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Ein knapper Glückwunsch nur auf Nachfrage

Von Harvey11 Donnerstag 08.05.2025, 10:10

Die Trump-Regierung reagiert demonstrativ unterkühlt auf die Regierungsbildung, Neu-Kanzler Merz will mit dem Präsidenten telefonieren
Die Pressekonferenz lief schon eine gute halbe Stunde, als sich Tammy Bruce, die Sprecherin des amerikanischen Außenministers Marco Rubio, auf Nachfrage doch noch zu einer Anmerkung Richtung Berlin durchrang: „Wir gratulieren Friedrich Merz zu seiner Wahl zum Bundeskanzler in Deutschland“, kommentierte Bruce denkbar knapp: „Wir werden weiter mit Deutschland und seiner nächsten Regierung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten und Europas arbeiten.“
Zwei floskelhafte Sätze - das diplomatische Minimalprogramm. Dabei sollte es fast 24 Stunden bleiben. Erst am amerikanischen Mittwochmorgen lieferte Vizepräsident J.D. Vance bei einer Veranstaltung der Münchner Sicherheitskonferenz in Washington einen ähnlich kurzen persönlichen Glückwunsch im Namen seines Chefs nach. Doch gab es weder - wie in solchen Fällen üblich - eine schriftliche Erklärung des Weißen Hauses noch einen Post von Donald Trump zur Regierungsbildung in Berlin. Und als am Dienstag im State Department ein Reporter eine weitere Frage zu Merz stellen wollte, bürstete Bruce ihn ab: „Nein, das ist es für heute. Danke!“
Die unterkühlte Washingtoner Reaktion auf die Regierungsbildung ist kein Zufall. Seit den Attacken von Vizepräsident JD Vance wegen des angeblich Demokratiedefizits und der öffentlichen Parteinahme von Elon Musk zugunsten der extrem rechten AfD ist Deutschland zur Zielscheibe der Trump-Administration geworden. Außenminister Rubio hatte die Einstufung der AfD als „gesichert rechtsextrem“ am vorigen Freitag als „verdeckte Tyrannei“ bezeichnet.
Vance erklärte in einem Post bei X, die AfD sei die wichtigste Partei in Ostdeutschland. Der Westen habe die Berliner Mauer niedergerissen: „Nun wird sie vom deutschen Establishment wieder aufgebaut.“ Angesichts dessen ist das erste Telefonat von Merz mit Trump ausgesprochen heikel. Es ist nach Angaben der Bundesregierung für Donnerstag geplant. „Wir werden offen miteinander reden“, hatte der CDU-Politiker am Dienstagabend im ZDF angekündigt. Zugleich verwahrte er sich gegen „absurde Betrachtungen der Bundesrepublik Deutschland“ und forderte die US-Regierung auf, „die Innenpolitik in Deutschland Innenpolitik sein zu lassen und sich aus parteipolitischen Betrachtungen weitgehend herauszuhalten“.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Präsident Trump dieser Bitte nachkommt, ist freilich gering. Schon während seiner ersten Amtszeit hatte der rechtspopulistische Republikaner die Heimat seiner Vorfahren gerne als Punchingball für seine Ausbrüche genutzt. Anlässe der Kritik waren vor allem die niedrigen deutschen Verteidigungsausgaben und der hohe deutsche Überschuss im Handel mit den USA.
Den ersten Punkt könnte Merz mit Hinweis auf die aufgestockten Verteidigungsausgaben und die Aufweichung der Schuldengrenze für diese Zwecke zu entkräften versuchen. Doch Deutschlands Exporterfolg macht das Land zwangsläufig zum wichtigsten Gegner Trumps in seiner derzeitigen Zoll-Offensive. Amerika wolle, dass es von seinen Handelspartnern „fair“ behandelt werde, forderte Vance am Mittwoch. Zugleich warnte er erneut vor einer Beschränkung der freien Meinungsäußerung. Die massiven Eingriffe in die Pressefreiheit und die juristische Verfolgung von Kritikern durch Trump erwähnte er nicht.
Auch außerhalb des Regierungslagers hält sich die Euphorie über den neuen Kanzler in Washington in Grenzen. Eine „verletzte und geschwächte Figur“ übernehme die Führung des „schwankenden Establishments“ in Deutschland, schrieb Politico. Das konservative Wall Street Journal kommentierte, dass eine Mehrheit in Deutschland eine rechte Koalition aus CDU/CSU, AfD und FDP wolle, die sich aber wegen des Extremismus der AfD verbiete: Deswegen sei das Land „zu einer instabilen rechts-links-Koalition nach der anderen und zur dauernden Enttäuschung der Wähler“ verdammt.
Karl Doemens, Frankfurter Rundschau 8.5.2025
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Offensichtlich die Kalte Schulter, deutlicher kann man den Stellenwert des neuen Kanzlers in Washington nicht zeigen.
Aber Merz will mit Trump heute telefonieren. Was will er ihm sagen? „Hi Don, jetzt bin ich der Chancellor in Germany und ich muss dir jetzt mal was auf Augenhöhe sagen“.
Ich denke gerade nach was Trump wohl machen wird während Merz redet.
Kann ja auch sein, dass es nur ein sehr kurzes Gespräch sein wird.
Was solls, es ist gute Tradition, dass man miteinander redet. Außer man ist gerade nicht gut auf einander zu sprechen, warum auch immer.
Jedenfalls werden uns über den Inhalt die tollsten Dinge erzählt werden. Auch das ist gute Tradition.
Interessanter ist aber das: Das konservative Wall Street Journal kommentierte, dass eine Mehrheit in Deutschland eine rechte Koalition aus CDU/CSU, AfD und FDP wolle, die sich aber wegen des Extremismus der AfD verbiete: Deswegen sei das Land „zu einer instabilen rechts-links-Koalition nach der anderen und zur dauernden Enttäuschung der Wähler“ verdammt.
Dagegen wird uns unser ewiger Freund und stärkste Verbündete sicher ein Mittel empfehlen, eine neue Regierung.

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