Selenskyj und seine Verbündeten müssen sich bei ihrem Besuch bei Donald Trump in Washington auf einen knallharten Machtkampf einstellen.
Das Treffen hatte kaum begonnen, da war es schon vorbei. Ein halbes Jahr ist es her, dass Wolodymyr Selenskyj zum ersten Mal von Donald Trump im Weißen Haus empfangen wurde. Der ukrainische Präsident musste sich verhöhnen und beschimpfen lassen. Es kam zum Eklat: Noch vor dem Mittagessen wurde er rausgeworfen. „Sie haben schlechte Karten“, rief ihm der Hausherr hinterher.
Auch bei Trumps Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Alaska fiel am Freitag der Lunch aus. Aber offenbar eher, weil der Gast dem Gastgeber eiskalt lächelnd jegliches Zugeständnis verweigerte. Gleichwohl wurde Putin von den US-Streitkräften auf der Basis Elmendorf-Richardson buchstäblich der rote Teppich ausgerollt, und Trump hofierte „Wladimir“ wie einen persönlichen Freund. Am Ende kokettierte er sogar mit dem Gedanken, den Kriegsverbrecher in Moskau zu besuchen.
Eine Demütigung für das Opfer der militärischen Aggression, eine Ehrung für den Angreifer – größer könnte der Kontrast nicht sein. Vor dem Hintergrund dieser beiden Szenen kommt Selenskyj an diesem Montag zum zweiten Mal in diesem Jahr nach Washington. Man kann durchaus von einem Schicksalstag sprechen: Nach einem monatelangen Zickzackkurs, in dem er gelegentlich Putin und öfter Selenskyj kritisierte, ohne seinem lautstarken Versprechen, den Krieg in der Ukraine „innerhalb von 24 Stunden“ zu beenden, auch nur einen Schritt näher zu kommen, scheint Trumps Geduld am Ende: Er will einen Erfolg um jeden Preis – eine Trophäe für den „Dealmaker“, eine Empfehlung für seine aberwitzigen Ambitionen auf den Friedensnobelpreis.
Schon die Abfolge der Ereignisse lässt nichts Gutes vermuten: Erst bot Trump in Alaska dem Mann, der seit dreieinhalb Jahren die Zivilbevölkerung seines Nachbarlandes mit Bomben und Drohnen eindeckt, die Bühne für einen fernsehgerechten Auftritt. Dann empfängt er den Vertreter der Opfer und die Verbündeten. Unter diesen Umständen muss man froh sein, dass sich Trump in Anchorage nicht gleich über eine Landkarte gebeugt und mit seinem Gast die Interessenssphären in Europa aufgeteilt hat.
Der US-amerikanische Präsident ist auf eine beunruhigende Weise von Putin fasziniert. Er beneidet ihn um seine von lästiger demokratischer Kontrolle befreite Macht, die eiskalte Ruchlosigkeit und die enormen Bodenschätze seines Landes. Derweil manipuliert der gelernte KGB-Offizier den instabilen Narzissten meisterhaft. So ist Trump längst nicht mehr der Anführer einer wertegeleiteten westlichen Welt. Im Ukraine-Krieg kann er bestenfalls ein ebenso mächtiger wie unzuverlässiger Vermittler sein, der auf eigene Rechnung arbeitet.
Diese brutale Realität sollte man in Europa besser heute als morgen verinnerlichen. Dass Kanzler Friedrich Merz und andere Regierungschefs und -chefinnen den ukrainischen Präsidenten ins Weiße Haus begleiten, ist ein kluger Schachzug. Das verschafft ihnen nach dem Alaska-Spektakel ein bisschen Sichtbarkeit. Auch können sie gegenüber Trump mit verteilten Rollen auftreten. Tatsächlich hat der US-Präsident ihre zentrale Forderung nach einem Waffenstillstand vor jeglichen Verhandlungen einfach überrollt. Im Kern scheint er mit Putin einig, dass die Ukraine als Preis für ein Ende des Tötens erhebliche Gebiete abtreten muss. Die Gefahr eines Diktatfriedens ohne wirkliche Sicherheit liegt auf der Hand.
