Reeder und Seehäfen betonen Relevanz der deutschen Handelsflotte im Kriegsfall. Aber Ausflaggung könnte dieses Geschäft vermiesen
»Der Pistorius’sche Ruf nach »Kriegstüchtigkeit« hat längst auch die maritime Wirtschaft erreicht – nur spricht man da vorerst noch behutsamer über »spezifische Brancheninteressen in Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen«. Auf gleich zwei Veranstaltungen haben sich vergangene Woche Seehäfen und Reeder entsprechend in Stellung gebracht.
Das Deutsche Verkehrsforum (DVF) als Interessenverband der Logistikwirtschaft hatte am Mittwoch Abgeordnete zu einem »parlamentarischen Abend« geladen, um in der laufenden Haushaltsberatung des Bundestages noch ein bisschen Lobbyismus in Sachen Hafenpolitik zu betreiben. Versorgungssicherheit, Resilienz von Lieferketten oder militärische Logistik via Kaje spielten ebenso eine Rolle wie der Dauerstreit um den Zuschussbedarf der deutschen Seehäfen: Über die Idee, die im Prinzip unumstrittene Finanzierungslücke aus dem Sondervermögen Infrastruktur zu begleichen, wurde bereits berichtet. Für den DVF unterstrich dessen Präsidiumsmitglied Matthias Magnor, CEO der Bremer BLG Logistics Group, die Dringlichkeit unter anderem mit dem Stichwort »Verteidigungsfähigkeit«. Der neue Regierungskoordinator für Maritime Wirtschaft, Christoph Ploß (CDU), unterstützte das und kündigte schnelleres Planungsrecht an, um große Infrastrukturprojekte »zügig« – also mit gebremstem Bürgerwiderspruch – durchpauken zu können...........«
Auch die Handelsmarine soll sich in den Dienst des Krieges stellen. Nichts anderes war zu erwarten. Aber oft steckt der Teufel im Detail.
Um das Geld für teure deutsche Besatzungen zu sparen und die strengen deutschen Sicherheitsbestimmungen zu Arbeitsvorschriften zu umgehen, wurde auf gute kapitalistische Art ausgeflaggt.
Von den aktuell 1.631 Schiffen deutscher Reeder fahren momentan nur 246 unter deutscher Flagge. Bei allen übrigen hätte im Krisenfall die Bundesmarine also den jeweiligen Flaggenstaat erst um vorzeitige Vertragsauflösung zu bitten, um auf das Schiff zugreifen zu können;
Ob die betroffenen Staaten auf diese Einnahmen verzichten werden?
Ganz sicher werden sie einen stolzen Preis fordern und den werden nicht die Reedereien bezahlen.
Und dann? Welche Seeleute sollten die derzeit aus vielen Völkern der Welt gemischten Crews der Schiffe ersetzen?
Und das, wo doch der Russe jeden Tag kommen kann.
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Reeder und Seehäfen betonen Relevanz der deutschen Handelsflotte im Kriegsfall. Aber Ausflaggung könnte dieses Geschäft vermiesen
»Der Pistorius’sche Ruf nach »Kriegstüchtigkeit« hat längst auch die maritime Wirtschaft erreicht – nur spricht man da vorerst noch behutsamer über »spezifische Brancheninteressen in Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen«. Auf gleich zwei Veranstaltungen haben sich vergangene Woche Seehäfen und Reeder entsprechend in Stellung gebracht.
Das Deutsche Verkehrsforum (DVF) als Interessenverband der Logistikwirtschaft hatte am Mittwoch Abgeordnete zu einem »parlamentarischen Abend« geladen, um in der laufenden Haushaltsberatung des Bundestages noch ein bisschen Lobbyismus in Sachen Hafenpolitik zu betreiben. Versorgungssicherheit, Resilienz von Lieferketten oder militärische Logistik via Kaje spielten ebenso eine Rolle wie der Dauerstreit um den Zuschussbedarf der deutschen Seehäfen: Über die Idee, die im Prinzip unumstrittene Finanzierungslücke aus dem Sondervermögen Infrastruktur zu begleichen, wurde bereits berichtet. Für den DVF unterstrich dessen Präsidiumsmitglied Matthias Magnor, CEO der Bremer BLG Logistics Group, die Dringlichkeit unter anderem mit dem Stichwort »Verteidigungsfähigkeit«. Der neue Regierungskoordinator für Maritime Wirtschaft, Christoph Ploß (CDU), unterstützte das und kündigte schnelleres Planungsrecht an, um große Infrastrukturprojekte »zügig« – also mit gebremstem Bürgerwiderspruch – durchpauken zu können...........«
Auch die Handelsmarine soll sich in den Dienst des Krieges stellen. Nichts anderes war zu erwarten. Aber oft steckt der Teufel im Detail.
Um das Geld für teure deutsche Besatzungen zu sparen und die strengen deutschen Sicherheitsbestimmungen zu Arbeitsvorschriften zu umgehen, wurde auf gute kapitalistische Art ausgeflaggt.
Von den aktuell 1.631 Schiffen deutscher Reeder fahren momentan nur 246 unter deutscher Flagge. Bei allen übrigen hätte im Krisenfall die Bundesmarine also den jeweiligen Flaggenstaat erst um vorzeitige Vertragsauflösung zu bitten, um auf das Schiff zugreifen zu können;
Ob die betroffenen Staaten auf diese Einnahmen verzichten werden?
Ganz sicher werden sie einen stolzen Preis fordern und den werden nicht die Reedereien bezahlen.
Und dann? Welche Seeleute sollten die derzeit aus vielen Völkern der Welt gemischten Crews der Schiffe ersetzen?
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