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Kein Gas aus Russland und die Folgen

Von Dieter_Bowlen Freitag 15.07.2022, 14:40

Zu den Perspektiven, mit denen Deutschland konfrontiert wäre, sollte Russland tatsächlich kein Erdgas mehr in die EU liefern, sind in den vergangenen Tagen mehrere Untersuchungen vorgelegt worden. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) etwa hat Ende Juni eine Studie präsentiert, die die Folgen eines sofortigen russischen Exportstopps abzuschätzen sucht.

Unter der Voraussetzung, dass gesetzlich geschützte Kunden, darunter vor allem Privathaushalte, tatsächlich vorrangig beliefert werden, ist mit dramatischen Einbrüchen in zentralen Branchen zu rechnen, die bis zu 50 Prozent (Stahl, Glas) oder immerhin 30 Prozent ihrer Wertschöpfung (Nahrungsmittel, Chemie, Druck) verlieren würden.

Der Studie zufolge strahlen die Folgen bis in den Dienstleistungssektor und in die Landwirtschaft aus; mit dem Verlust von rund einem Achtel der deutschen Wirtschaftsleistung wäre zu rechnen. Betroffen wären 5,6 Millionen Arbeitsplätze.

Eine gestern vom Akademienprojekt Energiesysteme der Zukunft (ESYS) publizierte Analyse weist darauf hin, dass sich der Erdgasmangel nicht kurzfristig beheben lässt – auch dann nicht, wenn es gelingen sollte, beliebig viel Flüssiggas zu kaufen: Die Infrastruktur, um es zu verteilen – Importterminals, Pipelines –, fehlt
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Im Hinblick auf die sich abzeichnende dramatische Entwicklung in Deutschland und in der EU warnen mittlerweile sogar US-amerikanische Befürworter eines prinzipiell mit allen Mitteln zu führenden, erbitterten Machtkampfs gegen Moskau, die westlichen Sanktionsorgien drohten nicht Russland, sondern stattdessen Europa zu ruinieren.
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Es sei inzwischen „klar, dass der Wirtschaftskrieg gegen Russland auch nicht annähernd so gut“ funktioniere, wie man vermutet habe, urteilte in der vergangenen Woche der einflussreiche US-Publizist Fareed Zakaria. Während Moskau seine Gewinne aus dem Export von Öl und Gas jüngst gesteigert habe stehe Europa vor der „schlimmsten Energiekrise seit 50 Jahren

Die Regierungen im Westen müssten „erkennen, dass Wirtschaftssanktionen schlicht nicht in einem Zeitrahmen wirken, der Sinn ergibt“. Zwar solle man die Verfügbarkeit von Energie weltweit so umfassend wie irgend möglich steigern. Gleichzeitig gelte es aber, „diejenigen Sanktionen zurückzudrehen, die eindeutig dem Westen größere Schmerzen zufügen als Russland“.
(German-Foreign-Policy)

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