Trotz ihrer optisch mutmaßlich eindrucksvollen Präsenz im Oval Office dürfen sich die europäischen Regierungsspitzen daher keine Illusionen machen: Ein knallharter Machtpoker hat begonnen. Und das Ass hält bislang Wladimir Putin im Ärmel.
Frankfurter Rundschau 18.08.2025
Die Europäer könnten daraus etwas lernen. Zuvor sollten sie aber endlich ihre Augen öffnen und erkennen, dass die USA sie eiskalt verkaufen wird, wenn es ihnen nützlich erscheint. Danke Mister Präsident. Sie sind der erste, der uns das so deutlich zeigt. Wollen wir tatsächlich weiter der Flugzeugträger der USA sein? Aber dazu müssten die Europäer einig sein. Die EU? Die holt ja in ihrer Gier immer mehr Minen nach Brüssel. Kein Wunder bei den versammelten nationalen Versagern und unerwünschten Personen dort. Das macht es anderen doch so leicht. Und Merz will der Anführer sein? Der Merz, der selbst in seiner eigenen Partei in der Kritik steht?
Und die Ukrainer? Die haben Versprechungen geglaubt. Das darf man nicht. Auch nicht im Goldenen Western. Dass das vieles Falschgold ist haben bereits andere lernen dürfen.
Mit Russland wird es schwer werden. Bezeichnen wir es inzwischen wieder als ewigen Feind und zeigen Moskau damit, dass auf uns kein Verlass ist. Lieber himmeln wir Trump an, auf den wir uns aber auch nicht verlassen können.
Was haben die Deutschen ihren Liebling Kennedy angefleht, die ersten Zäune in Berlin niederzureißen. Doch in Moskau wusste man, dass die USA nichts dagegen unternehmen würden. Kennedy war darüber informiert und ihm war das ungetrübte Verhältnis zur SU wichtiger als Berlin.
Daran hat sich nichts geändert. Wegen Europa legen sich die USA nicht mit Russland an. Wie sagte es Trump: das sind europäische Angelegenheiten. Trotz NATO.
Selenskyj und seine Verbündeten müssen sich bei ihrem Besuch bei Donald Trump in Washington auf einen knallharten Machtkampf einstellen.
Das Treffen hatte kaum begonnen, da war es schon vorbei. Ein halbes Jahr ist es her, dass Wolodymyr Selenskyj zum ersten Mal von Donald Trump im Weißen Haus empfangen wurde. Der ukrainische Präsident musste sich verhöhnen und beschimpfen lassen. Es kam zum Eklat: Noch vor dem Mittagessen wurde er rausgeworfen. „Sie haben schlechte Karten“, rief ihm der Hausherr hinterher.
Auch bei Trumps Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin in Alaska fiel am Freitag der Lunch aus. Aber offenbar eher, weil der Gast dem Gastgeber eiskalt lächelnd jegliches Zugeständnis verweigerte. Gleichwohl wurde Putin von den US-Streitkräften auf der Basis Elmendorf-Richardson buchstäblich der rote Teppich ausgerollt, und Trump hofierte „Wladimir“ wie einen persönlichen Freund. Am Ende kokettierte er sogar mit dem Gedanken, den Kriegsverbrecher in Moskau zu besuchen.
Eine Demütigung für das Opfer der militärischen Aggression, eine Ehrung für den Angreifer – größer könnte der Kontrast nicht sein. Vor dem Hintergrund dieser beiden Szenen kommt Selenskyj an diesem Montag zum zweiten Mal in diesem Jahr nach Washington. Man kann durchaus von einem Schicksalstag sprechen: Nach einem monatelangen Zickzackkurs, in dem er gelegentlich Putin und öfter Selenskyj kritisierte, ohne seinem lautstarken Versprechen, den Krieg in der Ukraine „innerhalb von 24 Stunden“ zu beenden, auch nur einen Schritt näher zu kommen, scheint Trumps Geduld am Ende: Er will einen Erfolg um jeden Preis – eine Trophäe für den „Dealmaker“, eine Empfehlung für seine aberwitzigen Ambitionen auf den Friedensnobelpreis.
