Wer will kann sich ja mal erinnern, was in unseren sogenannten Qualitätsmedien so alles berichtet wird und Vergleiche anstellen. Im stillen Kämmerlein dürft ihr es ja ungestraft.
Generalstabschef Herzi Halewi hat verkündet, dass Israel seine Gaza-Operationen noch monatelang fortsetzen werde. Er tat dies Ende Dezember, als nach fast drei Monaten Krieg die Zahl der zivilen palästinischen Toten das 20-Fache der Opfer des Terrorangriffs der Hamas am 7. Oktober erreicht hatte. Wenn kein Ende des israelischen Feldzugs „Eiserne Schwerter“ abzusehen ist, stellt sich insofern immer dringlicher die Frage, ob damit nicht das Selbstverteidigungsrecht des israelischen Staates überschritten wird und eine unverhältnismäßige Rachekampagne überhandnimmt, die neben dem bewirkten Zerstörungswerk die Gefahr einer internationalen Gewalt-Eskalation mit sich bringt. Agrarminister Avi Dichter drängte jüngst im Fernsehen zur „Gaza Nakba“, als die er Israels Intervention offenbar sieht.
Die Regierung in Jerusalem erklärt, das Ziel sei noch nicht erreicht, die Hamas endgültig zu vernichten oder wenigstens so weit zu schwächen, dass sie ähnliche Attacken oder Schlimmeres künftig nicht auf den Weg bringen kann. Derzeit scheint die Armee darauf fokussiert zu sein, die Umgebung der militärischen Hamas-Führer Yahya Singwar und Mohammed Deif zu treffen, die als Planer des Angriffs vom 7. Oktober gelten und irgendwo in oder unter der Stadt Chan Yunis vermutet werden. Auf der Todesliste steht ebenso Ismail Haniyya, der in Israel wie in den USA als Terrorist gelistet ist, seit er 2006 politische Führungsämter übernommen hat. Das von der Knesset seinerzeit erstmals verhängte Verdikt, wonach Haniyya als „vogelfrei“ zu betrachten sei, sobald Hamas-Raketen auf Israel abgeschossen würden, ist kürzlich erneuert worden. Gegenwärtig hält er sich in Katar auf und ist Vorsitzender des Büros des Schura-Rats der Hamas. Obwohl sich der Konsul Großbritanniens in Katars Hauptstadt Doha nicht scheute, Haniyya persönlich um Unterstützung bei der Freilassung eines von der Hamas festgehaltenen britischen Journalistin zu bitten, will Israel ihn nicht als Verhandlungspartner anerkennen. Es gäbe prinzipiell keine solchen Emissäre, wird immer wieder behauptet. Selbst Mahmud Abbas, Präsident der Fatah-Regierung und der Autonomiebehörde im Westjordanland, gilt wegen angeblicher politischer Ohnmacht nicht als satisfaktionsfähig. Dabei rührt Abbas' Schwäche auch daher, dass die von internationalen Organisationen gezahlten Hilfsgelder für das Westjordanland an Banken in Israel überwiesen werden müssen, das sich für berechtigt hält, diese Mittel stets dann zurückzuhalten, wenn die Autonomiebehörde allzu selbständig handelt.
Dass die Palästinenser keine Verhandlungspartner präsentieren könnten, weil Hamas und Fatah zerstritten seien, ist eine gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung westlicher Medien. Verschwiegen wird, dass sich Abbas und Haniyya seit 2012 immer wieder in der Türkei und in Algerien trafen und Versöhnungsabkommen aushandelten, denen zu entnehmen war, dass nicht nur die Fatah, sondern gleichfalls auch die Hamas bereit wäre, den israelischen Staat als Gegenleistung für ein faires Friedensabkommen anzuerkennen.
Israel dagegen ist nicht einmal bereit, in der Frage der etwa 120 Geiseln einzulenken, die sich noch in der Gewalt der Hamas befinden. Ihre Qualen und ihr möglicher Tod werden offenkundig als tragbarer Kollateralschaden hingenommen. Eine militärische Befreiung der Gefangenen scheint momentan keine sonderlich realistische Option zu sein. Sind sie doch – wie mehr und mehr bekannt wird – nicht an einem, sondern an verschiedenen Orten untergebracht, unter anderem in Familien. Für ihre Freilassung verlangt die Hamas mittlerweile, dass alle politischen Gefangenen der Palästinenser freigelassen werden, allen voran Marwan Barghuthi. Dieser gilt als potenzieller Nachfolger für den 88-jährigen Abbas. Selbst die Hamas würde Barghuthi als gemeinsamen Kandidaten akzeptieren.
Da deren Kampfkraft noch nicht erschöpft zu sein scheint und die Hardliner in der israelischen Regierung an ihren Maximalzielen festhalten, zu denen nicht zuletzt die Vertreibung der palästinensischen Zivilbevölkerung nach Ägypten und Jordanien gehört, ist kein Ende der Kampfhandlungen abzusehen. Immer deutlicher zeichnet sich auch hier eine Grundkonstante asymmetrischer Konflikte ab: Zwar leidet die Bevölkerung von Gaza seit Jahren unter der islamistischen Disziplinierung der Hamas, dennoch ist ein nicht geringer Teil nach wie vor entschlossen, unter Lebensgefahr auf einem Heimatrecht zu besehen. Zuletzt sind mehrere Tausend Menschen sogar in den zerstörten Norden und nach Gaza-Stadt zurückgekehrt.
