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Es macht fassungslos was da abgeht

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 12.02.2025, 11:10 – geändert Mittwoch 12.02.2025, 11:20

Das Vergessen, Verdrängen, Ignorieren all des Leids das auch in Ungarn durch die NS-Zeit angerichtet wurde. Und die Verherrlichung des dunklen Kapitels in der Geschichte. Es geht um den "Tag der Ehre" der in Budapest begangen wird von Rechtsextremen in SS-Uniformen und mit NS-Abzeichen. Streng bewacht wurde vor allem der Gegenprotest.

"Es ist, als wäre man mitten in einem Dreh eines Films über den Zweiten Weltkrieg. Hunderte Männer, wenige Frauen, in Tarnuniformen, mit Wehrmachtshelmen und NS-Abzeichen gehen über die breite Backsteinstraße. Pfeilkreuze auf der Schulter, das Zeichen der ungarischen Verbündeten des NS-Regimes. Eiserne Kreuze. Feldblusen mit SS-Rune. Reichsadler.

Doch was auf dem Gelände der Burg Buda in Budapest passiert, ist kein Schauspiel. Tausende Menschen wandern von dort in die Budaer Berge, insgesamt 60 Kilometer. Ein paar in moderne Funktionskleidung gepackte Wandernde blitzen aus der Menge. Neben ihnen Männer in Wehrmachtsuniform.

Die "Sportveranstaltung" ist ein reales "Gedenken", sie findet seit 1997 jedes Jahr aufs Neue statt. Sie wird am sogenannten "Tag der Ehre" abgehalten, dieses Jahr war es der 8. Februar. Mehr als 3500 Menschen kamen zu jenem Wander-Event zusammen, darunter mindestens mehrere hundert Neonazis aus Ungarn und anderen Ländern Europas.

Am 11. Februar 1945 versuchten Soldaten der Wehrmacht in Budapest vergeblich einen letzten "Ausbruch", nachdem die Rote Armee die Stadt eingenommen und die Wehrmacht letztlich den Kampf verloren hatte. Deutsche, ungarische und auch sowjetische Soldaten kamen zu jeweils Zehntausenden ums Leben. In der rechtsextremen Szene wird der Fluchtversuch heute als "heroisch" gefeiert, und so organisieren deren Gruppierungen jedes Jahr eine "Ausbruch-Tour". Als einer der Hauptorganisatoren tritt die rechtsextreme Organisation Légió Hungária in Erscheinung, seit 2003 veranstaltet auch der ungarische Arm des militanten neonazistischen Netzwerks Blood and Honour den "Tag der Ehre" mit.

Die Polizei hat sich zwar mit einem Großaufgebot auf der Burg versammelt, verboten ist die Wanderung der Neonazis aber nicht. Die Légió Hungária weist sie als private Sportveranstaltung aus, als "historische Gedenktour", offiziell "ohne politischen Hintergrund". Unter den zahlreichen Marschierenden sieht das anders aus.

Ein Mann in Wehrmachtsuniform spaziert in schnellen Schritten an drei Polizisten vorbei. Ob die Kleidung kein Problem wäre? "Das ist keine Nazi-Kleidung, das ist deutsche Kleidung", sagt ein Polizist. Könne man diese nicht ausschließen? "Nein, wir leben in einer Demokratie", sagt er. Es sei heute alles entspannt, fügt er noch hinzu.
Gegenwehr der Linken

Für hunderte Antifaschistinnen und Antifaschisten ist der Tag in Budapest ein Grund für eine Störaktion. Die Szene ist in Ungarn klein, dass wie an diesem Tag einige Hundert demonstrieren, eher selten. Auch aus Österreich reisten mehr als hundert Demonstrantinnen und Demonstranten an, um die ungarischen Antifas zu unterstützen.

15 Uhr ist der Start ihrer Aktion, streng bewacht und umgeben von Hundertschaften und Polizeihunden am Verkehrspunkt Szell Kálmán Tér unweit der Burg Buda. Eine Rednerin erinnert an die 600.000 ermordeten ungarischen Jüdinnen und Juden in der Zeit von 1941 und 1945: "Obwohl die Ungarn unter dem Nazi-Regime großes Leid erlitten, scheint es, als hätten wir das in den achtzig Jahren seither vergessen!"

Zur Burg weiterziehen können die Aktivisten und Aktivistinnen nur in Begleitung von zahlreichen Polizeibeamten. Aggressiv beginnen Spürhunde auf den Gehwegen zu bellen, man will verhindern, dass die Demonstrierenden auf Neonazis treffen könnten. Trotzdem zeige ihr Einsatz, dass antifaschistische Demos auch in einem rechtsautoritären Staat wie Ungarn möglich seien, sagt eine Demonstrantin.

Jedes Jahr weisen Kritiker darauf hin, dass die Regierung unter der rechtskonservativen Partei Fidesz und dem Ministerpräsidenten Viktor Orbán die "Gedenkwanderung" duldet und ihr kaum Beachtung schenkt, während linke Gegenproteste penibel abgeschottet werden, zur Not mit Hunden, Drohnen und Spezialfahrzeugen. Immerhin rechnete man zum 80. Jahrestag des "Ausbruchs" mit einem vermehrten Andrang – von links und rechts. Und auch als Reaktion auf 2023, als Linksextreme in der Stadt Mitglieder der Neonazi-Szene schwer verletzt haben sollen. Einigen von ihnen, darunter einem Deutschen und einer Italienerin, drohen bis zu 24 Jahre Haft.

Auch Maja T., eine linke aktivistische Person aus Deutschland, soll gemeinsam mit anderen vor zwei Jahren Teilnehmende der Wanderung in der Stadt abgepasst und schwer verletzt haben. Gerade erst wurde Maja T.s Fall medial wieder aufgegriffen, als das Bundesverfassungsgericht in Deutschland entschied, T.s Auslieferung nach Ungarn sei unrechtmäßig gewesen. T.s Eltern gingen dieses Jahr nun bei der Demonstration gegen den "Tag der Ehre" mit.

"Es ist unerträglich, dass hier Faschisten durch die Stadt ziehen und einfach die NS-Zeit verherrlichen", erklärt der Vater dem STANDARD. "Ganz unabhängig von Maja darf sich so etwas nie mehr wiederholen." Jedes Jahr sehe sie Bilder aus Budapest mit Bildern von Menschen in Uniformen der Waffen-SS, wie sie mit Waffen und Hakenkreuzen durch die Budaer Berge wandern, sagt eine andere Teilnehmerin, die aus Österreich zur Demo gereist ist. "Es ist unglaublich, dass so etwas möglich ist." ...... "

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Und wenn man das nun verharmlosen will, auch damit dass es so viele sind, weil so viele doch nicht "daneben" sein können, dann fällt mir der Spruch von den Fliegen ein, dass sich so viele doch nicht irren könnten.

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