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Von Harvey11 09.03.2025, 11:28 – geändert 09.03.2025, 14:41

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Sereina Donatsch, Frankfurter Rundschau, 8.3 2025

Wenn Frauen-Hasser wie Donald Trump an die Macht kommen, sind Frauenrechte bedroht. Dagegen hilft es nicht, nur am Frauentag zu protestieren.
Der Weltfrauentag ist die Gelegenheit kurz innezuhalten: Wie steht es um die Rechte der Frauen? Was haben Aktivistinnen und Aktivisten in den letzten Jahren erreicht? Vieles, daran besteht kein Zweifel, aber der 8. März ist kein Feiertag. Er ist und bleibt ein Kampftag.
Errungenschaften, die von unglaublich inspirierten und mutigen Menschen hart erkämpft wurden, können von einem Tag auf den anderen rückgängig gemacht werden. Frauenrechte sind heute weltweit in Gefahr. Überall gewinnen rechtsextreme Bewegungen an Bedeutung und bedrohen frauenpolitische Errungenschaften.
Deutschland bleibt davon nicht verschont. Der wahrscheinlich zukünftige Kanzler Friederich Merz ist eher für sein überkommenes Frauenbild bekannt als für sein Engagement für Frauenrechte. Die AfD ist die zweitstärkste Kraft im Land. Eine Partei, die Frauenfeindlichkeit fördert.
Die Welt, so lautet eine der Kernthesen der extremen Rechten, sei in Gefahr und könne nur von starken gewaltbereiten Männern gerettet werden. Der Feminismus zerstöre die Zivilisation, weil er die natürliche Rolle der Frau konterkariere, die darin bestehe, Kinder zu gebären, Männern zu dienen und sich zu unterwerfen. Diese Ideologie, auch „Maskulinismus“ genannt, ist in der radikalen Szene weitverbreitet.
Sie ist jedoch nicht neu. Immer wieder waren Frauen extremer Gewalt und Hass ausgesetzt. Der Neoliberalismus mag Heerscharen von Menschen zum Scheitern verurteilen, aber es muss an der Geschlechterkrise liegen. Diese Ideologie erhält aber durch soziale Medien neuen Auftrieb. Sie stößt auf besorgniserregende politische Resonanz und nimmt heute eine andere Dimension an: Frauenhasser sind an der Macht.
Donald Trump ist ein Misogyn an der Spitze des mächtigsten Landes der Welt. Er und sein Akolyth Elon Musk sind der Archetyp dieser toxischen Maskulinität, dieser bestimmten Vorstellung von harter Alpha-Männlichkeit, die sich dieser Verweichlichung, vermeintlichen Feminisierung der Gesellschaft widersetzt und darauf besteht, dass wieder Ordnung herrscht.
Genau wie die AfD beherrschen sie die sozialen Medien perfekt und erreichen eine unglaubliche Anzahl von Menschen, die sich ihrer Narrative bedienen: verunsicherte Jugendliche, die nicht in der Lage sind, ihre wahren Gefühle auszudrücken. Sie lassen ihre soziale und sexuelle Frustration an Frauen aus, statt zu verstehen, dass sie eine Folge elitärer Ungleichheit ist.
Auch der AfD-Politiker Maximilian Krah wendet sich über seinen Tiktok-Kanal gezielt an Jüngere und erteilt Ratschläge wie: Echte Männer seien rechts, „dann klappt‘s auch mit der Freundin“. Dieses Phänomen betrifft nicht nur ein paar frustrierte Teenager mit feinem Flaum, die sich in ihren leicht versifften Zimmern in obskuren Foren herumtreiben: Es ist unter jungen Männern im Aufkommen.
Wenn das bürgerliche, kulturelle und wirtschaftliche Kapital außer Reichweite ist, bleibt das Kapital der Muskeln. Dafür wird die Gesellschaft einen auch respektieren, so die Idee.
Das Objekt ihres Hasses ist jedoch in Wirklichkeit die Antwort auf ihre Isolation und ihr Leiden: Feminismus kämpft dafür, dass jeder Mensch so sein darf, wie er es sich wünscht, mit seinen Emotionen und Nichtmuskeln.
Um aus diesem Dilemma herauszukommen, müssen wir uns von dem Konzept einer binären Welt lösen. Die symbolische Basis unserer Zivilisation beruht auf dieser Zweipoligkeit männlich versus weiblich. Sie anzuzweifeln, bedeutet, die politische Ordnung zu hinterfragen. Aber eine ungerechte Ordnung muss infrage gestellt werden!
Der Frauentag ist deshalb ein Kampftag, denn wir dürfen nicht schweigen. Angesichts der aktuellen Lage reicht es nicht aus, einmal im Jahr laut zu werden. Wir müssen uns jeden Tag die Kehle aus dem Hals schreien.
…………………………..
Ja, der Internationale Frauentag spielt in rechten Regierungen keine Rolle.
Unter den rechten nahmen die Frauen ihre dienende Rolle dankbar an. Wer kennt nicht aus Büchern das große SS-Puff Lebensborn? Dem Volk als soziale Einrichtung verkauft war es eine getarnte Zuchtstation, in der sich ledige treue Volksdeutsche von SS-Männern schwängern lassen konnten um ihrem Führer (schon das Wort zeigt den Verzicht auf jeden eigenen Willen, die freiwillige Entmündigung) einen Soldaten zu schenken. Eine große Auswahl von Liebesbriefen an ihren geliebten Adi sind ja als Buch erschienen.
Und wieder wählen Frauen die Rechten.

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