Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

7 5

Man darf sich etwas dabei denken

Von Harvey11 16.03.2025, 16:56 – geändert 16.03.2025, 17:15

Mannheim: Ein rechtsextremer Täter. Also verlieren die Medien das Interesse?
Von Carlos Hanke Barajas, der Freitag vom 13.3.2025
Am 3. März fuhr ein Auto in eine Menschenmenge in der Mannheimer Innenstadt. Zwei Menschen starben, elf wurden verletzt. Die Sicherheitsbehörden schlossen ein politisches aus, es handele sich um eine Amokfahrt eines psychisch kranken deutschstämmigen Täters. Die Medien atmeten auf. Bereits am nächsten Tag kam die rechtsextreme Vergangenheit des Täters nach Recherchen des antifaschistischen Portals Exif-Recherche and Licht. Der Artikel legt eine ehemalige Mitgliedschaft des Amokfahrers in der rechtsextremen Vereinigung Ring-Bund nahe. Mal wieder waren es also Recherchen der Zivilgesellschaft, die den Job der Sicherheitsbehörden übernahmen. Denn auch im Fall der Amokfahrt von München war es journalistische Recherche, die die ersten Statements der Polizei, es handele sich um einen „Islamisten“, entkräfteten.
Eine Analyse von Buzzfeed News Deutschland zeigte, dass das Medieninteresse nach Mannheim weniger als halb so groß war wie nach Magdeburg und München. Erschienen in deutschen Leitmedien in den ersten vier Tagen nach der Tat von Magdeburg noch 1.035 Artikel und nach dem Anschlag in München 951, waren es nach der Tat von Mannheim nur 486 Beiträge. Nach München berichtete die Tagesschau über einen „Anschlag“, in Mannheim von einer „Autofahrt in eine Menschengruppe“.
Auch die Freude – im linken Teil der des Internets – über den pakistanischen Taxifahrer namens Afzal Muhammad, der den Gewalttäter von Mannheim aufhielt, hat ein Geschmäckle: Ist es wirklich so überraschend, dass ein migrantischer Mann zu den „Guten“ gehört? Wer derart auf ein mutiges Einschreiten eines Passanten reagiert, verrät möglicherweise mehr über die eigene Erleichterung, dass es auch „nützliche Ausländer“ gibt, als über den vermeintlichen eigenen Antirassismus.
Mannheim ist eine Stadt, in der 49,4 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund haben. Die Innenstadt ist einer der am migrantischsten Orte in Deutschland. Ist es da wirklich so abwegig, dass der Täter mit rechtsextremer Politisierung aus politischen Motiven gehandelt hat? Ist es wirklich so abwegig, dass jemand, der wegen eines „Sieg Heil“-Kommentars wegen Hassrede verurteilt wurde, auch aus Hass in eine Menschenmenge in eben dieser Innenstadt gefahren ist?
Der Täter von Mannheim war psychisch krank und rechtsextrem politisiert. Beides zu betonen und die Fälle von Aschaffenburg, München und Mannheim nicht vorschnell über einen Kamm zu scheren, ist unser aller Verantwortung vor den Opfern. Rechtsterrorismus bekämpft man nicht mit Therapie, sondern mit jahrelanger politischer Bildung und Aussteigerprogrammen. Für islamistischen Terrorismus gilt dasselbe.
Die bittere Wahrheit ist: Auch in einer Welt mit unendlichen Therapieplätzen würde es rechtsterroristischen oder islamistische Attentate geben.
Die Recherchen zum Hintergrund des Mannheimer Täters dafür, dass sich die Gewalttat in eine Reihe mit einer Tat in München stellen könnte, die bisher kaum als Analogie herangezogen wurde: Dem Anschlag auf das Olympia-Einkaufszentrum 2016. Auch hier war zunächst von einer Amoktat die Rede gewesen. Bis Recherchen von Angehörigen die rechtsradikalen Motivation des Täters hervorhoben. Und die Familien schlussendlich die Anerkennung als rechtsterrorostisches Attentat erkämpft. Mal wieder mit Recherchen von unten.
…………………..
Carlos Hanke Barajas vermeidet es am Ende, Butter bei die Fische zu geben. Wer will kann es aber erkennen. Und wer noch weiter denken will, denn könnten noch viele ähnliche Taten einfallen.

Kommentieren
Mitglieder > Veranstaltungen > Man darf sich etwas dabei denken