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Nazis, Nazis, überall Nazis ?

Von Feierabend-Mitglied Dienstag 28.07.2026, 12:58

SO stellt es eine Handvoll SchreiberInnen im Politikforum dar.

Die Kommentatorin in meiner Tageszeitung hat eine differenzierte Meinung, welcher ich mich anschließe:

" Die Debatte um Danger Dans neuen Song „Keine Angst“ ist wichtig. Natürlich muss darüber gestritten werden, ob ein Lied provozieren oder Gewaltfantasien formulieren darf. Genau dafür gibt es die Kunstfreiheit. Genau dafür gibt es öffentliche Debatten.
Doch während über einen Song diskutiert wird, läuft daneben etwas aus dem Ruder. Sprache verliert ihren Maßstab. Unsere Gesellschaft lernt Menschen heute nicht mehr kennen.
Sie etikettiert sie.
Ein Tweet. Ein Witz. Ein Like. Reicht doch. Und schon ist der Nachbar ein Nazi.
Das Problem ist nicht, dass Rechtsextremismus klar benannt wird. Das muss er. Das Problem ist, dass der Begriff „Nazi“ immer leichtsinniger verteilt wird. Dabei ist er einer der schwersten politischen Vorwürfe, den unsere Geschichte kennt. Dadurch verschwimmt eine Grenze, die nie verschwimmen darf.
Rechts ist nicht gleich nationalsozialistisch. Zwischen beidem liegt eine entscheidende Grenze:
die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Ein Nazi ist ein Extremist. Jemand, der rassistische Ideologien vertritt und die Verbrechen des Nationalsozialismus verherrlicht oder relativiert.
Rechte Positionen muss eine Demokratie aushalten.
Nazis hingegen nicht. Gegen sie muss ein Rechtsstaat mit aller Konsequenz vorgehen.
Wer sie verharmlost, macht sich mitschuldig.
Aber gerade deshalb darf der Begriff „Nazi“ nicht zur Allzweckwaffe werden. Wer aus jedem Rechten einen Nazi macht, macht den Begriff beliebig. Und was beliebig ist, verliert die Schärfe, die es braucht. Dabei geht es nicht darum, Nazis vor dem Nazi-Vorwurf zu schützen. Sondern den Begriff vor seiner Entwertung.
Klar, wer jeden politischen Gegner zum Nazi erklärt, spart sich die Auseinandersetzung. Wer Menschen vorschnell abstempelt, muss ihnen nicht mehr zuhören. Das mag kurzfristig befriedigend sein. Demokratisch ist es nicht.
Wann ist es eigentlich normal geworden, über Menschen zu urteilen, die man nur vom Sehen kennt?
Mal darüber nachgedacht, falsch zu liegen? Nicht jeder AfD-Wähler ist ein Nazi. Nicht jeder Polizist oder Bundeswehrsoldat ist ein Nazi. Nicht jeder Nachbar, der einen dummen Witz über Ausländer macht, ist ein Nazi.

Worte verlieren ihre Kraft, wenn sie inflationär benutzt werden. Denn wenn irgendwann jeder Nazi ist, ist am Ende keiner mehr einer.

Quelle:
Titelseite noz
23. Juli, Carlotta Vorbrüggen

P.S.
Mann/frau könnte vermuten, Frau Vorbrüggen liest hier mit...

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