Im deutschen Politikbetrieb regiert beim Thema Afrika die Phrase »Chancenkontinent für die deutsche Industrie«. Das kommt vom Bundesverband der Deutschen Industrie; der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck pfiff im Dezember 2024 in Nairobi: Im Moment seien die Afrikaner ja arm, aber »sie werden reicher«. Am Mittwoch war von Johann Wadephul in Kenia zu hören: Afrika sei ein »Chancenkontinent«, auch für die deutsche Wirtschaft, aber noch nicht ausreichend wahrgenommen. Daher: »Deswegen sehen wir immer wieder, dass bedauerlicherweise ein chinesisches Engagement vor uns da ist, schneller da ist und effektiver hilft.«
Das »bedauerlicherweise« ist eine sentimentale Regung im beleidigten deutschen Kolonialsprech. Nach bald acht Jahren schrumpfender Industrieproduktion hierzulande, angesichts einbrechender Exporte und historischem Rekordüberschuss des chinesischen Außenhandels könnten sich die Afrikaner doch mal bewegen und mehr Deutsches kaufen. Aber es bleibt, wie es war: Auf Afrika entfallen seit Jahrzehnten um die zwei Prozent des deutschen Außenhandels, und das meiste davon machen Erdölimporte aus. Am Beispiel Kenia: 2024 Exporte im Umfang von 142 Millionen US-Dollar nach Deutschland, Importe von dort für 324 Millionen US-Dollar. Exporte nach China 2024: knapp 200 Millionen US-Dollar, Importe: 4,31 Milliarden US-Dollar. Am Donnerstag vergangener Woche schlossen China und Kenia zudem einen Vorvertrag über Zollfreiheit. Überhaupt führt China mit allen 53 Staaten Afrikas, mit denen es diplomatische Beziehungen hat, Freihandel ein. Kenias Freihandelsabkommen mit der EU trat bereits 2024 in Kraft, das heißt, China war nicht schneller. Handelt aber offenbar in einer anderen Liga, obwohl Kenia politisch stets an der Seite des Westens stand und steht.
Dem deutschen Kapital reicht das Geschwätz des politischen Personals langsam. Am 13. Januar knurrte der »Afrikaverein der deutschen Wirtschaft«: »Entwicklungspolitik ist längst Geoökonomie. Doch wer strategisch sein will, muss wirtschaftlich liefern – nicht nur formulieren.« Wadephul bleibt beim »Chancenkontinent«. Hoffnungslos.
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Die westliche Welt will unsere Produkte nicht mehr kaufen und jetzt will auch Afrika unsere Überproduktion mit dankbaren Blicken nicht mehr abnehmen.
Was läuft da schief? Was ist da viele Jahre schief gelaufen?
Wurde da etwas übersehen?
Und sich dann noch von einem Verein der deutschen Wirtschaft, für die man ja nun wirklich alles macht, beschimpfen lassen, das tut weh.
Aber es ist nun mal so, wer nur den Börsenkurs im Blick hat und die Gewinne anlegerfreundlich ausschüttet statt zukunftsträchtig zu investieren, der wird irgendwann gnadenlos überholt.
Auch in der deutschen Wirtschaft weiß man ja, das Geschäft nimmt keine Rücksicht. Die hatte man viele Jahre auch nicht.
Im deutschen Politikbetrieb regiert beim Thema Afrika die Phrase »Chancenkontinent für die deutsche Industrie«. Das kommt vom Bundesverband der Deutschen Industrie; der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck pfiff im Dezember 2024 in Nairobi: Im Moment seien die Afrikaner ja arm, aber »sie werden reicher«. Am Mittwoch war von Johann Wadephul in Kenia zu hören: Afrika sei ein »Chancenkontinent«, auch für die deutsche Wirtschaft, aber noch nicht ausreichend wahrgenommen. Daher: »Deswegen sehen wir immer wieder, dass bedauerlicherweise ein chinesisches Engagement vor uns da ist, schneller da ist und effektiver hilft.«
Das »bedauerlicherweise« ist eine sentimentale Regung im beleidigten deutschen Kolonialsprech. Nach bald acht Jahren schrumpfender Industrieproduktion hierzulande, angesichts einbrechender Exporte und historischem Rekordüberschuss des chinesischen Außenhandels könnten sich die Afrikaner doch mal bewegen und mehr Deutsches kaufen. Aber es bleibt, wie es war: Auf Afrika entfallen seit Jahrzehnten um die zwei Prozent des deutschen Außenhandels, und das meiste davon machen Erdölimporte aus. Am Beispiel Kenia: 2024 Exporte im Umfang von 142 Millionen US-Dollar nach Deutschland, Importe von dort für 324 Millionen US-Dollar. Exporte nach China 2024: knapp 200 Millionen US-Dollar, Importe: 4,31 Milliarden US-Dollar. Am Donnerstag vergangener Woche schlossen China und Kenia zudem einen Vorvertrag über Zollfreiheit. Überhaupt führt China mit allen 53 Staaten Afrikas, mit denen es diplomatische Beziehungen hat, Freihandel ein. Kenias Freihandelsabkommen mit der EU trat bereits 2024 in Kraft, das heißt, China war nicht schneller. Handelt aber offenbar in einer anderen Liga, obwohl Kenia politisch stets an der Seite des Westens stand und steht.
Dem deutschen Kapital reicht das Geschwätz des politischen Personals langsam. Am 13. Januar knurrte der »Afrikaverein der deutschen Wirtschaft«: »Entwicklungspolitik ist längst Geoökonomie. Doch wer strategisch sein will, muss wirtschaftlich liefern – nicht nur formulieren.« Wadephul bleibt beim »Chancenkontinent«. Hoffnungslos.
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Was läuft da schief? Was ist da viele Jahre schief gelaufen?
Wurde da etwas übersehen?
Und sich dann noch von einem Verein der deutschen Wirtschaft, für die man ja nun wirklich alles macht, beschimpfen lassen, das tut weh.
Aber es ist nun mal so, wer nur den Börsenkurs im Blick hat und die Gewinne anlegerfreundlich ausschüttet statt zukunftsträchtig zu investieren, der wird irgendwann gnadenlos überholt.
Auch in der deutschen Wirtschaft weiß man ja, das Geschäft nimmt keine Rücksicht. Die hatte man viele Jahre auch nicht.