Ganz Europa lechzt wieder einmal nach deutscher Führung.
Wirklich Herr Merz?
Im Juni 1878 trafen sich die Vertreter der europäischen Großmächte in Berlin, um den Dauerstreit zwischen Russland und dem Osmanischen Reich beizulegen. Die Russen forderten einen Zugang zum Mittelmeer, die Türken weigerten sich, ihre europäischen Kolonien aufzugeben. Großbritannien wollte ohne die störende russische Konkurrenz weiter seinen Geschäften in Asien nachgehen. Frankreich und Österreich-Ungarn sorgten sich um ihren Einfluss auf dem Balkan. Nur Deutschland gab vor, keinerlei Interessen zu verfolgen, sondern allein der Hebung der Moral zu dienen.
Der Gastgeber des Berliner Kongresses, Otto vom Bismarck, inszenierte sich dabei als „ehrlicher Makler“ zwischen den imperialen Interessen. Das erst wenige Jahre zuvor gegründete Deutsche Reich wollte kein Misstrauen der Nachbarn vor dem neuen Schwergewicht in der Mitte Europas wecken.
„Außenkanzler“ Bismarck machte in Berlin hervorragenden Job – das glauben viele bis heute. Denn im Windschatten des russisch-türkischen Konflikts konnte sich Deutschland stillschweigend als Großmacht etablieren. Alle waren zufrieden, nur die Russen waren sauer. So sehr, dass Zar Alexander II. seinen berühmten „Ohrfeigenbrief“ an Kaiser Wilhelm I. schrieb. Das deutsch-russische Verhältnis war zerstört, die Russen fühlten sich von Deutschland gedemütigt. Bismarck hatte den Grundstein für den Ersten Weltkrieg gelegt.
Anfang dieser Woche tagten die Großmächte wieder in Berlin, doch das Verhältnis zu Russland muss gar nicht mehr zerstört werden, es ist längst zerrüttet. Wie damals nutzten Bundeskanzler und Möchtegern-Bismarck Friedrich Merz den russischen Krieg, um in dessen Windschatten Deutschland als neue Großmacht zu etablieren. Die Gelegenheit dafür ist günstig. Denn anders das nach der Wiedervereinigung, als Frankreich und Großbritannien heftigen Widerstand gegen ein „deutsches Europa“ leisteten, blicken jetzt alle ehrfürchtig zum Berliner Kanzleramt, das sich als Bollwerk gegen ein aggressives Russland feiert.
Die Begleit-Propaganda wird jedenfalls nicht müde, zu behaupten, dass vor allem Balten und Osteuropäer eine deutsche Führungsrolle geradezu herbeisehnen, also müssten die friedliebenden Deutschen endlich über ihren pazifistischen Schatten springen und als „Großmacht wider Willen“ fungieren. So kaschiert man eigene Machtansprüche.
Deutschland will nicht nur „die größte konventionelle Streitmacht Europas“ aus dem Boden stampfen, Vordenker wie der Unions-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn plädieren auch schon für eine „deutsche Atombombe“. Denn ohne Nuklearschild sei man Russland ausgeliefert. Aber wie sollen die Deutschen an diese Wunderwaffe gelangen? Das geht nur, wenn man die akute Bedrohung durch Russland mit allen zur Verfügung stehenden Medienmitteln unablässig ins Bewusstsein der Europäer hämmert.
Ohne den Rückhalt der USA kann aus den deutschen Großmachtträumen freilich (vorerst) nichts werden. Das weiß Friedrich Merz sehr genau. Da seine Zunge oft schneller als seine Vorsicht ist, entfleucht dem „ehrlichen Makler“ bisweilen die ungeschminkte Wahrheit. Mit Blick auf die neue nationale Sicherheitsstrategie appelliert Merz an die USA, künftig ganz auf Deutschland zu setzen.
Die Unterstützung der Ukraine ist nicht deshalb Deutschlands oberste Priorität, weil der schwarz-roten Regierung das Wohlergehen der Ukrainer so am Herzen liegt. Der Krieg in der Ukraine ist einfach die ideale Gelegenheit, um ohne größere Widerstände ein deutsches Europa aufzubauen.
Der Freitag, 18.12.2025
Da kann man eigentlich nur hoffen, dass unsere europäischen Nachbarn und auch die die USA kräftig auf unsere Finger klopfen und den Politikern ihre atomaren Großmachtsfantasien austreiben.
Es langt schon, dass uns Merz an die USA verkaufen will. Denn was sonst bedeutet das: Mit Blick auf die neue nationale Sicherheitsstrategie appelliert Merz an die USA, künftig ganz auf Deutschland zu setzen.
