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Merz gegen die Frauen

Von Harvey11 25.05.2025, 11:15

Frauen arbeiten über 50 Stunden die Woche – ist das nicht genug, Herr Merz?
Ulrike Baureithel, der Freitag vom 22.5.2024
Die Deutschen arbeiten zu wenig, sagt Kanzler Friedrich Merz. Und stützt sich dabei auf durchaus fragwürdige Statistiken, die den Vergleich zu anderen europäischen Ländern aufmachen. Die Deutschen arbeiten 135 Stunden im Jahr weniger als etwa die Griechen heißt es. Die Deutschen, so der Unterton, seien faul. Wer erinnert sich noch, dass genau das den Griechen unterstellt wurde, damals, in der Eurokrise. Glücklicherweise hat ihnen dann die Troika gemeinsam mit Angela Merkel und Wolfgang Schäuble Arbeitsmoral eingeimpft. Das übernimmt heute Merz für die jüngeren Deutschen, die diese vergessen haben.
Dabei hat der Kanzler eine sehr eingeschränkte Wahrnehmung. Die Aufzucht seiner Töchter, zwei an der Zahl und schon erwachsen, wurde wohl von seiner Ehefrau, wahrscheinlich mit Hilfe bediensteten Personals bewerkstelligt, um ihm den Rücken für die Politikkarriere freizuhalten. Jede Wette, dass er, es sei denn als Student, noch nie seine Wohnung geputzt hat. Arbeit, so sieht er es, bedeutet ausschließlich Erwerbstätigkeit, die den Unternehmen Profit bringt und dem Staat Steuern.
Merz würde von wertschöpfender Arbeit sprechen, weil er den Wert der Herstellung von Arbeitskraft einfach unterschlägt. Oder meint, wenn man zwei Fünf-Stunden-Schichten am Tag schiebt, hätte man mehr Zeit für Haus und Familie oder pflegebedürftige Eltern. Natürlich mit Rücksicht auf das Unternehmen, denn um deren Zeittakt-Bedürfnisse geht es.
2022 leisteten Frauen in Deutschland 72 Milliarden Stunden unbezahlte Care-Arbeit, rund 30 Stunden pro Woche (Männer übernehmen 211 Stunden). Für Frauen in Teilzeitbeschäftigung macht das 50 Wochenarbeitsstunden oder mehr. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, warum, das Angebot, die 40-stündige Arbeitszeit einer Woche auf vier Tage zu verteilen, nach Umfragen bei der Mehrheit ganz gut ankommt. Welchen Einfluss sie darauf haben, wie die Arbeitszeit verteilt wird und welche gesundheitlichen Folgen zehn Stunden Maloche (plus Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit!) bedeutet, steht auf einem anderen Blatt.
Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die auf einen Mikrozensus basieren, belegen es: Fast die Hälfte aller Frauen arbeiten Teilzeit. Bei den Müttern sind es über zwei Drittel, 68 Prozent, und bei denjenigen, die Kinder unter drei Jahren versorgen, sogar 71 Prozent. Zwar ist die Erwerbsquote von Frauen mit Kindern leicht gestiegen, aber nicht einmal zehn Prozent der männlichen Erwerbstätigen reduzieren ihre Arbeitszeit, wenn sie Väter werden.
Diese Zahlen sind wesentlich aussagekräftiger für die Verfasstheit unserer Gesellschaft als jene, die Merz zitiert. Die geschlechtsspezifische Rollenverteilung: zementhart. Sei es, weil Männer durchschnittlich immer noch mehr verdienen, seines wegen der traditionellen Bilder im Kopf. Teilzeit bedeutet Karrierenachteile und finanzielle Anhängigkeit. Von Altersarmut aufgrund geringerer Rentenanwartschaft ganz abgesehen.
Familienministerin Karin Prien (CDU) hat gerade einen Lohnersatz für pflegende Angehörige in Aussicht gestellt, eine von Sozialverbänden lange geforderte Leistung. Sie soll allerdings von der Konjunkturlage abhängen. Was heißt: Die einen sollen mehr malochen, damit sich die anderen um ihre Angehörigen kümmern können.
So war das nicht gemeint, als die Frauenbewegung in den 1970er Jahren den Slogan „Lohn für Hausarbeit“ ausgab. Sehr umstritten, auch damals schon.
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Frauen und die Union, das war schon immer wie Feuer und Wasser. Es war bisher immer die SPD, bei der Frauen mit ihren Anliegen offene Ohren fand.
Man könnte fast meinen, dass die Union an liebsten die Frauen aus dem öffentlichen Leben verbannen will.

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