Es gibt Gründe, warum Menschen an Lügen glauben. Auch in der Politik.
Von Hadija Haruna-Oelker Frankfurter Rundschau 24.2.2025
Dieser Bundestagswahlkampf war voller Lügen. Er war schmerzhaft und traurig für die Demokratie. Und das Ergebnis der Wahl wird nachwirken.
Dieser Text ist in Druck gegangen, bevor das Ergebnis feststand: mit der Sorge, darüber, dass zu viele Menschen Lügen unterstützt haben. Eine Studie der Universität von Colorado Boulder erklärt dieses Verhalten mit einer „moralischen Flexibilität“, die Menschen dabei unterstützt, unterschiedliche Maßstäbe an Politiker anzulegen. Und sich denen nah zu fühlen, die behaupten, was man selbst denkt, auch wenn sie lügen. Was im Umkehrschluss heißt, dass Menschen, die Lügner wählen, auch sich selbst belügen. Was wiederum die fatalste Lüge ist, weil man sich diese selbst eingestehen müsste.
Aber warum sollten Menschen das im postfaktischen Zeitalter voller Fake News und Desinformation tun – in dem so vieles Lüge ist? Die Heizungs-Lüge, Asyl-Lüge, Klima-Lüge. Es gibt inzwischen so viele Schlagzeilen-Lügen, die von subjektiven Gefühlen und Meinungen bestimmt werden. Dazu kommt, dass mit einer „postfaktischen Politik“ ein Wahrheitsbezug und Fakten zunehmend unwichtiger werden, wie eine Studie der Uni Bamberg schon 2021 erklärt hat. Was uns US-Präsident Donald Trump mit seinen Übertreibungen, Erfindungen und Lügen im Wahlkampf im vergangenen Jahr vorgemacht hat.
Es ist bekannt, dass Falschinformationen und Verschwörungsmythen zu seinem rhetorischen Werkzeugkasten zählen. Seine Lügen schaden ihm nicht, sondern er wird vielmehr mit dem Argument entlastet, dass er zumindest ehrlich sei mit dem, was er denkt und sagt. Weshalb es so absurd wie clever von ihm und seinen Gefolgsleuten ist, Geschichten zu erfinden, damit die Medien darüber berichten. Es ist eine Strategie, die auch einige Politiker im deutschen Wahlkampf für sich genutzt haben. Darum hatten die vielen Faktenchecks nach all den Duellen, Arenen und Talkformaten auch nur eine begrenzte Wirkung. Denn wenn die Taktik ist, „Medien mit Scheiße zu überfluten“, wie Trumps ehemaligen Berater Steve Bannon es nannte, dann war das Maß an Falschaussagen und Pauschalisierungen in Sachen Migration, Asyl und Abschiebung eine dieser Taktik folgende Flut.
Damit steht Deutschland jetzt da. Mit einem Wahlergebnis, das zeigt, was die Menschen in diesem Land wollen. Beziehungsweise diejenigen, die gewählt haben, weil sie durften. Was schließlich nicht für alle in Deutschland gilt.
Jetzt heißt es mal schauen, inwiefern sich die neue Regierung nach der Kompromissfindung an ihr Parteiprogramm und ihre Wahlversprechen hält. Ob sie Wort hält, von denen so viele im Wahlkampf erschreckend unmenschlich klangen. Der Anspruch an die gewählten Volksvertreter ist hoch und umso tiefer könnte der Fall sein, wenn das Vertrauen erneut gebrochen wird. Was ja passiert ist, weshalb die Demokratie laut der Bamberger Studie auch in einer „Wahrheitskrise“ steckt. Die erklärt, warum viele Menschen „der Politik“ nicht mehr vertrauen. Womit wir wieder beim Vertrauensverlust wären, der Menschen dazu bringt, sich Lügner zuzuwenden, die das sagen, was sie glauben wollen.
Es sind paradoxe Logiken, mit denen es sich zu beschäftigen gilt. Weil das System Lüge unser System zersetzt, wenn nicht verantwortungsbewusst darauf reagiert wird. Und damit ist auch die Berichterstattung gemeint. Darum richtet sich meine Frage nach der Wahl auch an Medienhäuser als vierte Gewalt. Mit welcher Art von Journalismus wollen sie der politischen Lage und einer Gesellschaft in Zukunft begegnen, wenn Fakten ihren Wert weiter verlieren? Darauf braucht es Antworten.
……………..
Die Heizungs-Lüge, Asyl-Lüge, Klima-Lüge, alles das haben die Blätter des Springer-Verlag beinahe breitgetreten. Der Springer-Verlag steht sicher nicht im Verdacht, den Sozialismus verherrlichen zu wollen.
Das ZDF wurde wegen zu offensichtlich einseitiger Berichterstattung gerügt. Verherrlicht das ZDF den Sozialismus? Da sind die aber weit davon entfernt.
Welche Seite tut sich denn damit besonders hervor?
»Wenn die Taktik ist, „Medien mit Scheiße zu überfluten“, wie Trumps ehemaligen Berater Steve Bannon es nannte, dann war das Maß an Falschaussagen und Pauschalisierungen in Sachen Migration, Asyl und Abschiebung eine dieser Taktik folgende Flut.«
Merken die Bürger, wohin sie gesteuert werden sollen? Und von wem?
