollen, zu einer Koalition der Vernunft zusammentun sollten, um beruhigend auf die internationale Lage einzuwirken.« Auch das funktionierte.
So sieht es aus, immer wilder dreht sich die Spirale des Grauens, immer näher kommt der Untergang.
Und die schlimmsten Feinde sind die, die davor warnen.
Es scheint, als sehne sich Europa nach einem richtig schönen Krieg.
Von den USA ist ja nichts anderes zu erwarten. Das gehört bei denen einfach dazu. Aber die Europäer? Gerade die deutschen Politiker. Wollen die damit die inhaltliche Schwäche der demokratischen Parteien überdecken?
Diese scheuen sich, die tatsächlich dramatischen Probleme klar zu benennen und Lösungen vorzuschlagen, die eben mit Sicherheit eine große Belastung für die Deutschen mit sich bringen werden. Stattdessen wollen sie die mit Krieg belasten.
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Vermutlich ist die Welt in diesen Wochen einem atomaren Inferno so nahe wie noch nie seit 1945 – auch im Vergleich mit der sogenannten Kuba-Krise 1962 oder der NATO-»Nachrüstung« 1983. Beide Male funktionierte der subjektive Faktor, begrenzten die entscheidenden Politiker das atomare Wettrüsten. Möglich wurde das aber durch die objektive Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen Ost und West. Die sozusagen materielle Basis war das in den 60er Jahren von der Sowjetunion erreichte militärisch-strategische Gleichgewicht zu den USA. Klar geworden war: Eine Intervention gegen die sozialistischen Länder konnte in einen globalen Atomkrieg umschlagen. Der Einsicht folgte in den 60er Jahren das Konzept des »Zusammendenkens von Verteidigungs- und Abrüstungspolitik«, auf das sich das »Manifest« aus SPD-Friedenskreisen in der vergangenen Woche bezog. Das ist verdienstvoll.
In den 80er Jahren war es nicht zuletzt die DDR, die zum Teil gegen den Widerstand von Teilen der sowjetischen Führung die NATO-Stationierungen in Westeuropa nicht zum Anlass nahm, alle Gespräche abzubrechen. Erich Honecker schlug am 5. Oktober 1983 in einem Brief an Helmut Kohl vor, »dass sich alle, die das Abgleiten der Menschheit in eine nukleare Katastrophe verhindern wollen, zu einer Koalition der Vernunft zusammentun sollten, um beruhigend auf die internationale Lage einzuwirken.« Auch das funktionierte.
So sieht es aus, immer wilder dreht sich die Spirale des Grauens, immer näher kommt der Untergang.
Und die schlimmsten Feinde sind die, die davor warnen.
Es scheint, als sehne sich Europa nach einem richtig schönen Krieg.
Von den USA ist ja nichts anderes zu erwarten. Das gehört bei denen einfach dazu. Aber die Europäer? Gerade die deutschen Politiker. Wollen die damit die inhaltliche Schwäche der demokratischen Parteien überdecken?
Diese scheuen sich, die tatsächlich dramatischen Probleme klar zu benennen und Lösungen vorzuschlagen, die eben mit Sicherheit eine große Belastung für die Deutschen mit sich bringen werden. Stattdessen wollen sie die mit Krieg belasten.
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