Beim Dreikönigstreffen beschwört die FDP den radikalen Neustart
Eine Liane wäre vielleicht eine gute Idee gewesen, sagt Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie hätte sich daran gemeinsam mit Wolfgang Kubicki quer über den Publikumsraum schwingen können im Stuttgarter Staatstheater, von Loge zu Loge über den Deligierten beim Dreikönigstreff der Partei. „In die Tagesschau wären wir gekommen – und zwar radikal“, sagt die FDP-Europapolitikerin.
Die Lage ist schwierig für die FDP. Seit der Bundestagswahl im Februar sitzt sie nicht mehr im Parlament. Die Umfragewerte sind seither nicht besser geworden, die öffentliche Aufmerksamkeit geringer. Auf dem Landesparteitag der Baden-Württemberg-FDP hat ein Delegierter am Vorabend gewarnt, bei einer Niederlage auch bei der Landtagswahl im Ländle im März sei „die Geschichte dieser FDP vorbei“. Alles etwas trostlos also.
Die FDP-Führung hat in einem Strategiepapier, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt, festgehalten, was sie für nötig hält, um aus dieser Krise zu kommen: „Es muss klarer sichtbar werden: Die FDP macht einen Neustart!“, heißt es darin.
Aber zunächst können vielleicht auch Selbstironie und Lachen helfen. Und so geben die Europapolitikerin und der Vizeparteichef eine Einlage, die stark an Waldorf und Statler erinnern, die beiden lästernden Alten aus der „Muppet Show“. Strack-Zimmermann bescheinigt Kubicki Witze, die „immer ein bisschen alt und abgestanden“ seien, und spottet über den Begriff „radikale Mitte“, den der neue Parteichef Christian Dürr der FDP in dem Strategiepapier als Motto verordnet hat. Kubicki versichert, er werde für den Erfolg der FDP notfalls „alle Weinkeller in Deutschland aussaufen“.
Die FDP-Anhänger im Saal applaudieren und jubeln. Sie haben da schon mehrere Reden gehört. „Wenn wir aufstehen, geht der Mist auf der Bühne weiter“, lästert Strack-Zimmermann.
Der Schwung für die FDP soll nicht nur aus Kabaretteinlagen kommen, Parteichef Dürr hat seine Premiere und auch die neue Generalsekretärin Nicole Büttner, die ihren Posten bereits im Mai übernommen hat. In der FDP begannen manche, unruhig zu werden. Dürr und Büttner blieben zu blass, hieß es. „Die FDP muss lauter und deutlicher werden“, sagte Vizeparteichef Henning Höne, Vorsitzender des Landesverbands Nordrhein-Westfalen.
Hinter Generalsekretärin Büttner, einer IT-Unternehmerin, verblasst ein Wortteppich aus Negativbegriffen von „Populismusdruck“ bis „Koordinationsdefizite“ und wird ersetzt durch einen Wolkenhimmel in rot-blauen Pastellfarben. „Denken wir uns frei“, steht darauf.
So sieht er aus, der Neustart der FDP-Spitze. Und dazu gehört, dass Parteichef Dürr das Programm nicht aus der ersten, sondern aus der achten Reihe verfolgt. Mittendrin in der Partei, so will er wahrgenommen werden, eine symbolische Abgrenzung von seinem Vorgänger Christian Lindner, der die Partei quasi als Ein-Mann-Betrieb führte.
Die FDP ruft Dürr zur Reformpartei aus. „Die Freien Demokraten sind nicht mehr Teil des Status-quo-Lagers – sie wollen den Aufbruch für Deutschland durchsetzen.“ Aufbruch und Aufschwung, das wollen auch andere Parteien gerne, auch die regierenden SPD und Union. Dürr sagt, es brauche „Mut, Deutschland neu zu denken“ und „Dinge radikal anders zu machen“.
