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Ex-US-Botschafter über Ukraine-Krise:

Von Dieter_Bowlen Mittwoch 19.10.2022, 23:46

Das ist ein Familienstreit. Hat er recht?
Putins aktuelle Politik ist die Folge von Provokationen des Westens, sagt Jack Matlock, ehemaliger US-Botschafter in Moskau.

Frage: Wie würden die USA reagieren, wenn sich vor ihrer Türe ein vergleichbares Szenario (Nato) entfaltete?

Antwort Wenn China anfangen würde, eine Militärallianz mit Kanada und Mexiko zu organisieren, würden die USA das nicht tolerieren. Wir würden uns auch nicht auf abstrakte Prinzipien von internationalem Recht beschränken lassen. Wir würden das verhindern. Mit jedem Mittel, das wir haben. Jedes Land, das die Macht dazu hat, würde das tun.

Frage Wollen Sie sagen, dass Putin die Krim ohne die Ereignisse vom 22. Februar – die Absetzung von Expräsident Wiktor Janukowitsch – nicht annektiert hätte?

Antwort: Ich glaube nicht, dass er es ohne den Umsturz getan hätte. Auch nicht ohne die Frage der Nato-Mitgliedschaft. Und auch nicht, wenn er nicht sicher gewesen wäre, dass die Mehrheit der Leute dort von ihm genau das erwartete. Es geschah friedlich und nicht gegen den Willen der Bewohner. Es gab eine Abstimmung. Die Krim hat drei Jahrhunderte lang zu Russland gehört. Man kann argumentieren, dass es ein großer Fehler von Chruschtschow war, sie der Ukraine abzutreten. Aber es ist passiert. Ich sage nicht, dass es richtig war, die Krim einzunehmen. Aber es war vorhersehbar, dass Russland es tun würde, wenn es um seinen Flottenstützpunkt in Sewastopol geht.

Frage: Für die Ukraine bedeutet das jedoch, dass sie wenig Optionen hat.

Antwort: Das Hauptproblem in der Ukraine ist, dass es keine ukrainische Einheit gibt. Ihr größter – der östliche – Teil war drei Jahrhunderte lang integraler Bestandteil von Russland. Der westliche Teil, wo heute die Nationalisten sind, ist erst durch den Hitler-Stalin-Pakt dazugekommen.
Wenn wir über Geschichte und Emotionen sprechen, müssen wir einfach verstehen, dass dies kein Land mit traditionellen Grenzen und einer vereinten Bevölkerung ist. Die gegenwärtige ukrainische Regierung repräsentiert nicht das ganze Land.

Auch wenn das nicht ihr Fehler sein mag. Die Sicherheitsorgane befinden sich in den Händen von extremen Rechten – was auch Westeuropa beunruhigen sollte. Und in Luhansk und Donezk beschießen Ukrainer ihre eigenen Leute. Dabei sind die meisten Opfer der ukrainischen Armee ukrainische Zivilisten. Und ein Teil der Kämpfe im Osten wird von Leuten geführt, die enge Verbindungen zu anderen Ländern haben. Darunter Polen und die Slowakei. Aber das nennen wir nicht „Invasion“.

Russland hat immer klar gemacht, dass es keine Ukraine akzeptiert, die eine Allianz mit Ländern eingeht, die zeigen, dass sie Russland gegenüber feindselig sind. In dieser Hinsicht ist Russland nicht anders, als jedes beliebige andere Land.

Frage: Sind Sanktionen gegen Russland effizient?

Antwort: Keine einzige ökonomische Sanktion wird Putin davon abhalten, das zu tun, wovon er überzeugt ist, dass er es tun muss. Erstens für die Sicherheit seines Landes und zweitens, um sich selbst im Amt zu halten.
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