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Neue Töne aus Berlin?

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 04.06.2025, 21:24

"Außenminister Johann Wadephul hat der „Süddeutschen Zeitung“ ein Interview gegeben. ( leider mit Bezahlschranke)

Bezüglich der Ukraine meinte der Christdemokrat, ein militärischer Sieg könne kaum das Ziel bilden.
„Aus meiner Sicht war von Anfang an klar, dass dieser Krieg höchstwahrscheinlich durch eine Verhandlungslösung beendet werden wird“,
erklärte er. Denn eines stimme schon: „Dass eine komplette Niederlage im Sinne einer Kapitulation des atomar bewaffneten Russland nicht erwartet werden konnte. Insofern haben wir uns jetzt ein wenig ehrlicher gemacht.“

Wie bitte? Verhandlungen als logischer Schritt?
Jetzt doch kein russischer Rückzug, kein Sturz Wladimir Putins, kein Ruinieren seines Landes mehr?
Das überrascht:
Auf solche Sätze vor zwei Jahren wäre scharfer Protest gefolgt.

Recht hat J. Wadephul:
Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland sind wünschenswert. Sie können zu einem Ende des Krieges und des Sterbens nach dem russischen Angriff führen.

Noch ein anderer setzt auf Verhandlungen:
Auf besondere Begeisterung stießen Donald Trumps diesbezügliche Bemühungen in Brüssel und Berlin zuletzt nicht.

Kiew soll entscheiden, wer sonst...

Sich so zu äußern, war lange verpönt. Der Minister sagt selbst indirekt: jetzt sei man ehrlicher – vorher nicht.

Über den verstorbenen Papst Franziskus fiel man her, als er anmerkte, dass es Mut verlangen würde zu verhandeln, und er sich angesichts der militärischen Lage wünschte, dass die Kriegsparteien diesen aufbrächten.
Was mussten er und andere sich anhören?

* Russland breche das Völkerrecht – daher gebe es keine Grundlage für Verhandlungen.
* Russland wolle die gesamte Ukraine erobern und dazu das halbe Nato-Gebiet – Verhandlungen würden es darin nur bestärken.
* Russische Truppen ständen übermorgen vor Berlin.
* Russland habe schon die Minsker Verträge gebrochen – es werde sich auch an neue Vereinbarungen nicht halten.
Russland müsse sich bedingungslos zurückziehen – dies bedeutete im Klartext, Verhandlungen seinerseits abzulehnen.
* Russland würde diesen Krieg verlieren – und eigentlich sei man ja auch selbst im Krieg und brauche Zeit zur Aufrüstung.

Und jetzt kommt J. Wadephul und sagt durch die Blume, das sei nicht so gemeint gewesen?
Man (?) hat mindestens sich selbst - aber auch die Menschen in Deutschland getäuscht.
Gleichzeitig, während wenigstens er es die ganze Zeit über besser gewusst haben will, hat man Andersdenkende diffamiert.


Wieder einmal war es Armin Laschet, der mit seinem Sinn für Zwischentöne dem Parteifreund die Räumung martialischer Maximalposition nicht kommentarlos durchgehen ließ.
Wenn inzwischen auch die Bundesregierung meine, dass der Krieg nur durch eine Verhandlungslösung zu beenden sei, „sollten Politik und Medien für die Zukunft differenzierte Meinungen, Stellungnahmen und Diskussionsbeiträge nicht reflexartig als
- von fremden Mächten gesteuert - diskreditieren“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages.
„Wir brauchen eine neue außenpolitische Diskussionskultur, die Meinungsunterschiede aushält“,
erinnerte Armin Laschet an die Ächtung von Gesprächspartnern, die die Position des Ministers bereits in der Vergangenheit öffentlich vertraten.

Auch der Sicherheitsexperte Peter R. Neumann wunderte sich. „Wadephul hat recht“, merkte der international geachtete Professor an. Aber: „Wer als Ukraine-Unterstützer bereits vor zwei Jahren so argumentiert hat, fand kaum Gehör und wurde – wenn überhaupt – als ,Verräter’ oder ,Appeaser’ beschimpft.“


Spätestens JETZT ahnt der interessierte Bürger, dass außer der Linkspartei und dem letzten Papst auch der neue Außenminister Ihre Position eigentlich schon immer geteilt haben will.
Der Krieg muss enden – durch Gespräche, wie denn sonst.
Vielleicht erinnert sich bei der nächsten heißen Debatte jemand daran, was Laschet anmerkte."

Aus einer Kolumne von Burkhard Ewert ,
erscheint am 05.Juni in der noz

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