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Fragwürdiges Patent zur Aquakultur

Von Feierabend-Mitglied Montag 24.04.2023, 09:38 – geändert Montag 24.04.2023, 12:11

einer sehr umstrittenen Zucht von Oktopussen um sie als Delikatesse verzehren zu können. Wie im Artikel dargelegt, wäre das höchste Tierquälerei von sehr intelligenten und empfindsamen Meeresbewohnern. Noch dazu richtet es nichts gegen Überfischung der Meere aus.

"Sie gehören aufgrund ihrer Intelligenz zu den bemerkenswertesten Meeresbewohnern: Oktopusse. So gerne sie von den einen gegessen werden, so schützenswert sind sie für andere. Denn: Die Bestände in freier Wildbahn sinken. Der grösste Fischereikonzern Spaniens plant darum die kommerzielle Zucht – trotz Warnungen der Wissenschaft.

Warum das Projekt so umstritten ist
Das Unternehmen Nueva Pescanova rühmt sich als «Pionier» und glorifiziert sich mit dem Bau der Zuchtanlage als Retter in der Krise der schwindenden Oktopusse. Doch wirklich nachhaltig ist auch die Aquakultur nicht.

Meeresbiologinnen- und Biologen zufolge wiegt das Fischfutter für den gezüchteten Oktopus mehr als zwei oder sogar dreimal so viel wie das Eigengewicht des Kopffüsslers. Die Zucht bekämpft die Überfischung der Meere demnach nicht.

Ausserdem würde die Farm zwar neue Arbeitsplätze schaffen, doch für traditionelle Fischerinnen und Fischer würde das Vorhaben neben dem drastischen Rückgang der Fischbestände im Meer eine weitere existenzielle Bedrohung bedeuten.

Aber nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ethischer Sicht ist das Projekt bedenklich.

Empfindungsfähige Wesen
Der Oktopus hat nicht nur acht Beine, sondern auch neun Gehirne und drei Herzen. Studien belegen, dass es sich bei dem Meerestier um ein empfindungsfähiges Wesen handelt, das Schmerz fühlt und ihn aktiv versucht zu vermeiden. Kraken sind Einzelgänger und bevorzugen die Dunkelheit.

«Grosse Mengen von Oktopussen sollten niemals in unmittelbarer Nähe zusammen gehalten werden. Dies führt zu Stress, Konflikten und hoher Sterblichkeit», sagt Jonathan Birch, Professor an der London School of Economics und Experte für Tierwohl und den ethischen Umgang mit Tieren. Einem geleakten Dokument, das der BBC vorliegt, zufolge werden die Tiere in Massen in beleuchteten Wassertanks aufwachsen. Dass die Tiere artgerecht gehalten werden, ist Kritikern zufolge also nicht einmal annähernd möglich.

Die Erfinder der Zuchtfarm teilen eine andere Meinung: «Wenn sich das Tier nicht wohlfühlen würde, dann würde es sich nicht fortpflanzen.» Doch selbst die Manager rechnen damit, dass rund 10 bis 15 Prozent die Aufzucht nicht überleben werden. Dennoch hält man den Ausbau der Aquakultur hinsichtlich einer nachhaltigen Ernährung der Weltbevölkerung für notwendig und gerechtfertigt.

Qualvolle Schlachtmethode
Ein weiterer umstrittener Punkt ist die Schlachtmethode. Sofern die Tiere ihre Larvenphase überstehen, sind sie nach 15 Monaten schlachtreif. Im eiskalten Wasser werden die Pulpos dann getötet – eine Schlachtmethode, die Studien zufolge einen langsamen, qualvollen und stressigen Tod für die Tiere bedeutet.

Das grösste Problem: Noch gibt es keine Tierschutzvorschriften, da Tintenfische davor nie kommerziell gezüchtet wurden.

Nueva Pescanova – gegründet auf holprigem Asphalt
Der spanische Fischereikonzern Nueva Pescanova gehört zu den weltgrössten Unternehmen der Branche. Das Unternehmen ist aus den Trümmern des in Konkurs gegangenen Unternehmens Pescanova entstanden. Das Familienunternehmen Pescanova ist in den 60er Jahren gegründet worden – und konnte in zahlreiche Länder expandieren. 2013 deckten Wirtschaftsprüfer Ungereimtheiten in der Buchhaltung – und die somit zu diesem Zeitpunkt grösste Insolvenz Spaniens in Höhe von 3,6 Millionen – auf. Der frühere Präsident Manuel Fernández de Sousa ist vor kurzem wegen Bilanzfälschungen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

2015 wurde die Firma restrukturiert und neu gegründet. Das Unternehmen beschäftigt heute rund 12'000 Mitarbeitende in 19 Ländern. Trotz Umsatz von über einer Milliarde Euro steht das Unternehmen vor einem Schuldenberg von 450 Millionen Euro.

Die Bank Abanca kontrolliert fast 98 Prozent des Fischereiunternehmens und hat die Schulden des alten Unternehmens kapitalisiert. Wie die spanische Zeitung «Hispanidad» berichtet, sucht die Bank aber gerade einen Mehrheitsaktionär. Berichten zufolge finden derzeit Gespräche mit der kanadischen Firma Cooke Inc. statt. Es handelt sich dabei um das weltweit grösste Unternehmen für Fisch und Meeresfrüchte, das ebenfalls auf Aquakultur setzt.

Gut vernetzt ist das Fischereiunternehmen ohnehin.

Hinter das Projekt stellte sich nämlich unter anderem der Chef der spanischen Volkspartei (PP) und ehemalige galicische Landwirtschafts- und Gesundheitsminister, Alberto Núñez Feijóo. Angeschlossen hat sich das Fischunternehmen ausserdem der gemeinnützigen Stiftung der mächtigen spanischen Familie Ortega. Amancio Ortega – ebenfalls ein Galicier – ist einer der reichsten Männer Europas. Ihm gehört die Inditex-Gruppe, das grösste Textilunternehmen der Welt, das über acht Handelsmarken verfügt, darunter Zara, Massimo Dutti und Oysho.

Kampf gegen das Vorhaben
Das Patent für die Züchtung von Oktopus-Larven hat Nueva Pescanova bereits im Sack. Noch fehlt die Zustimmung der kanarischen Umweltbehörde. Tierschutzaktivistinnen und Aktivisten kämpfen schon lange gegen das Vorhaben. Die Hoffnung haben sie noch nicht aufgegeben.

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Noch fehlt die Zustimmung der kanarischen Umweltbehörde und es gibt eine Petition gegen dieses Vorhaben.

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