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Jammern, bis der Arzt kommt

Von ehemaliges Mitglied Dienstag 31.01.2023, 14:54

Wer beharrlich jammert, wird gern als „Jammerlappen“ bezeichnet. Mit der Zeit spiegelt sich das Jammern auch in der Körperhaltung wider: hängende Schultern, nach unten gezogene Mundwinkel, leicht gehetzter Ausdruck in den Augen. Wir kennen sie, diese Jammerlappen. Vielleicht haben wir sogar schon mal einen im Spiegel gesehen.

Leider brauchen waschechte Jammerer in der Regel keinen speziellen Anlass – sie jammern einfach, egal ob sich jemand für ihre Not interessiert oder nicht – und auch keine Qualifikation hinsichtlich des Themas, über das sie jammern. Dabei ist das Jammern weder für den Jammerer noch für das Gegenüber besonders erquicklich. Je jammervoller das Lamento, desto unattraktiver ist der Lappen – übrigens egal, ob männlich oder weiblich. Den Unterschied macht maximal die Tonlage; unerotisch bleibt es auf alle Fälle.
Und auf die Dauer macht Jammern auch einsam. Irgendwann jammern Jammerlappen ganz allein vor sich hin – ob still oder weniger still, interessiert dann keinen mehr. Denn das Jammern ohne Substanz, Sinn, Zweck und Ziel ist schlicht und ergreifend langweilig. Und wer will schon sein Leben mit jemandem verbringen, der sich für ein verkanntes Genie hält oder es sich in dem Gefühl gemütlich macht, ein Opfer der Umstände zu sein?

Sie finden das jetzt doch ein wenig übertrieben? Mal schauen. Vielleicht finden Sie sich in folgendem Szenario wieder: Gehören Sie zu diesen Menschen, die abends auf der Couch sitzen und sich ab und an ein Gläschen Selbstmitleid gönnen? Das Wetter! Der Chef! Das Finanzamt! Alles furchtbar! Vielleicht ist Ihr Partner zu allem Überfluss ein lösungsorientierter Pragmatiker und lässt sich nicht einfach so bejammern.

Maximal zwei Minuten lang hört er/sie sich das Genöle an, bis die fieseste Waffe gegen das Jammerbedürfnis eingesetzt wird: der wohlgemeinte Lösungsvorschlag! „Mach doch ein bisschen mehr Sport“ oder „Sprich doch einfach mal mit deinem Chef.“ Ehrlicherweise müssten Sie dann antworten: „Ich will mein Problem aber gar nicht lösen …“ Und genau mit diesem Geständnis würden Sie sich als Jammerlappen entlarven. Unangenehm, nicht wahr?

Die acht verschiedenen Jammertypen sind
Jammer-Profi

Selbstsicheres Auftreten mit einstudiertem Jammerblick, kennt die perfekten Jammerthemen für jede Zuhörerschaft, hat immer neue Geschichten auf Lager, macht aus dem schönsten Fest eine Beerdigung.
Jammer-Assistent

Typ Mitläufer, weil karriereorientiert. Jammert perfekt mit Chef/in mit, bereitet immer neue Jammerthemen vor, ist mitdenkend, adaptiv und berechnend.
Quadrat-Jammerer

Jammert übers allgemeine Jammern und darüber, dass er selbst ja immerzu jammert und unternimmt nichts dagegen.
Audio-Jammerer

Eher wortkarg, gibt permanent unüberhörbare Zischlaute von sich wie lautes Atmen oder wohl überlegte und zeitlich platzierte Seufzer, wenn in Gesellschaft.
Trend-Jammerer

Kennt alle aktuellen Jammerthemen wie Trump, Flüchtlinge, Brexit, Russland, aber auch Klassiker wie Wetter, Vorgesetzte, Handy-Zombies und schlechtes Essen.
Jammer-Kumpel

Jammert aus Kollegialität. Ähnlich wie der Jammer-Assistent ein Mitläufer-Typ, nur mehr mitfühlend. Jammert mit, damit andere sich nicht schlecht fühlen. Hat selbst keinen Grund zum Jammern.
Jammer-Junkie

Ist abhängig vom Jammern, schafft den Ausstieg nicht. Wenn er einmal anfängt, kommt er aus der Jammerspirale nicht mehr raus. Ergeht sich oft in Selbstmitleid. Vorsicht: Depressionsgefahr!
Jammer-Prediger

Betrachtet Jammern als Religion und redet allen Mitmenschen negativ zu: „Es ist nicht so gut wie es scheint“, „Das kann aber auch schiefgehen“ etc.



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