Es gibt Gründe, warum Menschen an Lügen glauben. Auch in der Politik.
Von Hadija Haruna-Oelker Frankfurter Rundschau 24.2.2025
Dieser Bundestagswahlkampf war voller Lügen. Er war schmerzhaft und traurig für die Demokratie. Und das Ergebnis der Wahl wird nachwirken.
Dieser Text ist in Druck gegangen, bevor das Ergebnis feststand: mit der Sorge, darüber, dass zu viele Menschen Lügen unterstützt haben. Eine Studie der Universität von Colorado Boulder erklärt dieses Verhalten mit einer „moralischen Flexibilität“, die Menschen dabei unterstützt, unterschiedliche Maßstäbe an Politiker anzulegen. Und sich denen nah zu fühlen, die behaupten, was man selbst denkt, auch wenn sie lügen. Was im Umkehrschluss heißt, dass Menschen, die Lügner wählen, auch sich selbst belügen. Was wiederum die fatalste Lüge ist, weil man sich diese selbst eingestehen müsste.
Aber warum sollten Menschen das im postfaktischen Zeitalter voller Fake News und Desinformation tun – in dem so vieles Lüge ist? Die Heizungs-Lüge, Asyl-Lüge, Klima-Lüge. Es gibt inzwischen so viele Schlagzeilen-Lügen, die von subjektiven Gefühlen und Meinungen bestimmt werden. Dazu kommt, dass mit einer „postfaktischen Politik“ ein Wahrheitsbezug und Fakten zunehmend unwichtiger werden, wie eine Studie der Uni Bamberg schon 2021 erklärt hat. Was uns US-Präsident Donald Trump mit seinen Übertreibungen, Erfindungen und Lügen im Wahlkampf im vergangenen Jahr vorgemacht hat.
Es ist bekannt, dass Falschinformationen und Verschwörungsmythen zu seinem rhetorischen Werkzeugkasten zählen. Seine Lügen schaden ihm nicht, sondern er wird vielmehr mit dem Argument entlastet, dass er zumindest ehrlich sei mit dem, was er denkt und sagt. Weshalb es so absurd wie clever von ihm und seinen Gefolgsleuten ist, Geschichten zu erfinden, damit die Medien darüber berichten. Es ist eine Strategie, die auch einige Politiker im deutschen Wahlkampf für sich genutzt haben. Darum hatten die vielen Faktenchecks nach all den Duellen, Arenen und Talkformaten auch nur eine begrenzte Wirkung. Denn wenn die Taktik ist, „Medien mit Scheiße zu überfluten“, wie Trumps ehemaligen Berater Steve Bannon es nannte, dann war das Maß an Falschaussagen und Pauschalisierungen in Sachen Migration, Asyl und Abschiebung eine dieser Taktik folgende Flut.
Damit steht Deutschland jetzt da. Mit einem Wahlergebnis, das zeigt, was die Menschen in diesem Land wollen. Beziehungsweise diejenigen, die gewählt haben, weil sie durften. Was schließlich nicht für alle in Deutschland gilt.
Jetzt heißt es mal schauen, inwiefern sich die neue Regierung nach der Kompromissfindung an ihr Parteiprogramm und ihre Wahlversprechen hält. Ob sie Wort hält, von denen so viele im Wahlkampf erschreckend unmenschlich klangen. Der Anspruch an die gewählten Volksvertreter ist hoch und umso tiefer könnte der Fall sein, wenn das Vertrauen erneut gebrochen wird. Was ja passiert ist, weshalb die Demokratie laut der Bamberger Studie auch in einer „Wahrheitskrise“ steckt. Die erklärt, warum viele Menschen „der Politik“ nicht mehr vertrauen. Womit wir wieder beim Vertrauensverlust wären, der Menschen dazu bringt, sich Lügner zuzuwenden, die das sagen, was sie glauben wollen.
Es sind paradoxe Logiken, mit denen es sich zu beschäftigen gilt. Weil das System Lüge unser System zersetzt, wenn nicht verantwortungsbewusst darauf reagiert wird. Und damit ist auch die Berichterstattung gemeint. Darum richtet sich meine Frage nach der Wahl auch an Medienhäuser als vierte Gewalt. Mit welcher Art von Journalismus wollen sie der politischen Lage und einer Gesellschaft in Zukunft begegnen, wenn Fakten ihren Wert weiter verlieren? Darauf braucht es Antworten.
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Die Heizungs-Lüge, Asyl-Lüge, Klima-Lüge, alles das haben die Blätter des Springer-Verlag beinahe breitgetreten. Der Springer-Verlag steht sicher nicht im Verdacht, den Sozialismus verherrlichen zu wollen.
Das ZDF wurde wegen zu offensichtlich einseitiger Berichterstattung gerügt. Verherrlicht das ZDF den Sozialismus? Da sind die aber weit davon entfernt.
Welche Seite tut sich denn damit besonders hervor?
»Wenn die Taktik ist, „Medien mit Scheiße zu überfluten“, wie Trumps ehemaligen Berater Steve Bannon es nannte, dann war das Maß an Falschaussagen und Pauschalisierungen in Sachen Migration, Asyl und Abschiebung eine dieser Taktik folgende Flut.«
Merken die Bürger, wohin sie gesteuert werden sollen? Und von wem?