Der israelische Angriff auf das katarische Doha wird sich bitter rächen.
Die israelische Luftwaffe zeichnete sich lange dadurch aus, nicht nur im Selbstverständnis des jüdischen Staates seine elitärste Gruppe zu sein, sondern das auch aus gutem Grund: Kheil HaAvir machte keine Fehler. Seit Gründung des Staates Israel 1948 nicht. Selbst in den dunkelsten Momenten wie im Yom-Kippur-Krieg 1973, als die Piloten in ihren nuklear bestückten Jets saßen, bereit für ein Armageddon in Nahost, blieben sie cool – und taten nichts. Nun aber haben sie eine Order der zivilen Gewalt befolgt, die sich als Fehler – Bitte um Verzeihung wegen des Klischees – biblischen Ausmaßes erweist: die Bombardierung der katarischen Hauptstadt Doha, um sich vorgeblich an dort weilenden Terroristen der Hamas zu rächen.
Niemand, der oder die trotz der schon traditionellen Irrungen und Wirrungen des Nahost-Konflikts sich noch bei Sinnen glaubt, kann diesen grotesken Unsinn aus Jerusalem ernst nehmen. Wenn nicht aus purer Selbstüberschätzung, so hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Angriff nur deshalb befohlen, weil er und seine rechtsradikalen Koalitionspartner ausschließlich im Notstand des Krieges reüssieren können.
Das ist keine bestreitbare Meinung, sondern historische Konsequenz: Faschismus kann sich ausschließlich dank externer Extremsituationen durchsetzen, seien es erfundene wie beispielsweise die „Flüchtlingskrise“ in Europa oder faktische wie der genozidale Vernichtungswille gegenüber Israel (der lange vor dem massenmörderischen Tun von Netanjahu, Ben Gvir, Smotritsch & Co. da war). Im Frieden hätte das säkulare Israel diese Leute längst weggeschlossen.
Wer sich an die Zeit vor dem 7. Oktober 2023 erinnern kann: Damals führte die rechtsreligiöse Regierung Israels Krieg gegen das eigene Volk: Sie wollte den als säkulares sozialistisches Experiment begonnenen Staat mit legalistischen Mitteln und Polizeigewalt zur Theokratie umbauen. Die Bewegung der Geiselangehörigen von heute nahm ihren Anfang damals in der Demokratiebewegung. Aber das ist ja alles scheinbar passé. Und seit Mittwochfrüh ist es das wohl auch wirklich: Nun haben Netanjahu und die Seinen den einen verlässlich neutralen Ort auf dem ganzen großen Schlachtfeld zwischen Tunis, Sanaa, Teheran und Ankara zum für sie legitimen Angriffsziel erklärt. Das wird sich noch rächen über kurz oder lang.
Während Premierminister Netanjahu aus Selbstsucht und Machtgier Israel Stück um Stück zerstört, kann die Hamas sich zurücklehnen, einmal mehr sicher, entgegen der Realität als engelsgleiche Opfer dazustehen. Möglicherweise wird weiter verhandelt, aber dann wird der bisherige Vermittler Katar mit einem Bein im Anti-Israel-Lager stehen müssen – schon um des innenpolitischen Friedens willen. Denn irgendwo in Doha werden sich ein paar perspektivlose junge Männer finden für den nächsten „Islamischen Staat“ oder die nächste Al-Kaida. Menschen werden dann sterben, aber Extremisten wie Netanjahu werden gewinnen. Wie immer in Nahost.
Frankfurter Rundschau, 11.9.2025
Eigentlich könnte man es so sagen: Israel hat auf den Beratungsort Bomben regnen lassen, der ihm gefährlich hätte werden können. Denn für Frieden, Waffenstillstand und ähnliches Zeug ist in seinem Einflussgebiet kein Platz.
Knüppelt darum die deutsche Polizei auf Pro-Palästina-Demonstrationen ein weil Angst besteht, dass es israelische Bomben darauf regnen könnte?
Dazu passt, dass die EU-Kommission Israel den Geldhahn zudrehen will, was die CDU toben lässt. Selbstverständlich will dem Deutschland nicht zustimmen.
Auch hat Netanjahu Katar zur Ausweisung von Anführern der Hamas aufgerufen. Passiert sonst etwas? Was?
Mit jedem Tag könnte die Zahl der Feinde Israels wachsen.
