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Gysi und seine Linke

Von Harvey11 Montag 14.10.2024, 14:55

In der heutigen Frankfurter Rundschau findet sich ein Interview mit Gregor Gysi über seine Partei, Die Linke. Hier ein ein paar Auszüge, die mir auffallen.

Der Vorwurf vom BSW lautet ja, die Linke habe sich zuletzt vor allem um die Interessen von „Lifestyle-Eliten“ in den Großstädten gekümmert und nicht mehr um die Belange der arbeitenden Bevölkerung.
»An dieser Kritik ist etwas dran. Im Zentrum linker Politik müssen wieder die Interessen der Arbeitnehmer und Angestellten stehen.«

Glauben Sie, dass die Linke noch einmal zurückkommen kann? Und was muss dafür geschehen?
»Wir haben jetzt unseren Bundesparteitag in Halle ab 18. Oktober. Dort muss eine Aufbruchstimmung erzeugt werden. Dort muss Leidenschaft vermittelt werden. Die Partei muss sechs wichtige Themen definieren, um die sie sich vorrangig kümmern muss. Wir müssen überhaupt wieder die Kümmerer-Partei werden. Wir müssen uns um die Rentnerinnen und Rentner kümmern. Wir müssen uns um den Osten kümmern. Wir müssen dort der AfD entgegentreten. Und wir müssen uns mit dem BSW auseinandersetzen! Sahra hat ja gesagt, dass sie nicht links ist. Und das, obwohl sie mal Vorsitzende der Kommunistischen Plattform war. Das finde ich bemerkenswert. Wir müssen als Linke diesen Weg gehen, dann werden wir bei der Bundestagswahl in knapp einem Jahr wieder über die Fünf-Prozent-Hürde kommen. Wenn wir aber rausfliegen aus dem Bundestag, dann wäre dies gravierend: Dann gibt es dort keine linken Argumente mehr. Dann würde die politische Diskussion sich verengen. Und wir würden bundesweit keine Rolle mehr spielen. Das darf nicht geschehen.«

Sie sagten vorhin, die Linke müsse sich künftig auf sechs Kernthemen konzentrieren. Welche Themen sind das?
» (….)Sechstens: die Gleichstellung von Ost und West.«

Diese Gleichstellung ist auch 35 Jahre nach dem Fall der Mauer nicht erreicht.
»Ganz im Gegenteil. Tatsächlich entwickeln sich beide Teile des Landes gerade weiter auseinander. Und es ist im Osten bei vielen Menschen auch eine Daffke Haltung entstanden. Sie wollen sich nicht vom Westen vorschreiben lassen, was sie zu wählen haben. Deshalb wählen sie gerade erst recht AfD. Sie wollen die etablierten Parteien treffen. Die haben tatsächlich den Osten immer vernachlässigt. Die haben sich nicht für das Leben in der DDR interessiert. Die DDR wurde reduziert
auf die Mauer, die Staatssicherheit und die SED. Es gab dort aber mehr Positives als nur das Ampelmännchen. Es gab eine deutlich bessere Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Es gab gute Kindereinrichtungen. Und sehr früh schon eine Behalte-Gesellschaft statt einer Wegwerf-Gesellschaft wie im Westen.«

Ist diese Ungleichbehandlung der Menschen in Ost und West eine Triebfeder dafür, AfD zu wählen?

»Ja natürlich. Die AfD beutet diese Zustände populistisch aus. Und auch Sahra Wagenknecht tut das. Das Schlimme ist, dass die Unterschiede zwischen Ost und West zum Beispiel im Deutschen Bundestag als Thema überhaupt kaum eine Rolle spielen. Und wenn überhaupt, dann kommt das ganz hinten auf die Tagesordnung, so unter Punkt 14c. Man müsste einen parteiübergreifenden Arbeitskreis gründen von Politkern von der CSU bis zur Linken, der sich um dieses Thema kümmert.

Spielt nicht auch das Gefühl, gekränkt
zu werden, eine Rolle beim Wahlverhalten der Menschen in Ostdeutschland?

»Ja, sicherlich. Die Menschen im Osten fühlen sich missbraucht, zu Recht. Nach der Wende wurden Leute aus der zweiten und dritten Reihe aus dem Westen als Führungskräfte in den Osten exportiert. Bei den Menschen im Osten existiert das Gefühl der Benachteiligung mittlerweile in der zweiten und dritten Generation, es wurde von den Großeltern über die Eltern an die Kinder weitergegeben.

So viel aus dem Interview. Der gute Gregor drückt hier elegant weg, dass nicht wenige Mitglieder seiner Partei diese auf dem Weg Richtung SPD und ihn als so eine Art Gerhard Schröder gesehen haben. Das gibt er ja zu, indem er Sahra Wagenknecht bestätigt die geschrieben hat, dass die Linke sich zuletzt vor allem um die Interessen von „Lifestyle-Eliten“ in den Großstädten gekümmert und nicht mehr um die Belange der arbeitenden Bevölkerung gekümmert hat. Eine späte Einsicht.
Die Gleichstelllung von Ost und West? Die interessiert im Westen tatsächlich keinen. Dort wird immer noch Dankbarkeit gefordert.
Und Sahra Wagenknecht keine Linke mehr? Das dürfte ihn nicht wundern. Sie hat, genau wie SPD und Grüne kapiert, welches Lied hier gepfiffen werden muss um mitspielen zu dürfen. Seine Linke wollte ja auch, aber die hatte einen kleinen Geburtsfehler, es war die falsche Seite. Braun hätte nicht geschadet.
Darum will die Linke wieder die sozialen, linken Ideen für sich entdecken.
Was bleibt ihr sonst auch übrig? Die selbsternannte Mitte reicht von der SPD bis zur AfD. Die linke Ecke ist frei. Die will keine beziehen, denn das gibt nur Ärger mit den Wirtschaftsverbänden.
Jetzt muss Gysi eben warten, ob sich auch seine Partei besinnt und mitzieht.

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