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Propaganda des Patriarchen Kirill

Von Feierabend-Mitglied Samstag 21.12.2024, 09:26 – geändert Samstag 21.12.2024, 09:43

für seine Ansichten, Dogmen und für Putin in Büchern die im Verlag der Kirche erschienen sind. Wenn man Näheres dazu liest kann man durchaus mehr als sich nur wundern.

"Das erste Buch sei der „Russischen Welt“, dem Glauben und dem Patriotismus gewidmet, die von der Kirche ausgehen. So erklärt es der Verlag. Ohne die Russisch-Orthodoxe Kirche wären die Siege Russlands „über die fremdländischen Kräfte“ nicht möglich gewesen, weil nur sie [die Kirche – dek] „die Krieger zu historischen Schlachten inspirieren“ konnte. Ungeachtet des Umstands, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche diese Mission in den vergangenen 1035 Jahren erfolgreich erfüllt habe, versuchten „die Feinde Russlands heute erneut, es mit aller Kraft zu zerstören und zu unterwerfen“. Und das Volk müsse sich erneut „zur Verteidigung der Heimat“ erheben. Das Buch enthält zahlreiche Widersprüche, die die dialektischen Prozesse deutlich machen, die sich im Kopf des Patriarchen vollziehen. Einerseits sei die Geschichte Russlands eine „Geschichte der Siege“; andererseits könne „das Volk sein Land wie auch die eigene Seele verraten“.

Das Buch hat den Anspruch, als neues Programm des Patriarchen zu sozialen und politischen Fragen angesichts der aktuellen Realitäten der „militärischen Spezialoperation“ zu gelten.

Die vielzähligen Paradoxa und sogar leicht absurden Anflüge in diesem Buch sind nichts anderes als ein Ausdruck der allumfassenden Absurdität, von der der Geist unserer Mitbürger erfasst wurde.
Putin als Urquell

Das Buch ist aufwändig aufgemacht und erinnert an einen Kunstband: Farbdruck, Hochglanzpapier, sehr hochwertige Fotografien, Reproduktionen von Ikonen und moderner „patriotischer Malerei“ mit den vielsagenden Symbolen Z und V zwischen orthodoxen Kreuzen. Das Programm des Patriarchen wird nicht nur in Worten dargelegt, sondern auch mit einer ganzen Bilderfolge, die die „militärische Spezialoperation“ preist und die gesamte bisherige Geschichte Russlands als eine Vorbereitung auf dieses äußerst wichtige existenzielle Ereignis darstellt.

Stilistisch erinnert das Buch an Kirills Predigten der vergangenen drei Jahre. Sie sind allerdings nach Themen geordnet und in einer fast schon plakativen Sprache verfasst. Die Kapitel haben im Grunde ein Thema, schaffen aber gleichzeitig eine gewisse Wertehierarchie: „Russische Welt“, „Christentum“, „Dem folgen, zu dem uns Gott vorbestimmt hat“, „Patriotismus“, „Russland wünscht niemandem Böses“. Den Abschluss des Buchs bildet das kunstvoll ausgestaltete „Gebet des Patriarchen über die Heilige Rus“. Einer ganzen Reihe Geistlicher der Orthodoxen Kirche wurde die Priesterwürde entzogen, weil sie beim vorgeschriebenen Beten dieses Textes das Wort „Sieg“ eigenmächtig durch „Frieden“ ersetzt hatten.

Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat. Nicht etwa mit einem Zitat aus der Bibel oder von den Heiligen Kirchenvätern. Keines aus der Lithurgie oder den asketischen Schriften. Die Zitate stammen von Wladimir Putin. Insgesamt gibt es im Buch 22 davon. Sie sind farblich und durch die Schriftgröße hervorgehoben, gleichsam eine Quelle der Glaubenslehre und ein moralischer Kammerton. Putin verkündet, und Kirill kommentiert und legt aus.

Der Patriarch hat das Schicksal seiner religiösen Organisation mit einem Sieg Putins bei der Spezialoperation verknüpft, als er 2023 auf dem Weltkonzil des russischen Volkes sprach. Dieser Zusammenhang war übrigens schon früher in seinen Predigten und Reden angeklungen. Die bekannte Formel Wjatscheslaw Wolodins: „Ohne Putin gibt es heute kein Russland“ ergänzt Gundjajew gleichsam mit: „…und auch die Orthodoxe Kirche nicht“. Aber warum eigentlich nur Russland und die Russisch-Orthodoxe Kirche?! Folgt man dem Patriarchen, wäre die gesamte Schöpfung ohne Putin nichts wert: In seinem Geleitwort zur neuen Amtszeit des Präsidenten formulierte Kirill den Wunsch, dass Putins Herrschaft erst am Ende aller Zeiten zu Ende gehen möge.

In seiner Predigt zum Tag der Einheit des Volkes äußerte Kirill in der Erlöserkathedrale im Moskauer Kreml erneut „die Überzeugung von der Unbesiegbarkeit unseres Landes […] unter der Führung unseres orthodoxen Präsidenten Wladimir Wladimirowitsch Putin.“ Eines der Kapitel im Buch beginnt mit dem entsprechenden Putin-Zitat: „Orthodoxie und Russland sind nicht voneinander zu trennen.“ In der Verfassung der Russischen Föderation findet sich auf diese Frage eine entgegengesetzte Antwort: „Religiöse Vereinigungen sind vom Staat getrennt.“

Auch wenn man davon ausgeht, dass die Verfassung mit der aktuellen Realität in Russland nichts zu tun hat, drängt sich die Frage auf: Was ist mit jenen Regionen der Russischen Föderation, in denen überwiegend Muslime oder Buddhisten leben? So gibt es etwa in Inguschetien nur zwei orthodoxe Gemeinden, in Tschetschenien sieben, in Kalmückien zehn. In diesen Regionen gibt es zig Mal mehr Gebetshäuser anderer Religionsgemeinschaften. Studien über religiöse Einstellungen in der Republik Tschetschenien – nur als Beispiel – berücksichtigen nicht einmal die Frage, ob es dort orthodoxe Christen gibt, es sind statistisch schlichtweg zu wenige.

Wenn „Orthodoxie und Russland nicht zu trennen sind“, gehören dann die Regionen, in denen keinerlei Orthodoxie zu sehen ist, etwa nicht zu Russland? "

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Fortsetzung unten Teil 2. Wer mit der Länge des Artikels überfordert ist, muss es nicht lesen, kann sich aber kein umfassendes Urteil über das Thema bilden..
Bitte aus Fairness die Kommentare nach dem 2. Teil zu schreiben um den Beitrag nicht zu zerreissen.

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