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Gegendemos in Budapest verboten

Von Feierabend-Mitglied Montag 16.02.2026, 11:07 – geändert Montag 16.02.2026, 11:11

in diesem Jahr. Und so konnten Neonazis ungestört agieren mit Hakenkreuzen, SS-Runen etc. Es geht um den alljährlichen Neonazi-Aufmarsch am "Tag der Ehre", Motto: der ungarischen und deutschen Soldaten zu gedenken, die im Zweiten Weltkrieg zweieinhalb Monate lang heldenhaft Budapest gegen die bolschewistische Rote Armee verteidigten"

"So laden die Organisatoren der "Ausbruch Tour" auf ihrer Homepage jedes Jahr nach Budapest zu einer 60 Kilometer langen Wanderung von der Budaer Burg bis hinaus in das kleine Dorf Szomor.
Wen dieses Event aber anzieht, zeigt sich an diesem bewölkten Samstag im Februar. Auf dem ruhigen, nördlichen Teil, dem Kapisztrán-Platz, bildet sich eine hunderte Meter lange Schlange. Männer in nachgeschneiderten Wehrmachtsuniformen mit Reichsadlern und SS-Runen, neben Skinheads in Bomberjacken, neben Wanderern in Funktionsjacken mit Trekkingstöcken. Auf T-Shirts sieht man "White Pride" und "Die Alte Garde", auf Jacken die schwarze Sonne. Eine Helferin brüllt über die Menge: "Alle zu den 60 Kilometern links anstellen!"

Die meisten Teilnehmenden vermummen sich mit Tüchern bis unter die Augen, Kameras gibt es hier genug. "Mach dich ab!", geht ein junger Mann mit ostdeutschem Akzent einen Journalisten an, der näher kommt, und bedrängt ihn mit seiner eigenen Kamera. Neben ihm lacht ein Freund, gekleidet als originalgetreuer Wehrmachtsoldat.

DER STANDARD hat sich unter die Wandernden gemischt, um zu dokumentieren, was passiert, wenn eines von Europas größten Neonazi-Treffen ungestört stattfindet.

Seit 1997 kommen jedes Jahr im Februar Rechtsextreme aus ganz Europa in die ungarische Hauptstadt zum sogenannten "Tag der Ehre", um 1945 gefallener Nazi-Soldaten zu "gedenken". Die "Ausbruch Tour" ist ein zentraler Programmpunkt, offiziell als privates Sportevent deklariert und organisiert von rechtsextremen Netzwerken wie Légió Hungária, Blood & Honour und dem Tour-Organisator Börzsöny Akciócsoport.

Bevor es von der Burg hinunter und Richtung Berge stadtauswärts geht, zahlt jeder Teilnehmende beim Start umgerechnet zehn Euro und bekommt einen "Wanderpass" – ein kleines Heft, in das an Stationen entlang der 60 Kilometer langen Route Stempel gedrückt werden. Wie bei einer Schnitzeljagd, nur werden die Stempel NS-Symbole zeigen.

Die Stimmung auf dem Weg hinunter wird immer gelöster, eine Frau in unauffälliger, dunkler Funktionskleidung erklärt ihrer Begleitung, sie habe versucht, den Medien klarzumachen, es gehe hier nur um historisches Gedenken.

Auch die Gruppe junger, militärisch gekleideter Ostdeutscher – zwei davon mit Stahlhelmen – wird etwas unterhalb der Burg in einem Park offener. Als ein Polizeihund am Wegrand bellt, sagt einer: "Es riecht wohl nach Zigeuner hier." Sie lachen. "Na ja, sind auch wenige Deutsche um uns herum." Er wüsste seit dem Vortag, wo in der Stadt "die Kanacken" seien, sagt einer.

Ein Läufer rennt an der Gruppe vorbei. "Der macht es wohl in sechs Stunden", kommentiert einer der Gruppe. "Aber wir gehen. Wir wollen nette Leute kennenlernen und netzwerken."