Wer will kann sich ja mal erinnern, was in unseren sogenannten Qualitätsmedien so alles berichtet wird und Vergleiche anstellen. Im stillen Kämmerlein dürft ihr es ja ungestraft.
Generalstabschef Herzi Halewi hat verkündet, dass Israel seine Gaza-Operationen noch monatelang fortsetzen werde. Er tat dies Ende Dezember, als nach fast drei Monaten Krieg die Zahl der zivilen palästinischen Toten das 20-Fache der Opfer des Terrorangriffs der Hamas am 7. Oktober erreicht hatte. Wenn kein Ende des israelischen Feldzugs „Eiserne Schwerter“ abzusehen ist, stellt sich insofern immer dringlicher die Frage, ob damit nicht das Selbstverteidigungsrecht des israelischen Staates überschritten wird und eine unverhältnismäßige Rachekampagne überhandnimmt, die neben dem bewirkten Zerstörungswerk die Gefahr einer internationalen Gewalt-Eskalation mit sich bringt. Agrarminister Avi Dichter drängte jüngst im Fernsehen zur „Gaza Nakba“, als die er Israels Intervention offenbar sieht.
Die Regierung in Jerusalem erklärt, das Ziel sei noch nicht erreicht, die Hamas endgültig zu vernichten oder wenigstens so weit zu schwächen, dass sie ähnliche Attacken oder Schlimmeres künftig nicht auf den Weg bringen kann. Derzeit scheint die Armee darauf fokussiert zu sein, die Umgebung der militärischen Hamas-Führer Yahya Singwar und Mohammed Deif zu treffen, die als Planer des Angriffs vom 7. Oktober gelten und irgendwo in oder unter der Stadt Chan Yunis vermutet werden. Auf der Todesliste steht ebenso Ismail Haniyya, der in Israel wie in den USA als Terrorist gelistet ist, seit er 2006 politische Führungsämter übernommen hat. Das von der Knesset seinerzeit erstmals verhängte Verdikt, wonach Haniyya als „vogelfrei“ zu betrachten sei, sobald Hamas-Raketen auf Israel abgeschossen würden, ist kürzlich erneuert worden. Gegenwärtig hält er sich in Katar auf und ist Vorsitzender des Büros des Schura-Rats der Hamas. Obwohl sich der Konsul Großbritanniens in Katars Hauptstadt Doha nicht scheute, Haniyya persönlich um Unterstützung bei der Freilassung eines von der Hamas festgehaltenen britischen Journalistin zu bitten, will Israel ihn nicht als Verhandlungspartner anerkennen. Es gäbe prinzipiell keine solchen Emissäre, wird immer wieder behauptet. Selbst Mahmud Abbas, Präsident der Fatah-Regierung und der Autonomiebehörde im Westjordanland, gilt wegen angeblicher politischer Ohnmacht nicht als satisfaktionsfähig. Dabei rührt Abbas' Schwäche auch daher, dass die von internationalen Organisationen gezahlten Hilfsgelder für das Westjordanland an Banken in Israel überwiesen werden müssen, das sich für berechtigt hält, diese Mittel stets dann zurückzuhalten, wenn die Autonomiebehörde allzu selbständig handelt.
Dass die Palästinenser keine Verhandlungspartner präsentieren könnten, weil Hamas und Fatah zerstritten seien, ist eine gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung westlicher Medien. Verschwiegen wird, dass sich Abbas und Haniyya seit 2012 immer wieder in der Türkei und in Algerien trafen und Versöhnungsabkommen aushandelten, denen zu entnehmen war, dass nicht nur die Fatah, sondern gleichfalls auch die Hamas bereit wäre, den israelischen Staat als Gegenleistung für ein faires Friedensabkommen anzuerkennen.
Israel dagegen ist nicht einmal bereit, in der Frage der etwa 120 Geiseln einzulenken, die sich noch in der Gewalt der Hamas befinden. Ihre Qualen und ihr möglicher Tod werden offenkundig als tragbarer Kollateralschaden hingenommen. Eine militärische Befreiung der Gefangenen scheint momentan keine sonderlich realistische Option zu sein. Sind sie doch – wie mehr und mehr bekannt wird – nicht an einem, sondern an verschiedenen Orten untergebracht, unter anderem in Familien. Für ihre Freilassung verlangt die Hamas mittlerweile, dass alle politischen Gefangenen der Palästinenser freigelassen werden, allen voran Marwan Barghuthi. Dieser gilt als potenzieller Nachfolger für den 88-jährigen Abbas. Selbst die Hamas würde Barghuthi als gemeinsamen Kandidaten akzeptieren.
Da deren Kampfkraft noch nicht erschöpft zu sein scheint und die Hardliner in der israelischen Regierung an ihren Maximalzielen festhalten, zu denen nicht zuletzt die Vertreibung der palästinensischen Zivilbevölkerung nach Ägypten und Jordanien gehört, ist kein Ende der Kampfhandlungen abzusehen. Immer deutlicher zeichnet sich auch hier eine Grundkonstante asymmetrischer Konflikte ab: Zwar leidet die Bevölkerung von Gaza seit Jahren unter der islamistischen Disziplinierung der Hamas, dennoch ist ein nicht geringer Teil nach wie vor entschlossen, unter Lebensgefahr auf einem Heimatrecht zu besehen. Zuletzt sind mehrere Tausend Menschen sogar in den zerstörten Norden und nach Gaza-Stadt zurückgekehrt.