Wer von Trump weder gedemütigt noch ignoriert werden will, muss unabhängiger von den USA werden.
Andreas Schwarzkopf Frankfurter Rundschau 7.6.2025
In Zeiten der erratischen Politik von Donald Trump sollte man nicht der Versuchung erliegen, sich mit kleinen Erfolgen zufrieden zu geben. Kanzler Friedrich Merz hat zwar sein Treffen mit dem US-Präsident überstanden, ohne von seinem Gastgeber wie andere vor ihm öffentlich in den Senkel gestellt worden zu sein. Er hat auch ein Fundament gelegt für eine auskömmliche Zusammenarbeit – bis Trump es sich vielleicht anders überlegt. Doch bei den wichtigen Fragen wie dem Krieg Russlands gegen die Ukraine oder den US-Strafzöllen gab es keine Fortschritte.
Das lag wohl weniger an Merz, als vielmehr an Trump. Der wollte offensichtlich nicht über diese Probleme während seiner Show für seine Fans sprechen. Wichtiger als die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland ist ihm allerdings sein Streit mit seinem ehemaligen Unterstützter Elon Musk. Es ist natürlich keine Kleinigkeit, wenn einer der reichsten Männer der Welt mit dem wohl mächtigsten aneinander gerät. Die verbale Schlammschlacht könnte auch dramatische Folgen haben für Trumps Image, die nationale und internationale Raumfahrt und einiges mehr.
Doch sollte niemand übersehen, dass Trump gezeigt hat, wie wenig ihn im Grunde Europa interessiert. Sonst wäre er mit Merz die zahlreichen strittigen Punkte der transatlantischen Beziehungen angegangen. Er hätte etwa über die Strafzölle sprechen können, auch wenn die USA mit der EU verhandelt. Er hätte über die Ausgaben der Nato für die Verteidigung reden und seinen Triumph feiern können, sein proklamiertes Fünf-Prozent-Ziel für die Nato-Mitlieder durchgesetzt zu haben.
Wer nicht Gefahr laufen will, in Washington gedemütigt oder ignoriert zu werden, der muss sich unabhängiger von den USA machen. Das ist allerdings in einer globalisierten Welt leichter gesagt als getan. Und schnell wird es auch nicht gehen. Deutschland und die anderen EU-Staaten sind auf die USA angewiesen für die Sicherheit des alten Kontinents, aber auch bei der Unterstützung der Ukraine.
Die Europäer müssen deshalb weiter mehrgleisig fahren. Bis sie mit dem Aufrüstungsprogramm der Nato die eigene Sicherheit selbst organisieren können, damit sich die USA auf den Pazifik und China konzentrieren können, werden sie weiter nach Washington als selbstbewusster Bittsteller reisen müssen. In ökonomischen Fragen werden die USA Europa weiter brauchen. Schließlich haben sie einen der größten Binnenmärkte der Welt zu bieten.
Verteidigungspolitisch haben sie nicht so viel zu bieten, aber mehr als nichts. Washington braucht seine Stützpunkte in Europa nicht nur als Sprungbrett in den Nahen und fernen Osten sowie nach Afrika. Ohne die Militärbasen in Italien und Deutschland würde es ihnen auch schwerfallen, ihren Anspruch als Weltmacht aufrechtzuerhalten.
Doch für mehr Souveränität Europas müssen die politisch Verantwortlichen schneller enger zusammenarbeiten. Und bei den Verteidigungsausgaben und -fähigkeiten müssen sie allerdings erst noch beweisen, ob sie die hehren Ziele auch umsetzen können. Bei den US-Strafzöllen sind sie sich immerhin weiter einig. Bei der Unterstützung Kiews haben Deutschland und Frankreich, Großbritannien und Polen jüngst eine Initiative gestartet und damit bewiesen, dass sie nach neuen Wegen suchen, um die Herausforderungen zu bewältigen.
Deutlich besser müssen die Antworten der Europäer auf die Rechtspopulisten werden. Dieser Konflikt wird von einigen noch immer unterschätzt, obwohl er die EU und deren Werte ähnlich bedroht wie Russland und eine weitere Herausforderung neben der Politik Trumps ist. Noch haben es die Europäer selbst in der Hand, das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden.
……………………….
Unabhängiger von den USA werden? Lassen das die USA überhaupt zu?
Wenn hier Russland zum „ewigen Feind“ klärt wird, dann ist doch die logische Folge, dass die USA der „ewige Freund“ sein muss.
Wenn ich aber diese hysterischen Reaktionen sehe die bei dem Gedanken kommen, dass die USA die NATO verlassen könnte.
Noch haben es die Europäer selbst in der Hand. Gerade weil sie wissen, dass sie den USA in ihren Plänen gegen China in Europa den Rücken freihalten sollen, also Russland beschäftigen, sollten in Europa die Gedanken über eine Abnabelung reifen. Europa muss endlich erwachsen werden.