Seine Vorschläge: die staatliche Finanzierung für Grundschulen verdoppeln. Menschen aus allen Ländern ohne Berufsanerkennungsverfahren einreisen lassen, wenn sie einen Arbeitsvertrag vorweisen, der ihnen ein Leben ohne staatliche Unterstützung ermöglicht.
Und in der nächsten Wahlperiode alle Gesetze, die seit dem Jahr 2000 verabschiedet wurden, auslaufen lassen – die Regierung solle dann nur die neu beschließen, die es wirklich brauche.
„Wir stehen für einen radikalen Aufbruch“, wiederholt Dürr. Den Begriff der „radikalen Mitte“ aus seinem Strategiepapier erwähnt er nicht, vielleicht hat Strack-Zimmermann zu sehr gespottet.
Frankfurter Rundschau 7.1.2026
Still ist es geworden um die FDP. Eine Partei, die früher durch ihre laut plärrenden Vorsitzenden auf sich aufmerksam machte.
In der Zeitung eines früheren Wohnort wird sie jede Woche mindestens einmal erwähnt. Besser gesagt, sie erwähnt ich selbst. Regelmäßig die ansässigen Firmen aufsuchen, sich nach deren Situation erkunden, ein Bildchen machen und fertig ist die Pressemitteilung. Es stehen ja Kommunalwahlen an.
Aber dieses Dreikönigstreffen? Das klang wie Karneval und Grabgesang gleichzeitig.
Was da zu hören war klang nach der Satirepartei und nach der AfD.
Deutschland neu denken – Dinge radikal anders machen – radikaler Aufbruch usw.
Aber was? Solch Wischi-Waschi predigen die anderen auch.
Lustig ist die Idee, alle Gesetze, die seit dem Jahr 2000 verabschiedet wurden, auslaufen zu lassen und nur noch solche verabschieden, die gebraucht werden.
Die wer braucht? Da könnte es Ärger mit dem Söder geben. Denn mit irgendwas will der sich ja vom Aiwanger unterscheiden.
Ich befürchte, so wird das nix mit der FDP. Die Reichen pampern machen andere auch.
Beim Dreikönigstreffen beschwört die FDP den radikalen Neustart
Eine Liane wäre vielleicht eine gute Idee gewesen, sagt Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie hätte sich daran gemeinsam mit Wolfgang Kubicki quer über den Publikumsraum schwingen können im Stuttgarter Staatstheater, von Loge zu Loge über den Deligierten beim Dreikönigstreff der Partei. „In die Tagesschau wären wir gekommen – und zwar radikal“, sagt die FDP-Europapolitikerin.
Die Lage ist schwierig für die FDP. Seit der Bundestagswahl im Februar sitzt sie nicht mehr im Parlament. Die Umfragewerte sind seither nicht besser geworden, die öffentliche Aufmerksamkeit geringer. Auf dem Landesparteitag der Baden-Württemberg-FDP hat ein Delegierter am Vorabend gewarnt, bei einer Niederlage auch bei der Landtagswahl im Ländle im März sei „die Geschichte dieser FDP vorbei“. Alles etwas trostlos also.
Die FDP-Führung hat in einem Strategiepapier, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt, festgehalten, was sie für nötig hält, um aus dieser Krise zu kommen: „Es muss klarer sichtbar werden: Die FDP macht einen Neustart!“, heißt es darin.
Aber zunächst können vielleicht auch Selbstironie und Lachen helfen. Und so geben die Europapolitikerin und der Vizeparteichef eine Einlage, die stark an Waldorf und Statler erinnern, die beiden lästernden Alten aus der „Muppet Show“. Strack-Zimmermann bescheinigt Kubicki Witze, die „immer ein bisschen alt und abgestanden“ seien, und spottet über den Begriff „radikale Mitte“, den der neue Parteichef Christian Dürr der FDP in dem Strategiepapier als Motto verordnet hat. Kubicki versichert, er werde für den Erfolg der FDP notfalls „alle Weinkeller in Deutschland aussaufen“.
