Von Novelle
Freitag 09.01.2026, 03:08 – geändert Freitag 09.01.2026, 03:18
Diese Meinung stammt von Florian Harms und wurde unter "t-online" veröffentlicht.
Ich finde sie lesenswert!
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"Es gibt in Deutschland zwei wundersame Apparate, die unaufhörlich Geld schlucken, um heiße Luft zu produzieren. Die öffentlich-rechtlichen Kolosse ARD und ZDF finanzieren sich mit einer Selbstverständlichkeit, als sei der Rundfunkbeitrag ein Naturgesetz, das irgendwo zwischen Grundgesetz und Gravitation verankert wäre. 18,36 Euro muss jeder Haushalt mittlerweile monatlich entrichten: Die Bundesrepublik leistet sich das teuerste öffentlich-rechtliche Rundfunksystem der Welt. Grund zum Stolz oder eher zur Verwunderung?
Man muss es anerkennen: Die Sender stützen die fundierte Information der Bürger im demokratischen System, ohne sie wäre die deutsche Medienlandschaft ärmer. Viele Sendungen punkten durch Tiefe und Aufwand, und das "Deutschlandradio" darf man getrost als beste Radioanstalt Europas bezeichnen. Doch was bei ARD und ZDF als Bollwerk gegen Einfalt und Propaganda begann, ist zu einem Selbstbedienungsbetrieb spätrömischen Charakters mutiert.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 1995 betrugen die Gesamteinnahmen der Öffentlich-Rechtlichen noch 5,9 Milliarden Euro. 2017 waren es schon 8,8 Milliarden – heute sind es sagenhafte 10,4 Milliarden, wie der Evangelische Pressedienst errechnet hat. Eine Steigerung um satte 76 Prozent – während der inflationsbedingte Kaufkraftverlust der Bürger im selben Zeitraum bei 40 Prozent lag. Allein die neun (!) verschiedenen ARD-Anstalten scheffeln jährlich 7,6 Milliarden Euro, und in diesem Jahr dürften die Einnahmen weiter steigen. Die Apparate wuchern, während der Treibstoff – das Vertrauen der Beitragszahler – schrumpft.
Was bekommen die Bürger für ihr Geld? Ein Überangebot an Krimiserien, das selbst hart gesottene Kommissare in den Burnout treibt. Wer durch die Programme zappt, findet auf jedem Kanal unzählige Varianten des immergleichen Plots: "Tatort" hier und "Polizeiruf" da, Krimis aus Usedom, Passau oder Bremerhaven – Hauptsache, es wird nach Herzenslust gemordet und gestorben. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich in eine Verbrecherfabrik verwandelt, in der mehr Leichen produziert werden als Nachrichten. Es wirkt ein bisschen so, als wollten sie kritische Zuschauer vom politisch korrekten Einheitsbrei ihrer Politsendungen ablenken.
Das alles wäre erträglicher, stünde es nicht im krassen Kontrast zum Wasserkopf der Anstalten. Die Sender leisten sich ein Heer aus Intendanten, Chefredakteuren, Fernsehdirektoren, Programmdirektoren und sonstigen Frühstücksdirektoren, die sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben, wenn die öffentliche Kritik am Programm doch mal hochkocht. Die Führungsetagen sind so zahlreich wie die Krimiserien und ihre Gehälter so üppig wie die Budgets, die sie verwalten. Bislang ist noch jeder ernsthafte Versuch einer Verschlankung der Apparate gescheitert. Kein Wunder in der föderalen Kleinstaaterei, in der jeder Ministerpräsident sein eigenes Mediensüppchen kocht. Im Zweifel hilft ein Verweis aufs Verfassungsgericht, um die eigene Reformunwilligkeit zu entschuldigen. Klar: Welcher Direktor stellt sich schon selbst den Stuhl vor die Tür? Die Gebühren fließen automatisch, die Selbstkritik bleibt aus. Und die Apparate laufen und laufen.
Angesichts steigender Lebenshaltungskosten kann das so nicht weitergehen. Es ist höchste Zeit, dass die Bundesländer ihrer Verantwortung nachkommen. Eine Generalreform von ARD und ZDF ist überfällig, womöglich auch ihre Zusammenlegung – mit der kosmetischen Schließung von ein, zwei Spartensendern ist es jedenfalls nicht getan. Dass es anders geht, beweist Florian Hager, der als Intendant des Hessischen Rundfunks erfolgreich spart und als ARD-Vorsitzender mit Kritikern diskutiert.
Da geht mehr. Da muss mehr. Der gesamte öffentlich-rechtliche Wasserkopf kann schrumpfen, das Pensionssystem durchgekämmt, der Programmdschungel aufs Wesentliche zusammengestrichen werden: Was ARD und ZDF liefern sollten, ist die präzise und neutrale Berichterstattung über die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen, sportlichen und gesellschaftlichen Ereignisse. Alles andere gehört in die Hände privater Medien, die sich dem fairen Wettbewerb stellen müssen.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk war einst ein Bollwerk gesellschaftlicher Aufklärung. Heute droht er an Überfettung zu ersticken. Es ist Zeit für eine Diät. Das Jahr ist noch jung, das wäre doch mal ein guter Vorsatz."
