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Es gibt keinen Weg zurück

Von Harvey11 Dienstag 21.10.2025, 12:21

Das Geschäftsmodell der deutschen Wirtschaft erodiert. Innovationen müssen beschleunigt werden.

Ein Thema für den Kongress der Chemiegewerkschaft IG BCE zu finden, war nicht schwer. Zehntausende Arbeitsplätze sieht Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis in Gefahr. Mehr noch: Deutschland stecke in der „schwersten Industriekrise seit Jahrzehnten“. Insbesondere in energieintensiven Unternehmen, zu denen auch die Autobauer nebst ihren Zulieferern gehören. Dort sind in der jüngeren Vergangenheit schon Zehntausende Jobs verloren gegangen.

Vassiliadis fordert wie IG-Metall-Chefin Christiane Benner einen Industriestrompreis. Doch mit solch einer staatlichen Subvention lässt sich bestenfalls ein Symptom abmildern: Superbilliges Gas aus Russland war jahrzehntelang das Rückgrat der industriellen Energieversorgung. Inzwischen ist Gas etwa doppelt so teuer wie in den „guten Zeiten“ – vor 2019.

Ein Zurück ist nicht nur bei der Energie unmöglich. Vielmehr erodiert das deutsche Geschäftsmodell. Ein Prozess, der sich in einem fortgeschrittenen Zustand befindet, was aber bislang weder in Firmen noch in der Politik angekommen zu sein scheint.

Dabei stagniert die Wirtschaftsleistung de facto seit mehreren Jahren. Noch schlimmer: Das Volumen der Investitionen liegt deutlich unter dem Niveau von 2019. Wenn aber in neue Anlagen und Maschinen nicht mehr investiert wird, fallen die Firmen im internationalen Wettbewerb immer weiter zurück.

Das ist fatal für Deutschland. Denn das Geschäftsmodell, das Wohlstand ermöglichte und Sozialsysteme finanzierte, beruhte darauf, dass hiesige Produkte in aller Welt verkauft wurden. Allen voran die Erzeugnisse der Schlüsselbranchen: Chemie- und Autoindustrie sowie Maschinenbau.

Die Strafzollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump bremst nun die Ausfuhren immer spürbarer. Doch selbst wenn sich dies als ein vorübergehendes Phänomen entpuppen sollte, bleibt die alles entscheidende Herausforderung bestehen, die am deutlichsten beim Blick in Richtung China wird.

»Einst kam aus der Volksrepublik Rückenwind für deutsche Ausfuhren. Daraus ist ein rauer Gegenwind geworden. Die chinesische Wirtschaft wird zunehmend auf Export umgestellt. Im Maschinenbau und in der Chemieindustrie können viele Produkte qualitativ mit den deutschen mithalten, und sind zudem billiger. Chinesische E-Autobauer sind hiesigen deutlich überlegen.

Die Ursachen für Lähmung sind vielfältig. Die guten Zeiten haben Chemiekonzerne unbeweglich gemacht. Autobauer haben sich mit einem Hin und Her bei der E-Mobilität verheddert. Vassiliadis beklagt, dass „Superreiche“ sich seit Jahren mit Investitionen im Heimatland zurückhalten. Mangelnde Risikobereitschaft ist ein weiterer Faktor, was durch eine schlingernde Industrie- und Energiepolitik zusätzlich genährt wird.

Vassiliadis hat auch recht, wenn er vor einem Abbau der Sozialsysteme warnt. Das würde kontraproduktiv wirken und nur noch mehr Wählerinnen und Wähler in die Arme der AfD treiben, die vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft als massive Gefahr für den Standort bezeichnet wird.

Vielmehr gilt es, finanzpolitische Spielräume zu nutzen. Mit dem 500-Milliarden-Euro-Paket für Infrastruktur und Klimaschutz ist ein Anfang gemacht. Da muss noch mehr kommen, um die Innovationsgeschwindigkeit zuallererst durch Digitalisierung zu steigern. Deutschland kann sich das leisten. Die Staatsverschuldung ist mit Abstand die niedrigste unter den großen Industrienationen.«
Frankfurter Rundschau 21.10.2025


Ja, man hat den Wagen rollen lassen. Hier und da ein Tropfen Öl und die Gewinne sprudelten weiter.
Woanders hat man aber gelernt, entwickelt und getestet.
Und plötzlich brachten die Dinge auf den Markt, am die hier keiner dachte.
Hier wollte man weiter seinen alten Ramsch loswerden.
China? Was soll von da schon kommen.
„Superreiche“ halten sich seit Jahren mit Investitionen im Heimatland zurück. Mangelnde Risikobereitschaft ist ein weiterer Faktor, was durch eine schlingernde Industrie- und Energiepolitik zusätzlich genährt wird.
Das sind keine Anzeichen für eine baldige Besserung.
Staatsgeld? Noch wird Geld nur ausgegeben, wenn es dem Krieg nützt.
In Berlin kapiert man immer noch nichts. Dort ist man der Meinung, dass nur Sozialkürzungen den Staat retten können.
Denn den Reichen sollen doch ihre Anlagen versüßt werden.

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