Die FDP-Anhänger im Saal applaudieren und jubeln. Sie haben da schon mehrere Reden gehört. „Wenn wir aufstehen, geht der Mist auf der Bühne weiter“, lästert Strack-Zimmermann.
Der Schwung für die FDP soll nicht nur aus Kabaretteinlagen kommen, Parteichef Dürr hat seine Premiere und auch die neue Generalsekretärin Nicole Büttner, die ihren Posten bereits im Mai übernommen hat. In der FDP begannen manche, unruhig zu werden. Dürr und Büttner blieben zu blass, hieß es. „Die FDP muss lauter und deutlicher werden“, sagte Vizeparteichef Henning Höne, Vorsitzender des Landesverbands Nordrhein-Westfalen.
Hinter Generalsekretärin Büttner, einer IT-Unternehmerin, verblasst ein Wortteppich aus Negativbegriffen von „Populismusdruck“ bis „Koordinationsdefizite“ und wird ersetzt durch einen Wolkenhimmel in rot-blauen Pastellfarben. „Denken wir uns frei“, steht darauf.
So sieht er aus, der Neustart der FDP-Spitze. Und dazu gehört, dass Parteichef Dürr das Programm nicht aus der ersten, sondern aus der achten Reihe verfolgt. Mittendrin in der Partei, so will er wahrgenommen werden, eine symbolische Abgrenzung von seinem Vorgänger Christian Lindner, der die Partei quasi als Ein-Mann-Betrieb führte.
Die FDP ruft Dürr zur Reformpartei aus. „Die Freien Demokraten sind nicht mehr Teil des Status-quo-Lagers – sie wollen den Aufbruch für Deutschland durchsetzen.“ Aufbruch und Aufschwung, das wollen auch andere Parteien gerne, auch die regierenden SPD und Union. Dürr sagt, es brauche „Mut, Deutschland neu zu denken“ und „Dinge radikal anders zu machen“.
Seine Vorschläge: die staatliche Finanzierung für Grundschulen verdoppeln. Menschen aus allen Ländern ohne Berufsanerkennungsverfahren einreisen lassen, wenn sie einen Arbeitsvertrag vorweisen, der ihnen ein Leben ohne staatliche Unterstützung ermöglicht.
Und in der nächsten Wahlperiode alle Gesetze, die seit dem Jahr 2000 verabschiedet wurden, auslaufen lassen – die Regierung solle dann nur die neu beschließen, die es wirklich brauche.
„Wir stehen für einen radikalen Aufbruch“, wiederholt Dürr. Den Begriff der „radikalen Mitte“ aus seinem Strategiepapier erwähnt er nicht, vielleicht hat Strack-Zimmermann zu sehr gespottet.
Frankfurter Rundschau 7.1.2026
Still ist es geworden um die FDP. Eine Partei, die früher durch ihre laut plärrenden Vorsitzenden auf sich aufmerksam machte.
In der Zeitung eines früheren Wohnort wird sie jede Woche mindestens einmal erwähnt. Besser gesagt, sie erwähnt ich selbst. Regelmäßig die ansässigen Firmen aufsuchen, sich nach deren Situation erkunden, ein Bildchen machen und fertig ist die Pressemitteilung. Es stehen ja Kommunalwahlen an.
Aber dieses Dreikönigstreffen? Das klang wie Karneval und Grabgesang gleichzeitig.
Was da zu hören war klang nach der Satirepartei und nach der AfD.
Deutschland neu denken – Dinge radikal anders machen – radikaler Aufbruch usw.
Aber was? Solch Wischi-Waschi predigen die anderen auch.
Lustig ist die Idee, alle Gesetze, die seit dem Jahr 2000 verabschiedet wurden, auslaufen zu lassen und nur noch solche verabschieden, die gebraucht werden.
Die wer braucht? Da könnte es Ärger mit dem Söder geben. Denn mit irgendwas will der sich ja vom Aiwanger unterscheiden.
Ich befürchte, so wird das nix mit der FDP. Die Reichen pampern machen andere auch.