Wer sich ein Bild davon machen will, ob Armut in diesem Land ein Problem ist, der braucht nur durch die Zentren deutscher Großstädte zu laufen. Man sieht dort immer mehr Menschen, die obdachlos geworden oder auf andere Art an den Rand geraten sind – wenn man es denn sehen will. Das ist nur die Spitze des Eisberges, natürlich. Aber auch den Eisberg gibt es.
Die Krisen dieser Zeit, Russlands Angriff auf die Ukraine etwa und die daraufhin anziehenden Energiepreise, treffen die Risikogruppen im Zweifel nochmal härter: Arbeitslose, Menschen mit niedrigem Bildungsstand, Alleinerziehende, Migranten und Familien mit vielen Kindern. Die Folgen zeigen sich gerade in den Städten, wo neben den sonstigen Lebenshaltungskosten die Mieten explodieren und Immobilienpreise von einer Million Euro für 100 Quadratmeter aufgerufen werden. Wer, bitte, soll da noch mithalten können?
Hinzu kommt ein Mangel an politischem Willen und Vermögen, den Problemen entgegenzuwirken. So beschränken sich die aktuellen Bürgergeld-Debatten viel zu sehr auf das mutmaßliche Verschulden einkommensschwacher Menschen für ihre eigene Situation. Gleichzeitig bleibt zum Beispiel eine nachhaltige Begrenzung von Mieten aus. Die Frage, was Einkommens- und Vermögensstarke zum Ausgleich beitragen können, wird gar nicht mehr gestellt – oder von der SPD nur maximal so laut, dass sich in der Union niemand zum Widerspruch herausgefordert fühlt. So entsteht eine gefährliche Schlagseite.
Zwar geht es einer großen Mehrheit der Deutschen noch gut. Doch auch in der Mehrheit ist das Gefühl sozialer Sicherheit geschwunden oder verschwunden. Alle wissen: Der Verlust einer Wohnung, eine Scheidung, ein Pflegefall in der Familie kann sich drastisch auswirken. Dann ist guter Rat teuer.
Frankfurter Rundschau 15.08.2025
Zwar lebe ich jetzt in einem Dorf, auf das der Kämmerer der nahen größeren Stadt schon oft ein gieriges Auge geworfen hat zwecks Eingemeindung.
Denn das Gemeindesäckel ist prall gefüllt.
Zeichen von Armut kann ich hier keine erkennen.
Wohl erinnere ich mich aber noch an Frankfurt a M. Zwar war ich fast 20 Jahre nicht mehr dort, es dürfte sich aber seither nicht viel verändert haben.
Auch dort ist der Weg von der Goethestraße zur Hauptwache nur ein sehr kurzer. Wie im Leben. Es kann ganz schnell gehen.
Und unser angeblicher Wohlfahrtsstaat zeigt kein Interesse, den Opfern des Kapitalismus zu helfen. Im Gegenteil. Er trampelt auf ihnen herum.
Und für sowas sollen die jungen Leute ihr Leben einsetzen?
Die deutsche Politik ignoriert die Armut
Wer sich ein Bild davon machen will, ob Armut in diesem Land ein Problem ist, der braucht nur durch die Zentren deutscher Großstädte zu laufen. Man sieht dort immer mehr Menschen, die obdachlos geworden oder auf andere Art an den Rand geraten sind – wenn man es denn sehen will. Das ist nur die Spitze des Eisberges, natürlich. Aber auch den Eisberg gibt es.
Die Krisen dieser Zeit, Russlands Angriff auf die Ukraine etwa und die daraufhin anziehenden Energiepreise, treffen die Risikogruppen im Zweifel nochmal härter: Arbeitslose, Menschen mit niedrigem Bildungsstand, Alleinerziehende, Migranten und Familien mit vielen Kindern. Die Folgen zeigen sich gerade in den Städten, wo neben den sonstigen Lebenshaltungskosten die Mieten explodieren und Immobilienpreise von einer Million Euro für 100 Quadratmeter aufgerufen werden. Wer, bitte, soll da noch mithalten können?
Hinzu kommt ein Mangel an politischem Willen und Vermögen, den Problemen entgegenzuwirken. So beschränken sich die aktuellen Bürgergeld-Debatten viel zu sehr auf das mutmaßliche Verschulden einkommensschwacher Menschen für ihre eigene Situation. Gleichzeitig bleibt zum Beispiel eine nachhaltige Begrenzung von Mieten aus. Die Frage, was Einkommens- und Vermögensstarke zum Ausgleich beitragen können, wird gar nicht mehr gestellt – oder von der SPD nur maximal so laut, dass sich in der Union niemand zum Widerspruch herausgefordert fühlt. So entsteht eine gefährliche Schlagseite.
Zwar geht es einer großen Mehrheit der Deutschen noch gut. Doch auch in der Mehrheit ist das Gefühl sozialer Sicherheit geschwunden oder verschwunden. Alle wissen: Der Verlust einer Wohnung, eine Scheidung, ein Pflegefall in der Familie kann sich drastisch auswirken. Dann ist guter Rat teuer.
Frankfurter Rundschau 15.08.2025
Zwar lebe ich jetzt in einem Dorf, auf das der Kämmerer der nahen größeren Stadt schon oft ein gieriges Auge geworfen hat zwecks Eingemeindung.
Denn das Gemeindesäckel ist prall gefüllt.
Zeichen von Armut kann ich hier keine erkennen.
Wohl erinnere ich mich aber noch an Frankfurt a M. Zwar war ich fast 20 Jahre nicht mehr dort, es dürfte sich aber seither nicht viel verändert haben.
Auch dort ist der Weg von der Goethestraße zur Hauptwache nur ein sehr kurzer. Wie im Leben. Es kann ganz schnell gehen.
Und unser angeblicher Wohlfahrtsstaat zeigt kein Interesse, den Opfern des Kapitalismus zu helfen. Im Gegenteil. Er trampelt auf ihnen herum.
Und für sowas sollen die jungen Leute ihr Leben einsetzen?