In Polen kippt die Stimmung gegenüber den Geflohenen aus der Ukraine. Einst bereitwillig aufgenommen, wollen viele sie jetzt loswerden
»Es war nur eine Randbemerkung im Frühstücksfernsehen des rechten Senders TV Republika am Freitag morgen. Aber sie war charakteristisch. Eigentlich ging es in dem Studiogespräch um ein umstrittenes Gerichtsurteil: Das Appellationsgericht in Poznań hatte die Verurteilung eines Mannes, der seine Frau und zwei gemeinsame Kinder ermordet hatte, aufgehoben, weil ein sogenannter Neorichter – also einer, der sein Amt der PiS-Regierung verdankt – das Urteil gefällt hatte. Deshalb sei die Verurteilung des Mörders zu lebenslanger Haft unwirksam, sagte die Berufungsinstanz; aber anders als der rechte Sender insinuierte, wurde der mutmaßliche Täter nicht freigelassen, sondern sitzt weiter in U-Haft. Das Verfahren wird neu aufgerollt. Bei TV Republika aber konnte sich der Moderator in einem Schwall von Klagen darüber, dass es unter der Tusk-Regierung in Polen drunter und drüber gehe, den Spruch nicht verkneifen, dass »Ukrainer jetzt in Polen offenbar machen können, was sie wollen«. Denn der Angeklagte Serhij K. gehört zu den etwa 1,5 Millionen Ukrainern, die teils seit Jahren, überwiegend aber seit Kriegsbeginn in Polen leben.
Deren Beitrag zum Funktionieren im Alltag ist knapp vier Jahre nach Kriegsbeginn nicht zu übersehen: In den Supermärkten, wo die Mitarbeiterinnen Namensschilder tragen, sind neben die »Katarzynas« die »Katerynas«, neben die »Irenas« die »Irynas« getreten. Manchmal hört man noch einen Akzent, wenn sie an der Kasse den Rechnungsbetrag nennen, oft auch nicht mehr. Ein im Auftrag der UNO erstellter Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte kam zu dem Ergebnis, dass von den Geflohenen aus der Ukraine 69 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt seien – wenn auch sehr oft unterhalb ihrer formalen Qualifikationen –, gegenüber 75 Prozent bei den »Biopolen«. 2024, schreibt der Wirtschaftsprüfer, hätten Menschen aus der Ukraine 2,7 Prozent des polnischen Sozialprodukts erwirtschaftet..........«
In Polen kippt die Stimmung. Hier wird dagegen gehalten, das der russische Überfall dicht bevorsteht.
Was passiert, wenn langsam begriffen wird, dass der nicht kommt?
Wenn aus finanziellen Gründen die Europäer die Ukraine fallen lassen?
Dann werden vermutlich auch die Ukrainer zu störenden Ausländern, die raus müssen.
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In Polen kippt die Stimmung gegenüber den Geflohenen aus der Ukraine. Einst bereitwillig aufgenommen, wollen viele sie jetzt loswerden
»Es war nur eine Randbemerkung im Frühstücksfernsehen des rechten Senders TV Republika am Freitag morgen. Aber sie war charakteristisch. Eigentlich ging es in dem Studiogespräch um ein umstrittenes Gerichtsurteil: Das Appellationsgericht in Poznań hatte die Verurteilung eines Mannes, der seine Frau und zwei gemeinsame Kinder ermordet hatte, aufgehoben, weil ein sogenannter Neorichter – also einer, der sein Amt der PiS-Regierung verdankt – das Urteil gefällt hatte. Deshalb sei die Verurteilung des Mörders zu lebenslanger Haft unwirksam, sagte die Berufungsinstanz; aber anders als der rechte Sender insinuierte, wurde der mutmaßliche Täter nicht freigelassen, sondern sitzt weiter in U-Haft. Das Verfahren wird neu aufgerollt. Bei TV Republika aber konnte sich der Moderator in einem Schwall von Klagen darüber, dass es unter der Tusk-Regierung in Polen drunter und drüber gehe, den Spruch nicht verkneifen, dass »Ukrainer jetzt in Polen offenbar machen können, was sie wollen«. Denn der Angeklagte Serhij K. gehört zu den etwa 1,5 Millionen Ukrainern, die teils seit Jahren, überwiegend aber seit Kriegsbeginn in Polen leben.
Deren Beitrag zum Funktionieren im Alltag ist knapp vier Jahre nach Kriegsbeginn nicht zu übersehen: In den Supermärkten, wo die Mitarbeiterinnen Namensschilder tragen, sind neben die »Katarzynas« die »Katerynas«, neben die »Irenas« die »Irynas« getreten. Manchmal hört man noch einen Akzent, wenn sie an der Kasse den Rechnungsbetrag nennen, oft auch nicht mehr. Ein im Auftrag der UNO erstellter Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte kam zu dem Ergebnis, dass von den Geflohenen aus der Ukraine 69 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt seien – wenn auch sehr oft unterhalb ihrer formalen Qualifikationen –, gegenüber 75 Prozent bei den »Biopolen«. 2024, schreibt der Wirtschaftsprüfer, hätten Menschen aus der Ukraine 2,7 Prozent des polnischen Sozialprodukts erwirtschaftet..........«
In Polen kippt die Stimmung. Hier wird dagegen gehalten, das der russische Überfall dicht bevorsteht.
Was passiert, wenn langsam begriffen wird, dass der nicht kommt?
Wenn aus finanziellen Gründen die Europäer die Ukraine fallen lassen?
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