Danach wird es ruhiger auf der Strecke, die Gruppen ziehen sich etwas auseinander. Bis es plötzlich wieder laut wird. Am Stadtrand, in einer Wohnstraße, hat die ungarische rechtsextreme Partei "Mi Hazánk" einen großen Wagen mit Bannern aufgestellt. Heroische Musik dröhnt aus aufgestellten Lautsprechern, Helfende verteilen Flyer, Kugelschreiber, Kühlschrankmagneten und Weckerl. Über ein Mikrofon wünscht ein Mann eine "wunderbare Ausbruchtour".

Die Organisatoren der Wanderung erklären, die Veranstaltung sei nicht politisch, Äußerungen dahingehend nicht erlaubt. Wer sich auf der Strecke umsieht, bekommt aber das Gegenteil zu sehen. Da ist etwa ein junger Mann im Militärkostüm und Stahlhelm, Aufschrift: "Der dritte Weg" – eine neonazistische Kleinpartei in Deutschland. Ein anderer trägt eine Jacke der Partei mit dem Aufdruck: "National, revolutionär, sozialistisch." Auch die "Junge Nationale" ist auf T-Shirts und Rucksäcken zu sehen.

An der ersten Stempelstation neben einer kleinen Kirche wartet ein Mann in voller SS-Offiziersuniform und Gewehr in den Händen. Teilnehmende stellen sich für ein gemeinsames Foto an, wie bei einer Touristenattraktion.

Man solle aber direkt weitermarschieren, sagen die Ordner. Es folgt ein Weg neben Bahngleisen, ein alter Zug zieht vorbei. Ein deutschsprachiger Wanderer erklärt seinem Begleiter etwas über die Streckennetze in Osteuropa, die im 19. Jahrhundert gebaut wurden. "Das hat er schon gut gemacht, der Jude", sagt der Mann, ein Edelweiß-Abzeichen am Rucksack. Überhaupt sei er lieber in Osteuropa als im Westen – wegen der "Islamisierung". "Das haben wir uns selber eingebrockt", ist sich der Edelweiß-Wanderer sicher.

Kurz darauf, vor einem Waldeingang, wird es dichter. Viele pausieren und holen ihre Stirnlampen heraus. Sie sind Pflicht für die Strecke durch die Nacht.

Das erste Grabmal taucht im Schein der Lampen auf, umgeben von Dutzenden Grabkerzen. Manche legen selbst Kerzen ab. Ein Mann in voller Wehrmacht-Montur posiert kerzengerade und salutiert. Bei einem Gruppenfoto reckt ein anderer den Arm zum Hitlergruß.

Dann geht es Kilometer für Kilometer durch die Dunkelheit. Bergauf, bergab, Matsch unter den Stiefeln. Die Leute reden weniger, die Kälte kriecht in die Kleidung, die Wege werden schmaler. Immer wieder Grabdenkmäler am Wegrand: "Unbekannter ungarischer Soldat, 1945."

Den nächsten Checkpoint hört man schon aus der Ferne, aus einer Box dröhnt Militärmusik, die Szenerie dazu erstaunt viele: Eine große rote Hakenkreuzflagge ist zwischen zwei Bäumen aufgespannt. Die meisten, die hier kreuzen, posieren doch noch für ein Foto, eine junge Frau zückt die Selfie-Kamera für sie und ihre Familie.

Bei der nächsten Station hat ein Museum Schusswaffen bereitgestellt, nicht funktionsfähig, aber echt genug zum Posieren. Ein Jugendlicher hält eine der Waffen in die Kamera.

Kurz vor Kilometer 25 geht es noch einmal steil bergauf. Auf einem abgelegenen Hügel zwischen Bäumen, Feldzelten und Feuertonnen endet die Strecke für jene, die nur die kürzere Distanz gebucht haben. Der Stempelstand hier ist mit T-Shirts mit SS-Zeichen "geschmückt", im Hintergrund wieder eine Hakenkreuzflagge.

Männer in SS-Uniformen stempeln die Pässe ab, ein Radio im Stil aus dem Zweiten Weltkrieg untermalt das Ganze mit martialischen Tönen. Die einen feiern hier ihren Abschluss, die anderen haben noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Sie werden die ganze Nacht bis in die frühen Morgenstunden weiterwandern. Aufhalten wird sie niemand.

Vor allem kein Gegenprotest, der bisher jedes Jahr von linken Demonstrierenden ebenfalls auf der Burg abgehalten wurde. Das ist seit diesem Jahr anders.


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