Die Geschäftsgrundlage des Ukraine-Krieges ändert sich in Lichtgeschwindigkeit
Lutz Herden, der Freitag vom 6.3.2025
Wer auch immer den Anstoß gab zum Eklat im Weißen Haus – als Fazit bleibt: Wolodymyr Selenskyj hatte sich nachdrücklich als Gegner von Trumps Verständigung mit Russland geoutet. Ob aus Erregung oder mit klarem Vorsatz, tat nicht viel zur Sache. Als er gehen musste, hinterließ der Ukraine-Präsident die Alternative: Ihr oder ich.
Eine Kampfansage der leeren Hände. Die US-Führung reagierte mit Härte und setzte die Waffenlieferungen aus. Die Ukraine wurde in Ihrer Kriegsfähigkeit beschnitten. Die Amerikaner kamen bisher für gut die Hälfte der versandten Militärgüter auf. Zuvor schon wurde die Erfassung von Zieldateien für die ukrainische Armee reduziert. Selenskyj hat sich daraufhin entschieden, schnell einzulenken und Trump geschrieben, er kehre zu Verhandlungen über das Kriegsende unter dessen „starker Führung“ zurück.
Hat sich seit Donald Trumps Amtsantritt die politische Geschäftsgrundlage des Ukraine-Konflikts schwer verändert, geschieht das nun in Lichtgeschwindigkeit mit der militärischen. Ob Selenskyj nach seinem Kotau bleibt oder zurücktritt, wirkt bereits wie eine vom Wind der Wende verwehte Alternative. Die Amerikaner wollen ihn sich nicht mehr leisten, die Europäer können ihn sich ohne die Amerikaner kaum noch leisten. „Sie haben im Moment nicht die richtigen Karten“, so Trump beim Wortgefecht am Kamin. „Gemeinsam mit uns halten Sie die Karten in der Hand. Sie spielen mit dem Leben von Millionen Menschen. Sie spielen mit dem Dritten Weltkrieg …“
Das Londoner Treffen der 13 Pro-Ukraine-Staaten kurz darauf hätte gut dran getan, diese Gefahr einzudämmen und ihr durch eine Friedensbotschaft gerecht zu werden. Immerhin war so viel Realitätsbewusstsein vorhanden, alles zu vermeiden, was den Dissens mit Washington in Richtung Bruch lotsen konnte. Die USA wurden verlässliche Partner genannt und wie selbstverständlich ins Boot geholt, in das sie nicht wollen, aber wohl müssen. Eine Feuerpause? Ist ohne die USA undenkbar. Militärverbände an einer Waffenstillstandslinie? Reden London und Paris darüber, dann nie ohne zu sagen, dies brauche US-Garantien. Wiederaufbau der Ukraine? Daran sollen US-Firmen verdienen, so das Trump-Mantra.
Europäische Ukraine-Politik entkommt den Amerikanern nicht. Die Geschichte dieses Konflikts verhindert das. US-Regierungen gaben stets den Ton an und bedienten sich der Ukraine, um Russland zu schaden. Rump bricht mit dieser Agenda. Sie blieb den Erfolg schuldig.
Als sei in dieser Lage Koketterie genau das Richtige, haben in London zwölf europäische Staaten und Kanada eine „Koalition der Willigen“ ausgerufen. Das klingt nach einer Anspielung auf die Allianz gleichen Namens im Jahre 2003, als sich willige Europäer an die Seite kriegswilliger Amerikaner stellten, um gegen den Irak zu ziehen. Diesmal wollen willige Europäer den Krieg in der Ukraine gegen kriegsunwillige Amerikaner verlängern, statt sich auf Friedenssuche zu begehen. Lieber das Streben Strecken um den Krieg nicht zu verlieren, als Realitäten Rechnung zu tragen. Noch am Wochenende pegelte man sich in London auf die Frage ein: Wollen wir uns mit allen, auch militärischen Konsequenzen – notfalls ohne Amerikaner – für Selenskyj exponieren? Seit dem Stopp des Waffentransfers muss es heißen: Wollen wir es ganz ohne sie riskieren?
Ein weder wirklich entschlossenes noch geschlossenes Europa sollte möglichst schnell die Reißleine ziehen.
…………………
Die Ukraine, ein gigantisches Hilfsprogramm der USA. Mehr war es offensichtlich nie gewesen und Europa hat zu zahlen.
Schlimmer noch, wie es aussieht wird tatsächlich der Krieg gegen Russland geplant. Und wenn Trump den Einsatz Waffen aus amerikanischer Produktion gegen seinen Kumpel Putin verbietet?
