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Gängelei zur Plackerei

Von Harvey11 Donnerstag 29.01.2026, 11:30 – geändert Donnerstag 29.01.2026, 11:40

Flexibilisierung der Arbeitszeit

Der Kanzler befiehlt seinem Volk: »Wir müssen mehr arbeiten.« Fragt sich: warum eigentlich? Zu welchem Ende? Für wen? Bevor passende Antworten auch nur erwogen werden können, reiten Regierung und Unionsparteien eine Attacke nach der anderen auf das Arbeitsrecht. In der angezettelten Debatte um den Krankenstand und die telefonische Krankschreibung klingt die Unterstellung an, die Nation sei eine von Blaumachern. Teile der CDU fordern die Abschaffung des Rechts auf Teilzeit, weil sich dahinter nichts als die persönliche Sorge um den eigenen Lifestyle verberge. Jetzt folgt der Angriff auf die bisherige Arbeitszeitbeschränkung.

Gelegentlich der Verabschiedung einer Nationalen Tourismusstrategie durch das Bundeskabinett hieß es aus den Reihen der Regierungsparteien, das Arbeitsministerium werde in den kommenden Monaten einen Entwurf zur »Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes« vorlegen, wonach zukünftig eine wöchentliche statt eine tägliche Höchstarbeitszeit gelten soll. Damit könnte Arbeitstage von bis zu 13 Stunden möglich werden. Lapidarer Satz aus der Agenturmeldung: »Die Tourismusbranche begrüßte dies.«

Der wissenschaftliche Apparat der Gewerkschaften allerdings hat schon im vergangenen Frühjahr auf Risiken für die psychische und körperliche Gesundheit aufmerksam gemacht: vermehrte Unfallgefahr, Burnout, Schlaganfall, Krebs.

Begründet wird die Gängelei zu mehr Plackerei, die den früheren Tod und – Achtung! – einen höheren Krankenstand verspricht, also mit der Behauptung, es werde zuwenig gearbeitet. Gleichgültig, dass Studien zufolge die Produktivität nach acht Stunden sinkt, die Fehleranfälligkeit hingegen steigt. Und macht gar nichts, dass gemessen an geschwächter Nachfrage eher zuviel gearbeitet wird, denn darum geht es gar nicht. Die Ziele sind die alten: erstens die absolute (länger arbeiten) und relative (produktiver, also intensiver arbeiten) Mehrwertrate erhöhen, zweitens das Arbeitskräfteangebot vergrößern, um Druck auf die Löhne auszuüben.

Die Gewerkschaften haben angedeutet, dass eine Abschaffung des Achtstundentags für sie nicht verhandelbar sei. Kommt es zur Arbeitszeitverlängerung per Gesetz, wird man die Gewerkschaften an diese Haltung erinnern müssen. Bleibt es dann bei müden Aktionen, darf man über den weiteren Nutzen dieser Organisationen nachzudenken beginnen.


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Wer noch rechnen kann kann feststellen, dass eine Erhöhung der Arbeitszeit bei unverändertem Lohn einer Lohnsenkung gleichkommt.
So ganz direkt will man ja die Löhne nicht senken. Aber über die Arbeitszeit geht das ja auch. Vielleicht merkt es keiner. Zur Ablenkung kann man ja eine alte Serie zu zehnen Mal im Ersten oder ZDF wiederholen.
Ja die Sache mit der Chancengleichheit auf dem Markt. Da steht man ja in Konkurrenz mit so vielen anderen. Dürfen die das eigentlich?
Irgendwie hat man uns doch diesen tollen Kapitalismus ganz anders vorgestellt. Solche Arbeits- und Lebensverhältnisse gab es doch nur drüben.
Der Markt richtet alles. Wie man sieht kann er manche auch hinrichten.
Und die Gewerkschaften?
Noch gut in Erinnerungen habe ich noch die Reden zum1. Mai, in denen gegen die damals regierende SPD gewettert wurde und dann zur Wahl dieser gescholtenen SPD aufgerufen wurde.
Sollte sich daran etwas geändert haben?
Nicht umsonst üben Bundeswehr und Polizei gemeinsam und sollen die Dienste mehr Macht bekommen. Der Hauptfeind sind ja neben Russland die Linken.
Der Schock der Montagsdemos scheint auch hier noch tief zu sitzen.

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