Ganz Europa lechzt wieder einmal nach deutscher Führung.
Wirklich Herr Merz?
Im Juni 1878 trafen sich die Vertreter der europäischen Großmächte in Berlin, um den Dauerstreit zwischen Russland und dem Osmanischen Reich beizulegen. Die Russen forderten einen Zugang zum Mittelmeer, die Türken weigerten sich, ihre europäischen Kolonien aufzugeben. Großbritannien wollte ohne die störende russische Konkurrenz weiter seinen Geschäften in Asien nachgehen. Frankreich und Österreich-Ungarn sorgten sich um ihren Einfluss auf dem Balkan. Nur Deutschland gab vor, keinerlei Interessen zu verfolgen, sondern allein der Hebung der Moral zu dienen.
Der Gastgeber des Berliner Kongresses, Otto vom Bismarck, inszenierte sich dabei als „ehrlicher Makler“ zwischen den imperialen Interessen. Das erst wenige Jahre zuvor gegründete Deutsche Reich wollte kein Misstrauen der Nachbarn vor dem neuen Schwergewicht in der Mitte Europas wecken.
„Außenkanzler“ Bismarck machte in Berlin hervorragenden Job – das glauben viele bis heute. Denn im Windschatten des russisch-türkischen Konflikts konnte sich Deutschland stillschweigend als Großmacht etablieren. Alle waren zufrieden, nur die Russen waren sauer. So sehr, dass Zar Alexander II. seinen berühmten „Ohrfeigenbrief“ an Kaiser Wilhelm I. schrieb. Das deutsch-russische Verhältnis war zerstört, die Russen fühlten sich von Deutschland gedemütigt. Bismarck hatte den Grundstein für den Ersten Weltkrieg gelegt.
Anfang dieser Woche tagten die Großmächte wieder in Berlin, doch das Verhältnis zu Russland muss gar nicht mehr zerstört werden, es ist längst zerrüttet. Wie damals nutzten Bundeskanzler und Möchtegern-Bismarck Friedrich Merz den russischen Krieg, um in dessen Windschatten Deutschland als neue Großmacht zu etablieren. Die Gelegenheit dafür ist günstig. Denn anders das nach der Wiedervereinigung, als Frankreich und Großbritannien heftigen Widerstand gegen ein „deutsches Europa“ leisteten, blicken jetzt alle ehrfürchtig zum Berliner Kanzleramt, das sich als Bollwerk gegen ein aggressives Russland feiert.
Die Begleit-Propaganda wird jedenfalls nicht müde, zu behaupten, dass vor allem Balten und Osteuropäer eine deutsche Führungsrolle geradezu herbeisehnen, also müssten die friedliebenden Deutschen endlich über ihren pazifistischen Schatten springen und als „Großmacht wider Willen“ fungieren. So kaschiert man eigene Machtansprüche.
Deutschland will nicht nur „die größte konventionelle Streitmacht Europas“ aus dem Boden stampfen, Vordenker wie der Unions-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn plädieren auch schon für eine „deutsche Atombombe“. Denn ohne Nuklearschild sei man Russland ausgeliefert. Aber wie sollen die Deutschen an diese Wunderwaffe gelangen? Das geht nur, wenn man die akute Bedrohung durch Russland mit allen zur Verfügung stehenden Medienmitteln unablässig ins Bewusstsein der Europäer hämmert.
Ohne den Rückhalt der USA kann aus den deutschen Großmachtträumen freilich (vorerst) nichts werden. Das weiß Friedrich Merz sehr genau. Da seine Zunge oft schneller als seine Vorsicht ist, entfleucht dem „ehrlichen Makler“ bisweilen die ungeschminkte Wahrheit. Mit Blick auf die neue nationale Sicherheitsstrategie appelliert Merz an die USA, künftig ganz auf Deutschland zu setzen.
Die Unterstützung der Ukraine ist nicht deshalb Deutschlands oberste Priorität, weil der schwarz-roten Regierung das Wohlergehen der Ukrainer so am Herzen liegt. Der Krieg in der Ukraine ist einfach die ideale Gelegenheit, um ohne größere Widerstände ein deutsches Europa aufzubauen.
Der Freitag, 18.12.2025
Da kann man eigentlich nur hoffen, dass unsere europäischen Nachbarn und auch die die USA kräftig auf unsere Finger klopfen und den Politikern ihre atomaren Großmachtsfantasien austreiben.
Es langt schon, dass uns Merz an die USA verkaufen will. Denn was sonst bedeutet das: Mit Blick auf die neue nationale Sicherheitsstrategie appelliert Merz an die USA, künftig ganz auf Deutschland zu setzen.