Alle vier Jahre. Kommt die K-Frage. Auf die Bundesrepublik nieder. Wo die Medien sind. So auch dieser Tage, als der Zusammenschluss der beiden großen Parteien mit dem C im Namen verkündete, wer im Falle eines Wahlsiegs in gut einem Jahr Kanzler werden würde. Und prompt stand dem auserkorenen Friedrich Merz sein zwischenzeitlicher Widersacher Markus Söder zur Seite, um in Berlin zu verkünden: „Die K-Frage ist entschieden. Friedrich Merz macht's.“ Er sei damit nicht nur fein, sondern unterstütze ihn auch ausdrücklich. Wie schön. Dann kann es ja jetzt richtig losgehen, und die größte konservative Partei der Republik kann sich um Inhalte kümmern.
Sie könne damit beginnen, endlich die wahre K-Frage zu beantworten. Die K-Frage, die sich nicht an Wahlen, Legislaturperioden und Kandidaten orientiert. Die K-Frage, die uns alle direkt und indirekt beschäftigt, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Die K-Frage, die von CDU und CSU bisher üblicherweise sehr schlecht adressiert wird.
Etwa wenn ein ehemaliger Kanzlerkandidat angesichts der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 verkündet: „Weil heute so ein Tag ist, ändert man nicht die Politik.“ Oder wenn der Ministerpräsident Bayerns angesichts des Hochwassers durch durch Starkregen im eigenen Bundesland im Juni dieses Jahres verlauten lässt: „Hier entstehen Ereignisse, die es vorher nicht gab. Damit konnte auch oder hat keiner normalerweise gerechnet.“ Oder wenn der nun auserkorene Kanzlerkandidat im April letzten Jahres das Ausmaß der politischen Debatte zum, Klimaschutz als „unverhältnismäßig“ bezeichnet, mit der Begründung: „Es ist eben gerade nicht so, dass morgen die Welt untergeht.“ Gefolgt von der Ergänzung, dass es ausreiche, in den kommenden zehn Jahren die Weichen richtig zu stellen.
Die K-Frage, die ich meine, sollte spätestens jetzt klar sein. Ich spreche natürlich von der Klimafrage.
Warum nur sind CDU und CSU so schlecht darin, sie zu beantworten beziehungsweise – stärker noch – ihr überhaupt die Bühne zu geben, die sie zweifelsohne verdient hat? Eine Bühne, die einlädt, innovative Lösungen zu diskutieren, angesichts von „jährlichen Jahrhunderthochwassern“ und einer erneut „stark unterdurchschnittlichen Getreideernte“, die laut Bauernpräsident Joachim Rukwied einmal mehr deutlich spürbare Auswirkungen des Klimawandels zeige.
Vielleicht liegt es daran, dass gerade in der konservativen Volkspartei die Normalitätssimulation, die wir gesamtgesellschaftlich trotz immer gravierender Folgen der Klimakrise noch immer leben, besonders ausgeprägt ist. Weil das Festhalten am „vermeintlich Normalen“ Teil des eigenen Politikverständnisses ist.
Vielleicht liegt es auch daran, dass es den Politikern jener Partei besonders schwerfällt, sich neue Möglichkeiten zu wohnen, fortbewegen, zu ernähren und zu arbeiten vorzustellen. Einfach weil sie so gerne am Bisherigen festhalten möchten.
Vielleicht liegt es auch daran, dass viele CD- und CSUler noch nicht begriffen haben, dass echte konservative – im Sinne von bewahrende – Politik darin bestehen muss, vieles anders zu machen als bisher. Schließlich bedroht die sich zuspitzende Klimakrise nicht nur Häuser in Flussnähe und Getreideernten, sondern auch das Maß Bier auf dem Oktoberfest. Einige Brauer warnen bereits davor, dass der Welt das Bier ausgehen könnte. Meine Empfehlung an Friedrich Merz, um das abzuwehren: sich als potenziellen Klimakanzler zu präsentieren. Das wäre mutig.
(Maren Urner), FR, 23.9.2024)
Ich denke und hoffe, dass sich in diesem Fall mal nicht darauf verlassen wird, dass sie chemishe Industrie in China schon für frisches Bier sorgen wird.
