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Freiheit kommt nicht aus Raketen

Von Harvey11 22.06.2025, 13:13

Von außen betrachtet wirkt es fast wie Hohn: In einer Ansprache wandte sich der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu am Samstag direkt an das „stolze iranische Volk“. Es sei nun an der Zeit, dass dieses sich erhebe. Die IDF bombt – und die Iraner sollen gefällig gleich mitstürzen. Es klingt wie eine Mischung aus militärischem Größenwahn und völliger Ignoranz gegenüber der Realität im Land.
Denn der Aufstand, den Netanjahu einfordert, ist längst da. Er hat Gesichter, Namen, Gefängnisakten. Seit Jahrzehnten protestieren die Menschen im Iran gegen das autoritäre Regime. Ihr Einsatz ist der mutigste, stärkste und effektivste Kampf gegen die Islamische Republik. Hunderttausende gingen auf die Straße, Frauen verbrannten ihre Hijabs, Jugendliche riefen „Tod dem Diktator“. Viele von ihnen wurden erschossen, gefoltert, hingerichtet. Wer behauptet, sie hätten ihre „Chance“ bislang verpasst, blendet bewusst aus, wie brutal dieser Staat jeden Funken Widerstand niederschlägt.
Auch nach dem völkerrechtswidrigen Angriff am Freitag bombardiert die Islamische Republik nicht nur Israel und tötet zahlreiche Zivilisten, sondern setzt gleichzeitig auch ihre Repressalien im Iran fort – unter dem Vorwand der „nationalen Sicherheit“. Die Aktivistin Motahareh Goonei, die selbst bereits während der „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste im Jahr 2022 inhaftiert gewesen ist, schrieb auf X, dass sie mehrfach von unbekannten Nummern angerufen wurde. Sie forderte Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung – und wurde noch am selben Tag festgenommen.
Dutzend weitere wurden inhaftiert, darunter eine pensionierte Lehrerin, kurdische Oppositionelle, Social-Media-Nutzer. In der Provinz Demnan wurden laut staatlicher Medien 21 Menschen verhaftet, weil sie sich „falsch“ zum Krieg geäußert hätten. Am Montag dann die Hinrichtung von Esmail Fekri – der schon vor einiger Zeit wegen des altbekannten, haltlosen Vorwurfs der Spionage für Israel abgeurteilt wurde. Die NGO Iran Human Rights hatte bereits am Freitag gewarnt: Wer dafür verurteilt wurde, dem droht in diesen Tagen akut der Tod.
Genau hier liegt das Problem mit der westlichen Hoffnung auf einen „regime change“ durch Bomben: Kriege stürzen keine Diktaturen – sie stärken sie. Jedes äußere Feindbild liefert der Islamischen Republik Legitimation für mehr Gewalt nach innen. Nach dem Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 hat sich die Zahl der Hinrichtungen im Iran verdreifacht. Betroffen von der staatlichen Repression waren neben den Oppositionellen vor allem auch Minderheiten wie beispielsweise die Kurden. Vor allem der Anklagepunkt der Kooperation mit Israel wurde immer häufiger gemacht. Dass das Regime dabei keine Beweise liefert, spielt keine Rolle – denn was es braucht, ist nicht Wahrheit, sondern Kontrolle.
Wer nun jubelt, Israel habe mit gezielten Luftschlägen das Mullah-Regime geschwächt, verwechselt militärischen Aktionismus mit politischem Realitätssinn. Bomben zerschlagen keine Ideologie. Auch in Teheran nicht. Die Meschen im Iran haben ihre Regierung nicht gewählt. Sie wollen auch nicht, dass das Regime ihr Geld in die Unterstützung von Terrorgruppen wie der Hisbollah oder der Hamas steckt. Sie sind weder von israelischen Luftschlägen geschützt noch vom iranischen Sicherheitsapparat. Sie stehen zwischen den Fronten zweier gewaltvoller Machtblöcke – und werden von beiden instrumentalisiert.
Dabei wäre die Chance für echten Wandel da gewesen. Der Westen hätte diejenigen unterstützen können, die seit 46 Jahren gegen das Regime kämpfen – mit gezielten Sanktionen gegen das politische Establishment, mit der Listung der Revolutionsgarde als Terrororganisation, mit echtem politischen Rückhalt. Stattdessen hat sich Europa die Augen zugehalten. Während der Proteste 2022 gab es hier und da einige Tweets und ein paar Sanktiönchen – aber ernstzunehmende Unterstützung für die Freiheitsbewegung? Fehlanzeige. Der Westen konnte nicht schnell genug wieder mit ebenjenem Terrorregime am Verhandlungstisch sitzen, das er zu bekämpfen behauptet.
Die lautesten Stimmen gegen das Regime kommen nicht aus Berlin, Washington oder Tel Aviv. Sondern aus Teheran, Sananda und Zahedan. Es sind Aktivisten, Journalisten, Rentner, Schüler – und sie führen den gefährlichsten und wirksamsten Kampf gegen das System. Wer sich mit denen solidarisieren will, braucht keine Luftschläge. Sondern politischen Willen. Denn Freiheit wird nicht aus Kampfflugzeugen abgeworfen. Sie wird erkämpft. Und zwar von unten.
Daniela Sepehri, der Freitag vom 19.6.2025


Mittlerweile hat sich ja auch Trump die Chance nicht entgehen lassen es den Mullahs heimzuzahlen.
Ein ersehnter Regierungswechsel wird wieder einmal herbeigebombt.
Nur an Russland traut man sich nicht ran. Das sollen die Europäer übernehmen. Das wird ihr Krieg werden.
Den vorhandenen Widerstand im Iran hat man ja nicht wahrnehmen wollen.
Wen werden die Siegermächte den dortigen Freiheitskämpfer als ihre neue Staatsführung bescheren? Denn zu melden werden die auch zukünftig nichts haben. Ich tippe auf den Sohn vom Schah.

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