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King Donalds Heerschau

Von Harvey11 Donnerstag 30.10.2025, 18:32 – geändert Freitag 31.10.2025, 20:25

Eines wird es am 1.November in den USA wohl nicht geben: Lebensmittelmarken für die gut 40 Millionen Berechtigten. Das verhindere der Shutdown infolge des Haushalts-Streits. Schuld daran seien die oppositionellen Demokraten, hieß es aus dem Department of Agriculture. Was es in den kommenden Tagen oder Wochen eher geben wird: einen militärischen US-Überfall in der Karibik. Trifft es Venezuela? Oder Kolumbien? Oder beide?
Dass die USA in ihrem sprichwörtlichen Hinterhof jederzeit „intervenieren“, ist nun nicht neu. Und doch ist diesmal etwas anders. Zwar sagt Präsident Donald Trump, nachdem sein Militär vor Venezuela drei Dutzend Leben genommen hatte: „Ich töte Leute, die Drogen in unser Land bringen, okay?!“ Aber man merkt ihm an, wie lästig es ihm ist, einen potenziellen Angriffsgrund zu finden. Bei Kolumbiens Präsident Gustavo Petro reicht eigentlich schon ein „freches Mundwerk gegenüber Amerika“. Ein hell gestimmter Trump würde noch nicht einmal widersprechen wenn man ihm vorhielte, dass es nicht um Drogen geht, sondern „um Energie, Märkte und geopolitischen Einfluss in der Region“, wie es etwa Demian Regehr von der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung jüngst sagte.
Donald Trump ist ein Mann der nackten Macht. Er gibt gar nicht erst vor, dass seine Macht – die Macht der Vereinigten Staaten – einem hehren Ziel diene. Will Trump diesen Staatschef oder jenen Präsidenten absetzen oder angehen, dann ist das eben so, no explanations!
Diesen Modus Operandi lernt gerade Viktor Orbán kennen. Noch unlängst sah sich Ungarns Ministerpräsident auf dem Zenit: Nur zu gut hätte es ihm gefallen, dem amerikanischen wie dem russischen Präsidenten in Budapest die Hand zu schütteln und Brüssel so zur Weißglut zu bringen. Dann aber schaltete Trump in Sachen Ukrainekrieg jäh von „Erst verhandeln, dann Waffenruhe“ auf „Erst Waffenruhe, dann verhandeln“, was ein Unterschied ums Ganze ist – und verhängte Sanktionen gegen russische Petro-Konzerne. Genau dagegen hatte sich Orbán stets verwahrt. Fast zeitgleich brachen in einer rumänischen und einer ungarischen Raffinerie, die russisches Öl verarbeiten, spontan Feuer aus – während Trumps NATO-Mann Matthew G. Whitaker seine Hilfe dabei anbot, die Länder aus dieser Abhängigkeit zu befreien. Schon findet sich dieser Orbán, den MAGA angeblich so verehrt, in einem Rattenrennen nach Washington wieder, wo er um Milde bitten wird.
Vom Rapper Haftbefehl stammt die ikonische Zeile „Chabos wissen, wer der Babo ist“. Treffender lässt sich King Donalds Hofstaat kaum beschreiben. Das alte, „regelbasierte“ Imperium à la Barack Obama bezog die Macht auf eine Idee jenseits ihrer selbst. So hohl und abgeschmackt dieser Anspruch am Ende sein mochte, bot dieses System doch Nischen für Lauheit, Mitläufertum und Nebenagenden. Nun aber, da die Macht nackt ist, gelten andere Regeln: Die Chabos in Brüssel, Paris oder Berlin kostet ihr Platz an Babos Tafel ordentlich Schutzgeld, sicher ist ihnen trotzdem nicht viel.
Wenig spricht dafür, dass sich das so schnell wieder ändert. Denn das Imperium ist herausgefordert. Mit China erhebt sich eine neue Riesenmacht im Osten. Der alte, längst besiegt geglaubte Rivale Russland hat sich als umsichtiger und hartnäckiger erwiesen, als man es ihm zutraute – und die notorische Problemzone im Nahen Osten brodelt weiter. Der eine indirekte Krieg geht bald ins vierte Jahr, der andere ins dritte. Da empfiehlt es sich im Sinne des Imperiums, das eigene Lager zu konsolidieren, vor allem auch zu straffen.
Hielte nun König Trump eine solche Heerschau, könnte er ganz zufrieden sein. Den Ukrainekrieg hat er nicht beendet, aber binnen Monaten bilanzmäßig gedreht: „Der Mineraliendeal“ und der Waffen-Dreieckshandel via Europa haben aus dem Fass ohne Boden ein Geschäft gemacht – egal, wie der Krieg zunächst weitergeht. Statt am, billigen russischen hängt Europa jetzt am teuren US-amerikanischen Gas, wobei als Extra ein Wettbewerbsvorteil zu Buche schlägt. Da Brüssel obendrauf den unverschämten „Zolldeal“ geschluckt hat, ist Europa gegenüber dem Jahr 2021 ganz neu eingeordnet. Dreht Tump jetzt auch noch Venezuela, den ewigen linkspopulistischen Troublemaker im Hinterhof, ist das eine glänzende Bilanz. Selbst wenn man den beträchtlichen außenpolitischen Schaden, den ein neues israelisches Gaza-Bombardement mit sich brächte, aus innenpolitischer Gründen in Kauf nimmt.
Wohlgemerkt und noch einmal: Glänzend ist all das nur im Sinne des Imperiums und seiner politischen Klasse, nicht für all die Menschen, die sterben und leiden. In den Gräben, Panzern und Kellern der Ukraine gibt es nichts was glänzt – wie in den Trümmerbergen der Horrorzone Gaza. Doch all diese Menschen sind unter den gegebenen Bedingungen nur dann von weltpolitischem Belang, wenn sich ihr Schicksal instrumentalisieren lässt. Es ist gewiss nicht leicht, sich auch nur vorzustellen, wie sich diese Bedingungen entscheidend verändern ließen. Klar ist nur, dass dabei auch diejenigen eine Rolle spielen müssten, die in den USA nun keine Lebensmittelmarken haben oder hierzulande beim Bürgergeld schikaniert werden. Denn das sind jetzt schon viele – und es werden sehr schnell mehr.
Der Freitag, 30.10.2025

Trump wird denken, was sind die Europäer doch für Deppen.
Die lassen sich erpressen und zahlen Schutzgeld.
Glänzend ist all das nur im Sinne des Imperiums und seiner politischen Klasse? Uns wird das aber auch als etwas Gutes verkauft.

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