Wer von Trump weder gedemütigt noch ignoriert werden will, muss unabhängiger von den USA werden.
Andreas Schwarzkopf Frankfurter Rundschau 7.6.2025
In Zeiten der erratischen Politik von Donald Trump sollte man nicht der Versuchung erliegen, sich mit kleinen Erfolgen zufrieden zu geben. Kanzler Friedrich Merz hat zwar sein Treffen mit dem US-Präsident überstanden, ohne von seinem Gastgeber wie andere vor ihm öffentlich in den Senkel gestellt worden zu sein. Er hat auch ein Fundament gelegt für eine auskömmliche Zusammenarbeit – bis Trump es sich vielleicht anders überlegt. Doch bei den wichtigen Fragen wie dem Krieg Russlands gegen die Ukraine oder den US-Strafzöllen gab es keine Fortschritte.
Das lag wohl weniger an Merz, als vielmehr an Trump. Der wollte offensichtlich nicht über diese Probleme während seiner Show für seine Fans sprechen. Wichtiger als die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland ist ihm allerdings sein Streit mit seinem ehemaligen Unterstützter Elon Musk. Es ist natürlich keine Kleinigkeit, wenn einer der reichsten Männer der Welt mit dem wohl mächtigsten aneinander gerät. Die verbale Schlammschlacht könnte auch dramatische Folgen haben für Trumps Image, die nationale und internationale Raumfahrt und einiges mehr.
Doch sollte niemand übersehen, dass Trump gezeigt hat, wie wenig ihn im Grunde Europa interessiert. Sonst wäre er mit Merz die zahlreichen strittigen Punkte der transatlantischen Beziehungen angegangen. Er hätte etwa über die Strafzölle sprechen können, auch wenn die USA mit der EU verhandelt. Er hätte über die Ausgaben der Nato für die Verteidigung reden und seinen Triumph feiern können, sein proklamiertes Fünf-Prozent-Ziel für die Nato-Mitlieder durchgesetzt zu haben.
Wer nicht Gefahr laufen will, in Washington gedemütigt oder ignoriert zu werden, der muss sich unabhängiger von den USA machen. Das ist allerdings in einer globalisierten Welt leichter gesagt als getan. Und schnell wird es auch nicht gehen. Deutschland und die anderen EU-Staaten sind auf die USA angewiesen für die Sicherheit des alten Kontinents, aber auch bei der Unterstützung der Ukraine.
Die Europäer müssen deshalb weiter mehrgleisig fahren. Bis sie mit dem Aufrüstungsprogramm der Nato die eigene Sicherheit selbst organisieren können, damit sich die USA auf den Pazifik und China konzentrieren können, werden sie weiter nach Washington als selbstbewusster Bittsteller reisen müssen. In ökonomischen Fragen werden die USA Europa weiter brauchen. Schließlich haben sie einen der größten Binnenmärkte der Welt zu bieten.
Verteidigungspolitisch haben sie nicht so viel zu bieten, aber mehr als nichts. Washington braucht seine Stützpunkte in Europa nicht nur als Sprungbrett in den Nahen und fernen Osten sowie nach Afrika. Ohne die Militärbasen in Italien und Deutschland würde es ihnen auch schwerfallen, ihren Anspruch als Weltmacht aufrechtzuerhalten.
Doch für mehr Souveränität Europas müssen die politisch Verantwortlichen schneller enger zusammenarbeiten. Und bei den Verteidigungsausgaben und -fähigkeiten müssen sie allerdings erst noch beweisen, ob sie die hehren Ziele auch umsetzen können. Bei den US-Strafzöllen sind sie sich immerhin weiter einig. Bei der Unterstützung Kiews haben Deutschland und Frankreich, Großbritannien und Polen jüngst eine Initiative gestartet und damit bewiesen, dass sie nach neuen Wegen suchen, um die Herausforderungen zu bewältigen.
Deutlich besser müssen die Antworten der Europäer auf die Rechtspopulisten werden. Dieser Konflikt wird von einigen noch immer unterschätzt, obwohl er die EU und deren Werte ähnlich bedroht wie Russland und eine weitere Herausforderung neben der Politik Trumps ist. Noch haben es die Europäer selbst in der Hand, das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden.
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Unabhängiger von den USA werden? Lassen das die USA überhaupt zu?
Wenn hier Russland zum „ewigen Feind“ klärt wird, dann ist doch die logische Folge, dass die USA der „ewige Freund“ sein muss.
Wenn ich aber diese hysterischen Reaktionen sehe die bei dem Gedanken kommen, dass die USA die NATO verlassen könnte.
Noch haben es die Europäer selbst in der Hand. Gerade weil sie wissen, dass sie den USA in ihren Plänen gegen China in Europa den Rücken freihalten sollen, also Russland beschäftigen, sollten in Europa die Gedanken über eine Abnabelung reifen. Europa muss endlich erwachsen werden.