Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

2 3

Lobbyisten beklagen Rückgang europäischer Profite

Von Harvey11 15.09.2024, 11:09

Reden ist Silber, Klagen ist Gold: Das scheint seit Jahren die unumstößliche Maxime des European Chamber of Commerce in China zu sein. Als sie am Mittwoch in Beijing offiziell ihr »European Business in China – Positions Paper 2024/2025« präsentierte, malte sie die Lage europäischer Unternehmen in der Volksrepublik grau in dunkelgrau. Noch nie sei das Vertrauen ihrer Mitgliedsfirmen in die Rahmenbedingungen des China-Geschäfts so düster gewesen wie heute. Kaum jemand hege noch die Hoffnung, die Regierung in Beijing werde nötigen Reformen veranlassen, um die Situation zu verbessern. Die Neuinvestitionen aus Europa in der Volksrepublik gingen schon deutlich zurück. Womöglich sein damit nun eine entscheidende Negativwende des europäischen China-Geschäfts erreicht.
Was ist da los – steht das China-Geschäft europäischer Unternehmen tatsächlich vor dem Kollaps? Nun, die Papiere, die die European Chamber regelmäßig publiziert, lesen sich seit Jahren wie Reiseberichte aus dem Land der Trübsal. Nun müssen sie das in gewisser Weise auch. Schließlich ist die European Chamber simpel eine Lobbyorganisation, deren Aufgabe darin besteht, in Beijing auf Maßnahmen im Interesse ihrer mehr als 1.700 Mitgliedsfirmen zu drängen. Dass das von öffentlichem Gemecker über die aktuelle Lage begleitet wird, gehört zum Handwerk. Entsprechend listete die European Chamber eine lange Liste an Beschwerden auf. Chinas Wirtschaft wachse zu langsam etwa. Immer noch seien ausländische Unternehmen inländischen nicht komplett gleichgestellt. Nach wie vor wachse der private Konsum nicht so kräftig, wie er eigentlich könnte, und auch das zum Beispiel von der EU diagnostizierte Problem mit den Überkapazitäten (Seit Jahren stellen chinesische Unternehmen mehr Güter her als nachgefragt werden – und drücken die Preise) sei nicht gelöst. Völlig zu Schweigen davon, dass die chinesische Regierung weiterhin stark auf die nationale Sicherheit fokussiere.
Nimmt man sich das Positionspapier der European Chamber genauer vor, ergibt sich ein differenzierteres Bild. So sind zum einen chinesische Unternehmen im Laufe der Jahre technisch und qualitativ erheblich besser geworden. Das verschärft den Wettbewerb mit europäischen Konkurrenten und drückt deren Profite. Zwei Drittel ihrer Mitgliedsfirmen geben an, dass ihre Profite in China den globalen Durchschnitt nicht mehr übertreffen, heißt es in dem Positionspapier – und man ahne deutlich, dass sich die Konkurrenzlage kaum zugunsten der europäischen Unternehmen wenden werde. Nun, das mag sein. Die Folgen des westlichen Wirtschaftskriegs gegen die Volksrepublik kommen hinzu – und sie sind umfangreicher und drastischer, als das, was die European Chamber beklagt: Beijing habe diverse neue Sicherheitsbestimmungen etwa zum Schutz gegen Spionage verhängt, die Unternehmen aus Europa nun das Leben immer schwerer machten. China ist vor allem dazu übergegangen, seine Lieferketten möglichst umfassend ins Inland zu verlagern, um gegen Sanktionen gefeit zu sein. Das haben nunmehr auch diverse Unternehmen aus Europa mit ihren chinesischen Standorten getan. Weil damit zu rechnen ist, dass die westlichen Staaten ihre Sanktionspolitik fortsetzen, halten sich Unternehmen aus Europa mit Neuinvestitionen in China zurück. Im ersten Halbjahr 2024 sanken diese um 29,3 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Man sehe »eine strategische Verschiebung« dahingehend, dass auch europäische Firmen ihr China-Geschäft gegen äußere Risiken, etwa Sanktionen, abschotten, bestätigte Jens Eskelund, der Präsident der European Chamber. Davon, dass sie die Volksrepublik in Scharen verließen, könne aber keine Rede sein. »Das zukünftige Potential Chinas« als Hightechstandort und auch als Absatzmarkt stelle niemand im Frage.
(Jörg Kronuer, jungewelt 14.9.24)

Da erwachen in Washingtons Kampfdackel Europa Weltmachtgelüste, führt sich mit Herrchens Duldung auch so auf und jammert, wenn China nicht macht was man will.
Dazu kommt noch, dass deren eigenen Produkte immer besser werden. Besser als die, welche europäische Firmen in China herstellen dürfen. Ja glauben die denn wirklich, sie hätten eine Abnahmegarantie? Diese Chamber sollte besser Einfluss auf die Regierungen in Europa nehmen. Denn die Drohungen mit Sanktionen und die Provokationen sind auch kein gutes Schmiermittel für gute Geschäftsbeziehungen.
Die Gier stößt immer mehr an ihre Grenzen.

Kommentieren
Mitglieder > Veranstaltungen > Lobbyisten beklagen Rückgang europäischer Profite