Schon die Abfolge der Ereignisse lässt nichts Gutes vermuten: Erst bot Trump in Alaska dem Mann, der seit dreieinhalb Jahren die Zivilbevölkerung seines Nachbarlandes mit Bomben und Drohnen eindeckt, die Bühne für einen fernsehgerechten Auftritt. Dann empfängt er den Vertreter der Opfer und die Verbündeten. Unter diesen Umständen muss man froh sein, dass sich Trump in Anchorage nicht gleich über eine Landkarte gebeugt und mit seinem Gast die Interessenssphären in Europa aufgeteilt hat.
Der US-amerikanische Präsident ist auf eine beunruhigende Weise von Putin fasziniert. Er beneidet ihn um seine von lästiger demokratischer Kontrolle befreite Macht, die eiskalte Ruchlosigkeit und die enormen Bodenschätze seines Landes. Derweil manipuliert der gelernte KGB-Offizier den instabilen Narzissten meisterhaft. So ist Trump längst nicht mehr der Anführer einer wertegeleiteten westlichen Welt. Im Ukraine-Krieg kann er bestenfalls ein ebenso mächtiger wie unzuverlässiger Vermittler sein, der auf eigene Rechnung arbeitet.
Diese brutale Realität sollte man in Europa besser heute als morgen verinnerlichen. Dass Kanzler Friedrich Merz und andere Regierungschefs und -chefinnen den ukrainischen Präsidenten ins Weiße Haus begleiten, ist ein kluger Schachzug. Das verschafft ihnen nach dem Alaska-Spektakel ein bisschen Sichtbarkeit. Auch können sie gegenüber Trump mit verteilten Rollen auftreten. Tatsächlich hat der US-Präsident ihre zentrale Forderung nach einem Waffenstillstand vor jeglichen Verhandlungen einfach überrollt. Im Kern scheint er mit Putin einig, dass die Ukraine als Preis für ein Ende des Tötens erhebliche Gebiete abtreten muss. Die Gefahr eines Diktatfriedens ohne wirkliche Sicherheit liegt auf der Hand.
Trotz ihrer optisch mutmaßlich eindrucksvollen Präsenz im Oval Office dürfen sich die europäischen Regierungsspitzen daher keine Illusionen machen: Ein knallharter Machtpoker hat begonnen. Und das Ass hält bislang Wladimir Putin im Ärmel.
Frankfurter Rundschau 18.08.2025
Die Europäer könnten daraus etwas lernen. Zuvor sollten sie aber endlich ihre Augen öffnen und erkennen, dass die USA sie eiskalt verkaufen wird, wenn es ihnen nützlich erscheint. Danke Mister Präsident. Sie sind der erste, der uns das so deutlich zeigt. Wollen wir tatsächlich weiter der Flugzeugträger der USA sein? Aber dazu müssten die Europäer einig sein. Die EU? Die holt ja in ihrer Gier immer mehr Minen nach Brüssel. Kein Wunder bei den versammelten nationalen Versagern und unerwünschten Personen dort. Das macht es anderen doch so leicht. Und Merz will der Anführer sein? Der Merz, der selbst in seiner eigenen Partei in der Kritik steht?
Und die Ukrainer? Die haben Versprechungen geglaubt. Das darf man nicht. Auch nicht im Goldenen Western. Dass das vieles Falschgold ist haben bereits andere lernen dürfen.
Mit Russland wird es schwer werden. Bezeichnen wir es inzwischen wieder als ewigen Feind und zeigen Moskau damit, dass auf uns kein Verlass ist. Lieber himmeln wir Trump an, auf den wir uns aber auch nicht verlassen können.
Was haben die Deutschen ihren Liebling Kennedy angefleht, die ersten Zäune in Berlin niederzureißen. Doch in Moskau wusste man, dass die USA nichts dagegen unternehmen würden. Kennedy war darüber informiert und ihm war das ungetrübte Verhältnis zur SU wichtiger als Berlin.
Daran hat sich nichts geändert. Wegen Europa legen sich die USA nicht mit Russland an. Wie sagte es Trump: das sind europäische Angelegenheiten. Trotz NATO.