Der israelische Angriff auf das katarische Doha wird sich bitter rächen.
Die israelische Luftwaffe zeichnete sich lange dadurch aus, nicht nur im Selbstverständnis des jüdischen Staates seine elitärste Gruppe zu sein, sondern das auch aus gutem Grund: Kheil HaAvir machte keine Fehler. Seit Gründung des Staates Israel 1948 nicht. Selbst in den dunkelsten Momenten wie im Yom-Kippur-Krieg 1973, als die Piloten in ihren nuklear bestückten Jets saßen, bereit für ein Armageddon in Nahost, blieben sie cool – und taten nichts. Nun aber haben sie eine Order der zivilen Gewalt befolgt, die sich als Fehler – Bitte um Verzeihung wegen des Klischees – biblischen Ausmaßes erweist: die Bombardierung der katarischen Hauptstadt Doha, um sich vorgeblich an dort weilenden Terroristen der Hamas zu rächen.
Niemand, der oder die trotz der schon traditionellen Irrungen und Wirrungen des Nahost-Konflikts sich noch bei Sinnen glaubt, kann diesen grotesken Unsinn aus Jerusalem ernst nehmen. Wenn nicht aus purer Selbstüberschätzung, so hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Angriff nur deshalb befohlen, weil er und seine rechtsradikalen Koalitionspartner ausschließlich im Notstand des Krieges reüssieren können.
Das ist keine bestreitbare Meinung, sondern historische Konsequenz: Faschismus kann sich ausschließlich dank externer Extremsituationen durchsetzen, seien es erfundene wie beispielsweise die „Flüchtlingskrise“ in Europa oder faktische wie der genozidale Vernichtungswille gegenüber Israel (der lange vor dem massenmörderischen Tun von Netanjahu, Ben Gvir, Smotritsch & Co. da war). Im Frieden hätte das säkulare Israel diese Leute längst weggeschlossen.
Wer sich an die Zeit vor dem 7. Oktober 2023 erinnern kann: Damals führte die rechtsreligiöse Regierung Israels Krieg gegen das eigene Volk: Sie wollte den als säkulares sozialistisches Experiment begonnenen Staat mit legalistischen Mitteln und Polizeigewalt zur Theokratie umbauen. Die Bewegung der Geiselangehörigen von heute nahm ihren Anfang damals in der Demokratiebewegung. Aber das ist ja alles scheinbar passé. Und seit Mittwochfrüh ist es das wohl auch wirklich: Nun haben Netanjahu und die Seinen den einen verlässlich neutralen Ort auf dem ganzen großen Schlachtfeld zwischen Tunis, Sanaa, Teheran und Ankara zum für sie legitimen Angriffsziel erklärt. Das wird sich noch rächen über kurz oder lang.
Während Premierminister Netanjahu aus Selbstsucht und Machtgier Israel Stück um Stück zerstört, kann die Hamas sich zurücklehnen, einmal mehr sicher, entgegen der Realität als engelsgleiche Opfer dazustehen. Möglicherweise wird weiter verhandelt, aber dann wird der bisherige Vermittler Katar mit einem Bein im Anti-Israel-Lager stehen müssen – schon um des innenpolitischen Friedens willen. Denn irgendwo in Doha werden sich ein paar perspektivlose junge Männer finden für den nächsten „Islamischen Staat“ oder die nächste Al-Kaida. Menschen werden dann sterben, aber Extremisten wie Netanjahu werden gewinnen. Wie immer in Nahost.
Frankfurter Rundschau, 11.9.2025
Eigentlich könnte man es so sagen: Israel hat auf den Beratungsort Bomben regnen lassen, der ihm gefährlich hätte werden können. Denn für Frieden, Waffenstillstand und ähnliches Zeug ist in seinem Einflussgebiet kein Platz.
Knüppelt darum die deutsche Polizei auf Pro-Palästina-Demonstrationen ein weil Angst besteht, dass es israelische Bomben darauf regnen könnte?
Dazu passt, dass die EU-Kommission Israel den Geldhahn zudrehen will, was die CDU toben lässt. Selbstverständlich will dem Deutschland nicht zustimmen.
Auch hat Netanjahu Katar zur Ausweisung von Anführern der Hamas aufgerufen. Passiert sonst etwas? Was?
Mit jedem Tag könnte die Zahl der Feinde Israels wachsen.