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Einer, der noch Lehrgeld zahlt

Von Harvey11 Mittwoch 13.08.2025, 10:14 – geändert Mittwoch 13.08.2025, 11:11

Friedrich Merz wirkt, als sei er immer noch nicht richtig im Job angekommen. Und einige aus seinem Kabinett auch nicht.

Friedrich Merz ist erst seit 100 Tagen Bundeskanzler – wie er dieses Amt ausfüllen will, hat er aber schon vor anderthalb Jahren anklingen lassen. Damals bescheinigte er dem amtierenden Kanzler Olaf Scholz, der sei ein „Klempner der Macht“.
Er meinte damit, dass Scholz nur im Klein-Klein die Schräubchen der Politik drehe und nicht in der Lage sei, wirklich ein ganzes Gebäude zu errichten. Friedrich Merz will kein Klempner der Macht sein, er fühlt sich für das große Ganze zuständig. Doch für den großen Wurf muss man eben immer wieder auch an den kleinen Schrauben drehen. Das hat Merz in seiner kurzen Amtszeit bereits mehrfach festgestellt – und genauso oft ignoriert.
Vor wenigen Tagen war es wieder mal so weit. Merz beschloss, dass die Bundesregierung Israel künftig keine Waffen mehr liefern wird, wenn die auch für den Krieg im Gazastreifen verwendet werden können. Die Reaktion aus Teilen der Partei war deutlich: Die CSU meinte gleich, die Entscheidung nicht mittragen zu wollen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der Konservative Friedrich Merz nun zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit von rechts unter Beschuss gerät. Vor allem aber überrascht, dass er es auch diesmal nicht kommen sah.
In solchen Situationen fällt besonders auf, dass Merz als Politik-Rückkehrer im Grunde ein Seiteneinsteiger ist. Es ist schwer zu sagen, ob ihm die nötigen Drähte in die Partei hinein fehlen, so dass er ab und zu mal deren Puls fühlen kann – oder ob er das schlicht für überflüssig hält. Beides wäre fatal, denn die schwarz-rote Koalition hat im Bundestag nur eine winzige Mehrheit von zwölf Stimmen, wie Merz ja bereits am Tag seiner Kanzlerwahl schmerzlich erfuhr.
Bisher wirkt es, als sei Merz noch immer nicht richtig im Bundeskanzleramt angekommen – ein Befund, den auch die Umfragen bestätigen. Mit Merz sind nach 100 Tagen weit mehr Bürger unzufrieden als dies bei Olaf Scholz und Angela Merkel zum gleichen Zeitpunkt der Fall war. Auch dem restlichen Kabinett, das ebenfalls größtenteils aus Neulingen besteht, trauen die Deutschen nicht zu, dass es die großen Probleme des Landes löst.

Dabei stehen Mega-Reformen an: Rente, Pflege, Gesundheit – überall funktionieren die bisherigen deutschen Geschäftsmodelle nicht mehr. Hinzu kommen wichtige, womöglich überlebenswichtige außenpolitische Fragen, auf die Europa unter der Führung der Bundesrepublik Antworten finden soll. Friedrich Merz hat sie selbst vollmundig angekündigt. Damit aus großen Versprechen reale Politik wird, braucht er mehr als forsches Auftreten. Ab jetzt ist auch solides Regierungshandwerk gefragt. Und ein echtes Verständnis davon, wie man an den großen und kleinen Schrauben dreht.
Frankfurter Rundschau 13.08.2025

Was hat man am Wahlabend gejubelt. Halbieren wollte er die AfD und das Land endlich auf Vordermann bringen.
Schon klar, dass er die asozialen Politik der FDP, welche wieder die Rote Karte gesehen hatte, weiterführen würde und darin in der SPD einen willigen Handtaschenträger finden würde. Einer Partei, die sich mittlerweile für nichts mehr zu schade ist.
Aber während den Wahlgängen zu seiner eigenen Wahl musste er erfahren, nach wessen Noten er jetzt tanzen musste.
Anstatt die AfD zu halbieren übernahm er deren Hetze gegen Minderheiten und ließ sich darin auch von der CSU und Teilen seiner eigenen Partei treiben. Willenlos oder Machtlos? Eine Regierung voller Lobbyisten und Lehrlingen tut so, als wäre sie für das Land nicht zuständig.
Damit streute und streut Merz und sein Fähnlein Fieselschweif Blumen auf den Weg der AfD. Als christliche Parteien bereiten sie den Weg des Herrn.
Die Anhänger der Union bestreiten das heftig. Aber eine Nachricht sollte sie aufwachen lassen. In der Gießener Allgemeinen steht heute auf der Titelseite:

AfD zieht an Union vorbei
Die AfD zieht in einer Umfrage an der Union vorbei und liegt nun – nach 100 Tagen Koalition von Union und SPD – vorne. Im am Dienstag veröffentlichten „Trendbarometer“ von RTL und ntv wird die AfD bei 26 Prozent gesehen – ein Plus von einem Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche. CDU und CSU verlieren hingegen einen Punkt auf jetzt nur noch 24 Prozent. afp »
Ja, RTL und ntv. Aber das lässt aufhorchen.
Gut gemacht CDU gut gemacht CSU und gut gemacht SPD.
Würde Merz eine Vertrauensfrage im Bundestag überstehen? Die wird er wohl nicht wagen.

O-Ton Merz: Wer Führung bestellt bekommt sie auch.
O-Ton Harvey11: Buhahahahaha


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