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"Es gibt in Deutschland zwei wundersame Apparate, die unaufhörlich Geld schlucken, um heiße Luft zu produzieren. Die öffentlich-rechtlichen Kolosse ARD und ZDF finanzieren sich mit einer Selbstverständlichkeit, als sei der Rundfunkbeitrag ein Naturgesetz, das irgendwo zwischen Grundgesetz und Gravitation verankert wäre. 18,36 Euro muss jeder Haushalt mittlerweile monatlich entrichten: Die Bundesrepublik leistet sich das teuerste öffentlich-rechtliche Rundfunksystem der Welt. Grund zum Stolz oder eher zur Verwunderung?
Man muss es anerkennen: Die Sender stützen die fundierte Information der Bürger im demokratischen System, ohne sie wäre die deutsche Medienlandschaft ärmer. Viele Sendungen punkten durch Tiefe und Aufwand, und das "Deutschlandradio" darf man getrost als beste Radioanstalt Europas bezeichnen. Doch was bei ARD und ZDF als Bollwerk gegen Einfalt und Propaganda begann, ist zu einem Selbstbedienungsbetrieb spätrömischen Charakters mutiert.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 1995 betrugen die Gesamteinnahmen der Öffentlich-Rechtlichen noch 5,9 Milliarden Euro. 2017 waren es schon 8,8 Milliarden – heute sind es sagenhafte 10,4 Milliarden, wie der Evangelische Pressedienst errechnet hat. Eine Steigerung um satte 76 Prozent – während der inflationsbedingte Kaufkraftverlust der Bürger im selben Zeitraum bei 40 Prozent lag. Allein die neun (!) verschiedenen ARD-Anstalten scheffeln jährlich 7,6 Milliarden Euro, und in diesem Jahr dürften die Einnahmen weiter steigen. Die Apparate wuchern, während der Treibstoff – das Vertrauen der Beitragszahler – schrumpft.
Was bekommen die Bürger für ihr Geld? Ein Überangebot an Krimiserien, das selbst hart gesottene Kommissare in den Burnout treibt. Wer durch die Programme zappt, findet auf jedem Kanal unzählige Varianten des immergleichen Plots: "Tatort" hier und "Polizeiruf" da, Krimis aus Usedom, Passau oder Bremerhaven – Hauptsache, es wird nach Herzenslust gemordet und gestorben. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich in eine Verbrecherfabrik verwandelt, in der mehr Leichen produziert werden als Nachrichten. Es wirkt ein bisschen so, als wollten sie kritische Zuschauer vom politisch korrekten Einheitsbrei ihrer Politsendungen ablenken.
Das alles wäre erträglicher, stünde es nicht im krassen Kontrast zum Wasserkopf der Anstalten. Die Sender leisten sich ein Heer aus Intendanten, Chefredakteuren, Fernsehdirektoren, Programmdirektoren und sonstigen Frühstücksdirektoren, die sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben, wenn die öffentliche Kritik am Programm doch mal hochkocht. Die Führungsetagen sind so zahlreich wie die Krimiserien und ihre Gehälter so üppig wie die Budgets, die sie verwalten. Bislang ist noch jeder ernsthafte Versuch einer Verschlankung der Apparate gescheitert. Kein Wunder in der föderalen Kleinstaaterei, in der jeder Ministerpräsident sein eigenes Mediensüppchen kocht. Im Zweifel hilft ein Verweis aufs Verfassungsgericht, um die eigene Reformunwilligkeit zu entschuldigen. Klar: Welcher Direktor stellt sich schon selbst den Stuhl vor die Tür? Die Gebühren fließen automatisch, die Selbstkritik bleibt aus. Und die Apparate laufen und laufen.
Angesichts steigender Lebenshaltungskosten kann das so nicht weitergehen. Es ist höchste Zeit, dass die Bundesländer ihrer Verantwortung nachkommen. Eine Generalreform von ARD und ZDF ist überfällig, womöglich auch ihre Zusammenlegung – mit der kosmetischen Schließung von ein, zwei Spartensendern ist es jedenfalls nicht getan. Dass es anders geht, beweist Florian Hager, der als Intendant des Hessischen Rundfunks erfolgreich spart und als ARD-Vorsitzender mit Kritikern diskutiert.
Da geht mehr. Da muss mehr. Der gesamte öffentlich-rechtliche Wasserkopf kann schrumpfen, das Pensionssystem durchgekämmt, der Programmdschungel aufs Wesentliche zusammengestrichen werden: Was ARD und ZDF liefern sollten, ist die präzise und neutrale Berichterstattung über die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen, sportlichen und gesellschaftlichen Ereignisse. Alles andere gehört in die Hände privater Medien, die sich dem fairen Wettbewerb stellen müssen.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk war einst ein Bollwerk gesellschaftlicher Aufklärung. Heute droht er an Überfettung zu ersticken. Es ist Zeit für eine Diät. Das Jahr ist noch jung, das wäre doch mal ein guter Vorsatz."