Alle vier Jahre. Kommt die K-Frage. Auf die Bundesrepublik nieder. Wo die Medien sind. So auch dieser Tage, als der Zusammenschluss der beiden großen Parteien mit dem C im Namen verkündete, wer im Falle eines Wahlsiegs in gut einem Jahr Kanzler werden würde. Und prompt stand dem auserkorenen Friedrich Merz sein zwischenzeitlicher Widersacher Markus Söder zur Seite, um in Berlin zu verkünden: „Die K-Frage ist entschieden. Friedrich Merz macht's.“ Er sei damit nicht nur fein, sondern unterstütze ihn auch ausdrücklich. Wie schön. Dann kann es ja jetzt richtig losgehen, und die größte konservative Partei der Republik kann sich um Inhalte kümmern.
Sie könne damit beginnen, endlich die wahre K-Frage zu beantworten. Die K-Frage, die sich nicht an Wahlen, Legislaturperioden und Kandidaten orientiert. Die K-Frage, die uns alle direkt und indirekt beschäftigt, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Die K-Frage, die von CDU und CSU bisher üblicherweise sehr schlecht adressiert wird.
Etwa wenn ein ehemaliger Kanzlerkandidat angesichts der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 verkündet: „Weil heute so ein Tag ist, ändert man nicht die Politik.“ Oder wenn der Ministerpräsident Bayerns angesichts des Hochwassers durch durch Starkregen im eigenen Bundesland im Juni dieses Jahres verlauten lässt: „Hier entstehen Ereignisse, die es vorher nicht gab. Damit konnte auch oder hat keiner normalerweise gerechnet.“ Oder wenn der nun auserkorene Kanzlerkandidat im April letzten Jahres das Ausmaß der politischen Debatte zum, Klimaschutz als „unverhältnismäßig“ bezeichnet, mit der Begründung: „Es ist eben gerade nicht so, dass morgen die Welt untergeht.“ Gefolgt von der Ergänzung, dass es ausreiche, in den kommenden zehn Jahren die Weichen richtig zu stellen.
Die K-Frage, die ich meine, sollte spätestens jetzt klar sein. Ich spreche natürlich von der Klimafrage.
Warum nur sind CDU und CSU so schlecht darin, sie zu beantworten beziehungsweise – stärker noch – ihr überhaupt die Bühne zu geben, die sie zweifelsohne verdient hat? Eine Bühne, die einlädt, innovative Lösungen zu diskutieren, angesichts von „jährlichen Jahrhunderthochwassern“ und einer erneut „stark unterdurchschnittlichen Getreideernte“, die laut Bauernpräsident Joachim Rukwied einmal mehr deutlich spürbare Auswirkungen des Klimawandels zeige.
Vielleicht liegt es daran, dass gerade in der konservativen Volkspartei die Normalitätssimulation, die wir gesamtgesellschaftlich trotz immer gravierender Folgen der Klimakrise noch immer leben, besonders ausgeprägt ist. Weil das Festhalten am „vermeintlich Normalen“ Teil des eigenen Politikverständnisses ist.
Vielleicht liegt es auch daran, dass es den Politikern jener Partei besonders schwerfällt, sich neue Möglichkeiten zu wohnen, fortbewegen, zu ernähren und zu arbeiten vorzustellen. Einfach weil sie so gerne am Bisherigen festhalten möchten.
Vielleicht liegt es auch daran, dass viele CD- und CSUler noch nicht begriffen haben, dass echte konservative – im Sinne von bewahrende – Politik darin bestehen muss, vieles anders zu machen als bisher. Schließlich bedroht die sich zuspitzende Klimakrise nicht nur Häuser in Flussnähe und Getreideernten, sondern auch das Maß Bier auf dem Oktoberfest. Einige Brauer warnen bereits davor, dass der Welt das Bier ausgehen könnte. Meine Empfehlung an Friedrich Merz, um das abzuwehren: sich als potenziellen Klimakanzler zu präsentieren. Das wäre mutig.
(Maren Urner), FR, 23.9.2024)
Ich denke und hoffe, dass sich in diesem Fall mal nicht darauf verlassen wird, dass sie chemishe Industrie in China schon für frisches Bier sorgen wird.