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Gestohlenes Getreide? Egal!

Von ehemaliges Mitglied Montag 11.07.2022, 13:45

Hauptsache, schmeckt!

Der russische Präsident Wladimir Putin führt nicht nur Krieg gegen die Ukraine, sondern bestiehlt das Land auch noch. Aus den besetzten Gebieten im Osten und Süden klaut Russland tonnenweise Getreide und verschifft es illegal. Die Abnehmer greifen gern zu - auch, weil sie keine andere Wahl haben.

Anfang Juli hält die Türkei tagelang den russischen Frachter "Zhibek Zholy" im türkischen Hafen Karasu im Schwarzen Meer fest. Das Schiff ist vollbeladen mit Getreide - der Generalstaatsanwalt von Kiew spricht von bis zu 7000 Tonnen. Es soll aus der Ukraine stammen und von russischen Truppen gestohlen worden sein. Die ukrainische Regierung drängt die türkische, dass sie die Ladung beschlagnahmt und der Ukraine zurückgibt. Das ist aber anscheinend nicht passiert. Der Frachter hat den Hafen Karasu mittlerweile wieder verlassen. Nachdem es im Schwarzen Meer seinen Signalsender abgeschaltet hatte, ist es derzeit in Richtung Russland unterwegs. Was aus dem Getreide wird, ist unklar.

Bereits seit einigen Monaten wirft die Ukraine Russland vor, ukrainisches Getreide zu stehlen und exportieren. Die "Zhibek Zholy" unter russischer Flagge könnte der erste sichtbare Beweis dafür sein.
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Ukrainisches Getreide über Russland exportiert

Stephan von Cramon-Taubadel beobachtet bereits seit einiger Zeit, dass Moskau mehr Getreide als üblich verkauft. "In russischen Getreidehändlerberichten, die ich zugespielt bekomme, ist die Rede von diesem sogenannten SMO-Getreide, special military operations-Getreide, aus den von Russland besetzten Gebieten im Süden und Osten der Ukraine", sagt der Professor für Agrarpolitik der Universität Göttingen im ntv-Podcast "Wieder was gelernt".

In diesen Hauptproduktionsgebieten für Weizen seien große Getreidemengen entwendet worden. "Dieses Getreide wird vermutlich über Russland exportiert. Welchen Weg es genau geht, wissen wir nicht, aber die russischen Exportmengen sind dadurch größer geworden", so von Cramon-Taubadel.
Russische Besetzer geben Getreidediebstähle zu

Dass Russland Getreide aus der Ukraine stiehlt, ist ein offenes Geheimnis. Tonnenweise klauen die Angreifer Weizen und Co. aus den besetzten Gebieten und verkaufen es weiter. Mindestens eine halbe Million Tonnen sollen die russischen Truppen schon gestohlen haben, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Vereinten Nationen sprechen sogar von 700.000 Tonnen.

In Berichten russischer Händler werde offen darüber gesprochen, dass das aus der Ukraine gestohlene Getreide den Exportüberschuss Russlands künstlich erhöhe, sagt Agrarprofessor Stephan von Cramon-Taubadel.

Die russische Regierung in Moskau sagt zwar, dass das nicht stimmt. Aber die russischen Verwaltungen in der Ukraine gehen ganz offen damit um. Die Besetzer der Gebiete im Süden und Osten des Landes haben schon zugegeben, dass sie gestohlenes Getreide per Zug oder LKW auf die Krim bringen. Von dort wird es verschifft und ins Ausland verkauft, sagt die russische Krim-Regierung. Unter anderem der Irak und Saudi-Arabien sollen zu den Kunden gehören.

"Man hört nicht nur von russischen Exporten nach Ägypten und Syrien, sondern in den letzten Wochen und Monaten auch nach Iran, Libyen, Türkei und Algerien. Das Getreide wird einfach dringend benötigt momentan. Wir kaufen in Deutschland auch weiterhin russisches Gas. Zu sehr zu moralisieren, das ist ein bisschen schwierig in dieser Situation", gibt von Cramon-Taubadel zu bedenken.

Allein Syrien soll etwa 100.000 Tonnen gestohlenes Getreide aus der Ukraine bekommen haben, heißt es von der ukrainischen Botschaft in Beirut. Allerdings ist das Bürgerkriegsland militärisch abhängig von Russland und wird daher kaum hinterfragen, woher das Getreide wirklich kommt, betont der Agrarexperte.

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