Friedrich Merz sieht es inzwischen auch so: Er hätte schneller sagen sollen, was er unter „Stadtbild“ im Zusammenhang mit Versäumnissen in der Migrationspolitik genau versteht. Dieses Bekenntnis in der ARD am Montagabend verdient aber durchaus Respekt. Wann räumt ein Bundeskanzler denn schon einmal ein, sich unkonkret ausgedrückt zu haben? Die bedeutend interessantere Frage ist, ob er daraus lernt.
Kurz nach der deutschen „Stadtbild“-Debatte hatte der Kanzler Brasilien beleidigt, indem er den Austragungsort der Weltklimakonferenz, Belém, als eine Stadt bezeichnete, aus der man schnell wieder abreisen wolle. Und ob es so glücklich ist, in Magdeburg vor Ostdeutschen von seinem persönlichen Glück der Geburt im Westen zu sprechen, mag dahingestellt sein.
In seiner CDU jedenfalls hoffen führende Politikerinnen und Politiker seit Langem, dass Merz Debatten mehr mit Inhalten und nicht durch Irritationen prägt.
Die Umfragewerte für den Kanzler sind alarmierend schlecht. Die Union hält nicht, was sie versprochen hat und was so verheißungsvoll klang: „Einfach mal machen.“ Dass ein Reformstau nicht über Nacht aufgelöst oder irreguläre Migration nicht von heute auf morgen gestoppt werden kann, wissen die Menschen. Sie erwarten aber zu Recht, dass die Regierung in solchen Zeiten ein hohes Tempo einschlägt, statt endlos zu debattieren und im Fall der Rente sogar ein Scheitern zu riskieren.
Friedrich Merz hat in der TV-Sendung im Ersten aber einen anderen, noch viel wichtigeren Satz gesagt. Einen zur AfD, deren Falschbehauptungspolitik schwer mit der herkömmlichen Kritikkultur beizukommen ist: „In dem Augenblick, wo wir die Probleme lösen, entziehen wir dieser Partei mehr und mehr auch die Grundlage.“ Das derzeit größte Problem ist die schlechte Wirtschaftslage. Nicht einfach zu lösen, aber Hauptsache „mal machen“ – und die unnötig aufgeheizte „Stadtbild“-Debatte endgültig beenden. Das gilt für alle Beteiligten.
Frankfurter Rundschau 10.12.2025
Auch bei der FR muss man sehen, welcher Name unter einem Artikel steht.
Manche Blätter jubeln den Kanzler nach der Sendung in der ARD durchweg hoch, andere, wie die Schreiberin dieses Artikels sind da etwas nachdenklicher.
Da erwähnt sie einen Satz von Merz, den viele in ihren eigenen Worten auch schon gesagt haben, der in den Medien aber nur selten Erwähnung findet.
Zur AfD sagte er: „In dem Augenblick, wo wir die Probleme lösen, entziehen wir dieser Partei mehr und mehr auch die Grundlage.“ Warum wird dann nicht danach gehandelt? Der Kanzler bestimmt die Richtlinie der Politik.
Na gut, bei der Ampel war es die FDP und viele vom rechten Rand der Union behaupten das derzeit von der SPD. Wiederum andere wollen eine Politik nach Art der AfD erkennen.
Warten wir es ab, ob der Kanzler eine neue Politik wagt. Eine Politik, die er in der ARD angesprochen hat. Wagt er es, sich mit der AfD und nicht zu vergessen, sich mit großen Teilen seiner Partei und der CSU anzulegen?
Auch aus Washington werden ja Forderungen an die deutsche Politik gestellt.
Wem wird er gehorchen? Vielleicht seinem Arzt, der ihm aus gesundheitlichen Gründen den Rücktritt nahelegt?
Merz zeigt Einsicht – das reicht aber nicht
Friedrich Merz sieht es inzwischen auch so: Er hätte schneller sagen sollen, was er unter „Stadtbild“ im Zusammenhang mit Versäumnissen in der Migrationspolitik genau versteht. Dieses Bekenntnis in der ARD am Montagabend verdient aber durchaus Respekt. Wann räumt ein Bundeskanzler denn schon einmal ein, sich unkonkret ausgedrückt zu haben? Die bedeutend interessantere Frage ist, ob er daraus lernt.
Kurz nach der deutschen „Stadtbild“-Debatte hatte der Kanzler Brasilien beleidigt, indem er den Austragungsort der Weltklimakonferenz, Belém, als eine Stadt bezeichnete, aus der man schnell wieder abreisen wolle. Und ob es so glücklich ist, in Magdeburg vor Ostdeutschen von seinem persönlichen Glück der Geburt im Westen zu sprechen, mag dahingestellt sein.
In seiner CDU jedenfalls hoffen führende Politikerinnen und Politiker seit Langem, dass Merz Debatten mehr mit Inhalten und nicht durch Irritationen prägt.
Die Umfragewerte für den Kanzler sind alarmierend schlecht. Die Union hält nicht, was sie versprochen hat und was so verheißungsvoll klang: „Einfach mal machen.“ Dass ein Reformstau nicht über Nacht aufgelöst oder irreguläre Migration nicht von heute auf morgen gestoppt werden kann, wissen die Menschen. Sie erwarten aber zu Recht, dass die Regierung in solchen Zeiten ein hohes Tempo einschlägt, statt endlos zu debattieren und im Fall der Rente sogar ein Scheitern zu riskieren.
Friedrich Merz hat in der TV-Sendung im Ersten aber einen anderen, noch viel wichtigeren Satz gesagt. Einen zur AfD, deren Falschbehauptungspolitik schwer mit der herkömmlichen Kritikkultur beizukommen ist: „In dem Augenblick, wo wir die Probleme lösen, entziehen wir dieser Partei mehr und mehr auch die Grundlage.“ Das derzeit größte Problem ist die schlechte Wirtschaftslage. Nicht einfach zu lösen, aber Hauptsache „mal machen“ – und die unnötig aufgeheizte „Stadtbild“-Debatte endgültig beenden. Das gilt für alle Beteiligten.
Frankfurter Rundschau 10.12.2025
Auch bei der FR muss man sehen, welcher Name unter einem Artikel steht.
Manche Blätter jubeln den Kanzler nach der Sendung in der ARD durchweg hoch, andere, wie die Schreiberin dieses Artikels sind da etwas nachdenklicher.
Da erwähnt sie einen Satz von Merz, den viele in ihren eigenen Worten auch schon gesagt haben, der in den Medien aber nur selten Erwähnung findet.
Zur AfD sagte er: „In dem Augenblick, wo wir die Probleme lösen, entziehen wir dieser Partei mehr und mehr auch die Grundlage.“ Warum wird dann nicht danach gehandelt? Der Kanzler bestimmt die Richtlinie der Politik.
Na gut, bei der Ampel war es die FDP und viele vom rechten Rand der Union behaupten das derzeit von der SPD. Wiederum andere wollen eine Politik nach Art der AfD erkennen.
Warten wir es ab, ob der Kanzler eine neue Politik wagt. Eine Politik, die er in der ARD angesprochen hat. Wagt er es, sich mit der AfD und nicht zu vergessen, sich mit großen Teilen seiner Partei und der CSU anzulegen?
Auch aus Washington werden ja Forderungen an die deutsche Politik gestellt.
Wem wird er gehorchen? Vielleicht seinem Arzt, der ihm aus gesundheitlichen Gründen den Rücktritt nahelegt?