Die Geschäftsgrundlage des Ukraine-Krieges ändert sich in Lichtgeschwindigkeit
Lutz Herden, der Freitag vom 6.3.2025
Wer auch immer den Anstoß gab zum Eklat im Weißen Haus – als Fazit bleibt: Wolodymyr Selenskyj hatte sich nachdrücklich als Gegner von Trumps Verständigung mit Russland geoutet. Ob aus Erregung oder mit klarem Vorsatz, tat nicht viel zur Sache. Als er gehen musste, hinterließ der Ukraine-Präsident die Alternative: Ihr oder ich.
Eine Kampfansage der leeren Hände. Die US-Führung reagierte mit Härte und setzte die Waffenlieferungen aus. Die Ukraine wurde in Ihrer Kriegsfähigkeit beschnitten. Die Amerikaner kamen bisher für gut die Hälfte der versandten Militärgüter auf. Zuvor schon wurde die Erfassung von Zieldateien für die ukrainische Armee reduziert. Selenskyj hat sich daraufhin entschieden, schnell einzulenken und Trump geschrieben, er kehre zu Verhandlungen über das Kriegsende unter dessen „starker Führung“ zurück.
Hat sich seit Donald Trumps Amtsantritt die politische Geschäftsgrundlage des Ukraine-Konflikts schwer verändert, geschieht das nun in Lichtgeschwindigkeit mit der militärischen. Ob Selenskyj nach seinem Kotau bleibt oder zurücktritt, wirkt bereits wie eine vom Wind der Wende verwehte Alternative. Die Amerikaner wollen ihn sich nicht mehr leisten, die Europäer können ihn sich ohne die Amerikaner kaum noch leisten. „Sie haben im Moment nicht die richtigen Karten“, so Trump beim Wortgefecht am Kamin. „Gemeinsam mit uns halten Sie die Karten in der Hand. Sie spielen mit dem Leben von Millionen Menschen. Sie spielen mit dem Dritten Weltkrieg …“
Das Londoner Treffen der 13 Pro-Ukraine-Staaten kurz darauf hätte gut dran getan, diese Gefahr einzudämmen und ihr durch eine Friedensbotschaft gerecht zu werden. Immerhin war so viel Realitätsbewusstsein vorhanden, alles zu vermeiden, was den Dissens mit Washington in Richtung Bruch lotsen konnte. Die USA wurden verlässliche Partner genannt und wie selbstverständlich ins Boot geholt, in das sie nicht wollen, aber wohl müssen. Eine Feuerpause? Ist ohne die USA undenkbar. Militärverbände an einer Waffenstillstandslinie? Reden London und Paris darüber, dann nie ohne zu sagen, dies brauche US-Garantien. Wiederaufbau der Ukraine? Daran sollen US-Firmen verdienen, so das Trump-Mantra.
Europäische Ukraine-Politik entkommt den Amerikanern nicht. Die Geschichte dieses Konflikts verhindert das. US-Regierungen gaben stets den Ton an und bedienten sich der Ukraine, um Russland zu schaden. Rump bricht mit dieser Agenda. Sie blieb den Erfolg schuldig.
Als sei in dieser Lage Koketterie genau das Richtige, haben in London zwölf europäische Staaten und Kanada eine „Koalition der Willigen“ ausgerufen. Das klingt nach einer Anspielung auf die Allianz gleichen Namens im Jahre 2003, als sich willige Europäer an die Seite kriegswilliger Amerikaner stellten, um gegen den Irak zu ziehen. Diesmal wollen willige Europäer den Krieg in der Ukraine gegen kriegsunwillige Amerikaner verlängern, statt sich auf Friedenssuche zu begehen. Lieber das Streben Strecken um den Krieg nicht zu verlieren, als Realitäten Rechnung zu tragen. Noch am Wochenende pegelte man sich in London auf die Frage ein: Wollen wir uns mit allen, auch militärischen Konsequenzen – notfalls ohne Amerikaner – für Selenskyj exponieren? Seit dem Stopp des Waffentransfers muss es heißen: Wollen wir es ganz ohne sie riskieren?
Ein weder wirklich entschlossenes noch geschlossenes Europa sollte möglichst schnell die Reißleine ziehen.
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Die Ukraine, ein gigantisches Hilfsprogramm der USA. Mehr war es offensichtlich nie gewesen und Europa hat zu zahlen.
Schlimmer noch, wie es aussieht wird tatsächlich der Krieg gegen Russland geplant. Und wenn Trump den Einsatz Waffen aus amerikanischer Produktion gegen seinen Kumpel Putin verbietet?