Kapital feudal - SPD mit Plan zur Erbschaftssteuer
Von Harvey11
Mittwoch 14.01.2026, 11:20 – geändert Mittwoch 14.01.2026, 12:44
Ungleichheit verstetigen und verschärfen. Dafür Sorge zu tragen, ist der gleichsam inoffizielle gouvermentale Auftrag dieses Staates. Einen Hinweis auf den Klassencharakter der Gesetzgebung beziehungsweise der erwartbaren Gesetzgebungsverweigerung in diesem Land liefern zwei aktuelle Beispiele. Mitte Dezember beschloss die Bundesregierung die Abschaffung des Bürgergelds. Das, was da »Sozialreform« genannt wird, enthält eine deutliche Verschärfung des Sanktionsregimes gegen »Arbeitsverweigerer« und »Sozialschmarotzer«, denen jetzt bei fortgesetzter Zuwiderhandlung gegen behördliche Anweisungen das kümmerliche Almosen namens Grundsicherung komplett gestrichen werden kann. Die regierenden Sozialdemokraten haben sich in dieser Frage ihrem stärkeren Koalitionspartner unterworfen.
Einen Monat später legt die SPD, die sich aus Gründen des Selbsterhalts daran zu erinnern scheint, welche Klientel sie zu vertreten mal behauptet hat, einen Vorschlag zur Reform der Erbschaftssteuer vor, der inhaltlich so zaghaft und harmlos gerät, wie es einer Sozialdemokratie nun mal wesensgemäß ist. Danach sollen große Vermögen künftig stärker besteuert, kleine und mittlere Erbschaften hingegen entlastet werden. Das reicht bereits, um die üblichen Reflexe aus den Kapitalverbänden und den Unionsparteien zu provozieren: »überflüssige Belastungen«, »toxisch für Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand«, »zulasten von Betrieben und Arbeitnehmern«, »leistungsfeindlich«.
Das Gegreine übertönt, dass die geltende Erbschaftsteueregelung ohnehin zur Korrektur steht, da eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht anhängig ist – wegen zahlreicher Ausnahmen, wonach Millionenvermögen größtenteils oder gar komplett steuerfrei weitergegeben werden können, wenn sie in Form von Betrieben verschenkt oder vererbt werden. Es handelt sich schlichtweg um Privilegien für Reiche, wie auch der Internationale Währungsfonds erkannt hat.
Dass also Privilegien eine Angelegenheit eines vergangenen Zeitalters sind, weiß man selbstverständlich bei einer Weltinstitution wie dem IWF. Im Oberstübchen der Repräsentanten der oberen Etagen in dieser Republik ist die Information indessen noch nicht angekommen. Kapital feudal.
Externer Inhalt
Dieser Inhalt wird nicht von Feierabend.de bereitgestellt. Du kannst ihn nur lesen, wenn Du zustimmst, dass er von jungewelt.de nachgeladen wird. Bist Du einverstanden, dass externe Inhalte nachgeladen werden? Mehr dazu erfährst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.
Ungerecht geht es ja bei der Erbschaftssteuer zu. Das will keiner bestreiten.
Und wieder hört man den Spruch, den man bereits von der Vermögensteuer hört: Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag.
Warum aber wird so streng kontrolliert, ob Bezieher von Sozialhilfe heimlich ein paar Euro nebenher verdienen?
Das Wort Gerechtigkeit kommt bei denen einfach nicht vor.
Lieber die Kleinen durchleuchten, denn die Masse machts.
Und Finger weg vom Reichenbashing. Sonst gehen die ins Ausland.
Ein scharfes Schwert haben die Steuergegner bisher noch nicht benutzt.
Sie haben noch keine Firmen genannt, die wegen der Erbschaftssteuer in Schieflage gekommen wäre. Woran das wohl liegt?
Ungleichheit verstetigen und verschärfen. Dafür Sorge zu tragen, ist der gleichsam inoffizielle gouvermentale Auftrag dieses Staates. Einen Hinweis auf den Klassencharakter der Gesetzgebung beziehungsweise der erwartbaren Gesetzgebungsverweigerung in diesem Land liefern zwei aktuelle Beispiele. Mitte Dezember beschloss die Bundesregierung die Abschaffung des Bürgergelds. Das, was da »Sozialreform« genannt wird, enthält eine deutliche Verschärfung des Sanktionsregimes gegen »Arbeitsverweigerer« und »Sozialschmarotzer«, denen jetzt bei fortgesetzter Zuwiderhandlung gegen behördliche Anweisungen das kümmerliche Almosen namens Grundsicherung komplett gestrichen werden kann. Die regierenden Sozialdemokraten haben sich in dieser Frage ihrem stärkeren Koalitionspartner unterworfen.
Einen Monat später legt die SPD, die sich aus Gründen des Selbsterhalts daran zu erinnern scheint, welche Klientel sie zu vertreten mal behauptet hat, einen Vorschlag zur Reform der Erbschaftssteuer vor, der inhaltlich so zaghaft und harmlos gerät, wie es einer Sozialdemokratie nun mal wesensgemäß ist. Danach sollen große Vermögen künftig stärker besteuert, kleine und mittlere Erbschaften hingegen entlastet werden. Das reicht bereits, um die üblichen Reflexe aus den Kapitalverbänden und den Unionsparteien zu provozieren: »überflüssige Belastungen«, »toxisch für Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand«, »zulasten von Betrieben und Arbeitnehmern«, »leistungsfeindlich«.
Das Gegreine übertönt, dass die geltende Erbschaftsteueregelung ohnehin zur Korrektur steht, da eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht anhängig ist – wegen zahlreicher Ausnahmen, wonach Millionenvermögen größtenteils oder gar komplett steuerfrei weitergegeben werden können, wenn sie in Form von Betrieben verschenkt oder vererbt werden. Es handelt sich schlichtweg um Privilegien für Reiche, wie auch der Internationale Währungsfonds erkannt hat.
Dass also Privilegien eine Angelegenheit eines vergangenen Zeitalters sind, weiß man selbstverständlich bei einer Weltinstitution wie dem IWF. Im Oberstübchen der Repräsentanten der oberen Etagen in dieser Republik ist die Information indessen noch nicht angekommen. Kapital feudal.
Externer Inhalt
Dieser Inhalt wird nicht von Feierabend.de bereitgestellt. Du kannst ihn nur lesen, wenn Du zustimmst, dass er von jungewelt.de nachgeladen wird. Bist Du einverstanden, dass externe Inhalte nachgeladen werden? Mehr dazu erfährst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.
einverstanden
Ungerecht geht es ja bei der Erbschaftssteuer zu. Das will keiner bestreiten.
Und wieder hört man den Spruch, den man bereits von der Vermögensteuer hört: Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag.
Warum aber wird so streng kontrolliert, ob Bezieher von Sozialhilfe heimlich ein paar Euro nebenher verdienen?
Das Wort Gerechtigkeit kommt bei denen einfach nicht vor.
Lieber die Kleinen durchleuchten, denn die Masse machts.
Und Finger weg vom Reichenbashing. Sonst gehen die ins Ausland.
Ein scharfes Schwert haben die Steuergegner bisher noch nicht benutzt.
Sie haben noch keine Firmen genannt, die wegen der Erbschaftssteuer in Schieflage gekommen wäre. Woran das wohl liegt?