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NATO? Wie lange noch?

Von Harvey11 25.01.2026, 13:20

Macron hat es geahnt
Der Westen bekämpft sich gegenseitig. Damit steht auch die NATO als eine seiner wichtigsten Institutionen zur Disposition.

Lässt sich ein Offenbarungseid so gar nicht vermeiden, sollte man ihn halt leisten. Acht NATO-Staaten erlagen der Versuchung, dies zu tun, und schickten eine militärische Erkundungsmission im Miniaturformat nach Grönland. Was als Statement zugunsten Dänemarks gedacht war, geriet zum Understatement. Doch statt den US-Präsidenten zu amüsieren und in dem Eindruck zu bestärken, dass es niemand wirklich mit ihm aufnehmen will, hat das Unternehmen Donald Trump erzürnt.
Warum nur wurde nicht – um zu zeigen, dass unbedarfte Harmlosigkeit einen Ausflug machte – die Olsenbande nach Grönland entsandt? Heben Egon, Benny und Kjeld Olsen kokett den Zeigefinger und sagen, bis hierhin und nicht weiter, glaubt an ihnen sofort, dass sie sich einen Jux machen, und den Amerikanern nichts Böses wollen. Beiden tatsächlichen „Erkundungsmissionaren“ verhielt es sich im Prinzip genauso, nur kam bei ihnen die Gewissheit hinzu, dass sie den Amerikanern auch nichts Böses können, wenn die sich Grönland holen. Aber so zu tun, als wäre es anders, das hat Donald Trump umgehend die Zollwaffe ziehen lassen.
Damit wird der Streit zum Schlamassel. Die NATO wirkt plötzlich ebenfalls wie ein Jux oder Bluff, gespalten in Verteidiger und Eroberer Grönlands, die einen kleinmütig, die anderen großmächtig. Mehr noch, das Kernversprechen einer kollektiven Verteidigungsgarantie steht zur Disposition, wenn ein NATO-Staat einen anderen NATO-Staat um ein großes Territorium erleichtern darf. Ein Militärpakt, der sich dem Ziel verschrieben hat, Bedrohungen abzuwenden, aber durch seine Führungsnation zur Bedrohung für die Mitglieder wird, hat seinen Sinn verloren.
„Einer für alle, und alle für einen, sonst sind wir erledigt“, hat gerade der polnische Premierminister Donald Tusk verkündet. Seine Botschaft: Wer sich selbst demontiert, der der kann Gegner oder Feinde nicht mehr schrecken. Die Konsequenzen liegen auf der Hand. Da Russland auf dem Sprung nach Europa ist, wie besonders deutsche Politiker unablässig versichern, müsste es nun bald springen, die Gunst der Stunde gewiss. Wird es aber nicht, was dieselben Politiker genauso gut wissen. Wladimir Putin ist weder irrsinnig noch suizidaler Neigungen verdächtig. Dass er die Ukraine 2022 angegriffen hat geschah – unter anderem – in dem Bewusstsein, dass auch das Gros der NATO-Politiker nicht selbstmörderisch veranlagt ist und den großen Crash besser meidet. Statt eines Militärbündnisses und seine Abschreckungsqualitäten ist dafür allerdings die Gefahr einer atomaren Konfrontation ausschlaggebend.
Bleibt Donald Trump dabei, Grönland nicht nur als stets ausbaufähigen US-Stützpunkt zu übernehmen, sondern als US-Hoheitsgebiet, wird die NATO danach eine andere sein. Bündnisse im Bündnis zeichnen sich ab, um auseinanderdriftenden Interessen Rechnung zu tragen. Wird aus der westlichen Allianz eine multipolare Assoziation nach dem Muster der APEC- oder BRICS-Gruppe? Käme es so weit, wäre nicht mehr jeder jedem verpflichtet, sondern dem Geist der neuen US-Sicherheitsstrategie Genüge getan, nach der sich jeder Staat sich selbst der Nächste ist und entsprechend handeln darf, wenn er die Macht dazu hat.
Der „Fall Venezuela“ spricht Bände. Die knie- bis beifälligen Reaktionen in Europa auf die US-Aggression gegen das südamerikanische Land deuten darauf hin, mit dieser Machtversessenheit durchaus leben zu können. Vorausgesetzt, sie trifft „die Richtigen“. Man kann sich gut vorstellen, wie der deutsche Kanzler reagiert, sollte es Donald Trump einfallen, erneut den Iran anzugreifen. Sicher würde die Vokabel „Drecksarbeit“ diesmal vermieden, aber kein Anstoß daran genommen, dass ein „verbrecherisches Regime“ zur Räson, vielleiht sogar zur Strecke gebracht wird.
Zudem böte sich eine Gelegenheit, den Amerikanern gefällig zu sein, wir kurz vor dem Ukraine-Krieg, als die Biden-Administration jeden Kompromiss mit Russland verwarf. Bisher hat eine weitgehend geschlossen handelnde NATO die Folgen dieser Selbstüberschätzung aufgefangen. Nun aber signalisiert der Umgang mit Grönland der Ukraine und ihren willigen Koalitionären, dass es damit vorbei sein wird.
Es ist insofern nur gerecht, wenn die der NATO lange so treu ergebenen Europäer fassungslos und schockiert hinnehmen müssen, dass sie der Albtraum quält, ohne Vormund dazustehen. Einer imperialen Logik folgend, hatte sich die NATO nach 1990 nicht aufgelöst, sondern mit ihrer Out-of-Area-Doktrin zum globalen Hegemon erklärt, der keine ebenbürtigen Gegner mehr hat. Das ging schon in Afghanistan schief, darunter leidet Libyen bis heute – es wird zum Verhängnis, wenn mit Donald Trump kein ebenbürtiger, sondern überlegener Gegenspieler auftaucht und es wissen will.
Emmanuel Macron attestierte der NATO Ende 2019, „hirntot“, sprich: nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Die geht nun ungerührt über sie hinweg.
der Freitag, 22.1.2026

Die Zeit der NATO ist vorüber. Waren die USA der Kitt, der sie zusammen hielt, so machen die jetzt ihr eigenes Ding.
Trump will die NATO nicht zerstören. Aber er tut es.
Und unsere Medien überspielen das noch. Die dänische Premierministerin Frederiksen wird für ihre Aussage: “das wäre das Ende der NATO“ spöttisch belächelt und der Aufmarsch des europäischen Fähnlein Fieselschweif auf Grönland wird zum Anlass hochgejubelt, der Trump zur vorläufigen Rücknahme der Zölle der teilnehmenden Länder „gezwungen“ habe. Lächerlich

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